Marian Gold wirft Festivalmachern Beschneidung der Kunstfreiheit vor
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Glücksgefühle

Marian Gold wirft Festivalmachern Beschneidung der Kunstfreiheit vor

Nach der kurzfristigen Ausladung von Alphaville legt Sänger Marian Gold im Spiegel-Interview nach und warnt vor dem Rechtsruck. Zahlreiche Künstler solidarisieren sich mit der Band.

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Der Streit um das Glücksgefühle-Festival eskaliert: Alphaville-Sänger Marian Gold (72) wirft den Veranstaltern vor, seine Band wegen ihrer politischen Haltung ausgeladen zu haben. „Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung der Kunstfreiheit“, sagte Gold am Samstag im Spiegel-Interview. Damit bezieht er sich auf die kurzfristige Ausladung der Band vom Festival am Hockenheimring, das als unpolitisch gelten sollte.

Das Festival mit rund 250.000 Gästen ist eines der größten Musikfestivals Deutschlands und war ausverkauft. Organisiert wird es von Lukas Podolski (41) und Markus Krampe. Am 2. September setzten sie Alphaville von der Bühnenliste, nachdem die Band sich in der Vergangenheit mehrfach politisch geäußert hatte – unter anderem mit einer Klage gegen die AfD wegen der Nutzung ihres Hits Forever Young.

Gold nannte die Begründung damals einen Maulkorberlass, wie man ihn sonst nur aus Diktaturen kenne. Nach massiver Kritik entschuldigte sich Krampe am 3. September und lud die Band wieder ein. Alphaville verzichtete dennoch auf den Auftritt und spendete die Gage an eine gemeinnützige Organisation.

Chronologie des Streits

Die Auseinandersetzung um Alphaville und das Festival entwickelte sich innerhalb weniger Tage. Die wichtigsten Stationen:

Die Eskalation in fünf Tagen

  1. 2. September 2026
    Ausladung

    Alphaville wird vom Glücksgefühle-Festival ausgeladen. Marian Gold spricht von einem Maulkorberlass.

  2. 3. September 2026
    Entschuldigung

    Veranstalter Markus Krampe entschuldigt sich und lädt die Band wieder ein. Alphaville lehnt ab und spendet die Gage.

  3. 4. September 2026
    Erster Festivaltag

    Zahlreiche Künstler wie Tom Gregory, Nura und Ski Aggu solidarisieren sich mit Alphaville. Krampe nennt die Ausladung superdämlich.

  4. 5. September 2026
    Gold legt nach

    Marian Gold spricht im Spiegel-Interview von Beschneidung und warnt vor dem Rechtsruck. Felix Jaehn und Culcha Candela äußern sich politisch.

  5. 6. September 2026
    Festivalende

    Das Festival auf dem Hockenheimring endet, es war am Donnerstag mit einer Pre-Party gestartet.

Besonders brisant: Gold hält die Gründe der Veranstalter für vorgeschoben und verweist auf den österreichischen Sänger Andreas Gabalier, der trotz Kritik an dessen rechten Tendenzen gebucht wurde. Gabalier passt denen wohl besser als Alphaville, sagte Gold.

Künstler protestieren auf der Bühne

Der Versuch, politische Äußerungen zu unterbinden, ging nach Einschätzung mehrerer Medien komplett nach hinten los. Rapper Ski Aggu rief in der Nacht auf Samstag: „Wenn ihr eine Meinung habt, dann lasst sie Euch niemals verbieten.“ Er sprach sich für Demokratie und Meinungsfreiheit aus und ließ Forever Young spielen.

Rapperin Nura wurde noch deutlicher: „Fickt die AfD und fickt jeden, der was damit zu tun hat.“ Auch sie spielte den Alphaville-Klassiker an. Der Kölner Männerchor Grüngürtelrosen sang Forever Young und rief „Scheiß AfD! Alle Hände hoch für Alphaville!“

Auch andere Acts setzten Zeichen. Die Berliner Band Culcha Candela nannte Glücksgefühle inzwischen das politischste Festival Deutschlands und kündigte an, sich notfalls mit Megaphonen zu positionieren. DJ Felix Jaehn rief am zweiten Festivaltag: „Willkommen auf der politischen Veranstaltung.“ Die No Angels trugen beim Festival FCK-AFD-Shirts.

Die Mallorca-Sängerin Mia Julia sagte: „Wir müssen den Mund aufmachen, um gewisse Augen zu öffnen.“ DJ Beauty & the Beats sagte seinen Auftritt ab.

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Gold warnt vor Rechtsruck

Gold verband seine Kritik mit einer deutlichen Warnung: Es sei höchste Zeit, sich den demokratiefeindlichen und rechtsradikalen Bewegungen, die immer mehr an Boden gewinnen, vehement entgegenzustellen, bevor es zu spät ist. Zu spät sei es dann, wenn solche Kräfte durch Wahlen in Ämter gelangten und Grundrechte einschränken oder abschaffen könnten: „Wenn ihnen das gelingt, dann gute Nacht, Deutschland.“

Außerdem kritisierte Gold eine gesellschaftliche Schläfrigkeit: „Mir geht die Schläfrigkeit in diesem Land total auf den Sack. Die Leute, die dafür sorgen sollten, dass unsere Demokratie nicht gefährdet wird, unsere Freiheit, machen zu wenig.“

Einen positiven Effekt erkennt Gold dennoch: Das mediale Aufsehen habe den öffentlichen Diskurs über die Zukunft Deutschlands befördert und vielleicht viele Menschen aufgeweckt. In einem Instagram-Post bedankte er sich für die unfassbare Welle der Solidarität.

Veranstalter rudern zurück

Mitveranstalter Markus Krampe hatte bereits am Freitag seine Entscheidung als Fehler bezeichnet: „Das ist superdämlich gewesen.“ Er hätte es begrüßt, wenn die Band nach der Wiedereinladung aufgetreten wäre – dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können. Mitorganisator Lukas Podolski stellte sich hinter seinen Partner: „Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben.“

Podolski warnte zugleich Kritiker vor Beleidigungen in sozialen Medien und sagte, er lasse weder seine Familie noch sich selbst beleidigen. In einem Videostatement erklärte er, die Leute sollten ganz vorsichtig sein, wie sie mit meinem Namen umgehen, weil ein Lukas Podolski kann auch anders. Ob das Festival künftig weiter politische Statements unterbinden will, blieb offen.