AfD erzielt in Sachsen-Anhalt mit 43,8 % ihr bestes Landtagswahlergebnis
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Landtagswahl

AfD erzielt in Sachsen-Anhalt mit 43,8 % ihr bestes Landtagswahlergebnis

Beim historischen Absturz der CDU in Sachsen-Anhalt herrscht auf der Wahlparty in Magdeburg Beerdigungsstimmung. Viele Anwesende machen Bundeskanzler Friedrich Merz verantwortlich – nicht Spitzenkandidat Sven Schulze.

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Die CDU in Sachsen-Anhalt ist am Wahlabend des 6. September 2026 historisch abgestürzt – und die Stimmung im Maritim-Hotel Magdeburg glich einer Beerdigung. Viele Anwesende machten auf der Wahlparty vor allem einen verantwortlich: Bundeskanzler Friedrich Merz.

Die AfD um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gewann mit 43,8 Prozent der Stimmen klar, die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze fiel auf 17,2 Prozent – das schlechteste CDU-Ergebnis in Sachsen-Anhalt überhaupt. Selbst 1998 hatte die Partei dort noch 22,0 Prozent geholt. Aus der CDU-Wahlparty meldete FOCUS online: „Glühende Schulze-Fans gibt es auf der Wahlparty zwar kaum, aber die meisten Anwesenden verteidigen ihren Spitzenkandidaten.“

Zugleich kursierte dort ein Satz, den FOCUS online als Schlagzeile verbreitete: „Dieses beschissene Ergebnis geht auf die Rechnung von Merz.“ Der anonym bleibende Ausspruch eines Anwesenden fasst die Stimmung zusammen: Die CDU-Anhänger suchten die Schuld für das Debakel nicht bei ihrem Spitzenkandidaten, sondern beim Kanzler in Berlin.

Das Wahlergebnis

Die AfD erreichte ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt – zuvor lag der Höchstwert bei 32,8 Prozent in Thüringen 2024. Wie WELT über das vorläufige Endergebnis berichtet, verfehlte sie die absolute Mehrheit von 42 Sitzen knapp: Sie kommt auf 39 Sitze. Die AfD bleibt ohne Partner für eine Regierung. Die CDU stürzte von 37,1 Prozent bei der Wahl 2021 auf 17,2 Prozent ab.

Weitere vorläufige Ergebnisse: SPD 9,3 Prozent (2021: 8,4), Linke 8,6 Prozent, Grüne 8,9 Prozent, BSW 5,3 Prozent und FDP 2,6 Prozent. Die Liberalen fliegen aus dem Landtag und damit aus der Regierung. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent – der höchste Wert bei einer Landtagswahl seit der Wiedervereinigung.

Vorläufiges Endergebnis der Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026

Quelle: Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt

Beerdigungsstimmung in Magdeburg

BILD beschrieb die Atmosphäre als „Stimmung wie auf einer Beerdigung“. t-online schildert den Moment, als um 18.01 Uhr die ersten Zahlen über den Bildschirm flackern: „Es ist mucksmäuschenstill.“

Ein Mann sagte auf dem Weg zur Tür: „Ich muss mal kurz an die frische Luft.“ Eine Frau: „Katastrophe“, eine andere antwortete nickend: „Katastrophe“. Ein Mann mit Bier: „Ich glaube, ich hätte doch nicht alkoholfrei nehmen sollen.“ Als die neue CDU-Kanzleramtschefin Nina Warken im Fernsehen das Ergebnis als „Zäsur für das Land, Zäsur für die Partei“ bezeichnete, hörte kaum noch jemand zu. Wenig später stellte jemand den Fernseher aus.

Schulze räumt Niederlage ein

Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze gratulierte dem Wahlsieger AfD und gestand die Niederlage ein. Er sagte: „Ich hätte mir in jeder Hinsicht ein besseres Ergebnis gewünscht.“ BILD zitierte ihn zudem: „Manche sagen, das ist ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Ich sage, das ist Demokratie. Die Menschen haben ein Zeichen gesetzt.“

Wir werden als CDU mit dem Ergebnis umgehen müssen.
Sven Schulze, CDU-Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Zugleich machte Schulze die Bundespolitik mitverantwortlich. „Wir hatten oft Gegenwind. Das war nicht immer ganz einfach“, sagte er laut Deutschlandfunk – eine indirekte Kritik am Kurs von Kanzler Merz.

Merz-Debatte und Machtkampf

Die Wahlschlappe wurde am Wahlabend vielfach mit Friedrich Merz verknüpft. t-online kommentierte: „Diese Wahlschlappe für die CDU in Sachsen-Anhalt geht allen voran mit Merz nach Hause.“ Unionsfraktionschef Thorsten Frei lehnte eine Merz-Debatte ab. Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte: „In jedem Fall ist es ein sehr schweres Ergebnis für uns.“

Parallel bricht in der Landes-CDU ein Machtkampf aus. Sven Schulze traf sich bereits um 14.30 Uhr am Wahltag mit den mächtigen Kreisvorsitzenden – ein unüblicher Vorgang. Der 37-jährige Bundestagsabgeordnete Sepp Müller, der nicht eingeladen war, kam dennoch. Er gilt als möglicher künftiger Landesvorsitzender. Auch der frühere Innenminister Holger Stahlknecht legte Schulze laut WELT den Rücktritt nahe.

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Der neue Landtag muss spätestens am 6. Oktober 2026 zusammentreten; eine Frist für die Wahl des Ministerpräsidenten gibt es nicht. Weil der AfD drei Sitze zur absoluten Mehrheit fehlen und die bisherige Koalition keine Mehrheit mehr hat, ist die Regierungsbildung völlig offen. Das BSW bot der AfD am Wahlabend Zusammenarbeit an und will sich im dritten Wahlgang der Ministerpräsidentenwahl enthalten.