Volkswagen gibt Werk Osnabrück 2027 auf – Aurelius übernimmt
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Autokrise

Volkswagen gibt Werk Osnabrück 2027 auf – Aurelius übernimmt

Volkswagen trennt sich vom Standort Osnabrück. Aurelius Capital und das Land Niedersachsen übernehmen die GmbH, Rafael soll Luftabwehr-Komponenten produzieren – ohne VW. Ein direkter Verkauf an Rafael scheiterte an Katar.

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Volkswagen gibt sein Werk in der Friedensstadt Osnabrück auf. Wie dem ZDFheute-Bericht zur Werksübernahme zu entnehmen ist, vereinbarten am Montag, 7. September 2026, der Konzern, das Land Niedersachsen, der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems und der Finanzinvestor Aurelius Capital Eckpunkte für einen Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH. Damit zieht sich VW vollständig vom Standort zurück.

Laut Mitteilung des Autobauers übernimmt der Investor Aurelius Capital als Mehrheitseigentümer gemeinsam mit dem Land Niedersachsen die GmbH; das Land hält eine Minderheitsbeteiligung. Der Standort soll nach dem Auslaufen der Auto-Produktion 2027 schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen entwickelt werden. Die Vereinbarung ist noch kein vollzogener Verkauf, bildet aber die Grundlage für die nächsten Schritte: Festlegung der Verantwortlichkeiten, wirtschaftliche Ausgestaltung und Vorbereitung des Übergangs. Der Vollzug steht unter Vorbehalt abschließender Vereinbarungen, Gremienbeschlüssen und behördlicher Prüfungen.

Ursprünglich hatte VW eine direkte Zusammenarbeit mit Rafael bei der Fertigung von Iron-Dome-Komponenten erwogen. Dieser direkte Verkauf scheiterte jedoch an Bedenken des VW-Großaktionärs Katar, das keine normalisierten Beziehungen zu Israel unterhält. Durch den vollständigen Rückzug VWs räumt der Konzern das Hindernis aus dem Weg – das geplante Joint Venture mit dem Rüstungskonzern kommt nun ohne VW zustande.

Rafael statt Volkswagen

Als erstes Ankerprojekt ist eine Zusammenarbeit mit Rafael Advanced Defense Systems vorgesehen. Der israelische Konzern produziert unter anderem das Raketenabwehrsystem Iron Dome und das aktive Schutzsystem Trophy für den Kampfpanzer Leopard. Die Kooperation soll sich zunächst auf mögliche Entwicklung und Produktion von Komponenten für Luftabwehrsysteme konzentrieren.

Die Osnabrücker Belegschaft soll beim Aufbau der Fertigung und Industrialisierung eine zentrale Rolle übernehmen. Nach Berichten soll Rafael am Standort militärische Fahrzeuge, Abschussvorrichtungen und Generatoren produzieren; die Tamir-Abfangraketen selbst sollen nicht in Osnabrück gefertigt werden. Auch KNDS wurde als möglicher Nutzer diskutiert, Rheinmetall hatte das Werk besichtigt, eine Übernahme aber ausgeschlossen.

Heute bauen wir eine langfristige industrielle Partnerschaft mit unseren deutschen Partnern auf mit dem Ziel, dass die Technologie vollständig in Deutschland produziert wird, um Deutschland und Europa zu schützen.
Yoav Tourgeman, CEO Rafael Advanced Defense Systems

Arbeitsplätze und Tarifbindung

Wie n-tv zur Beschäftigungsperspektive am Standort berichtet, arbeiten in Osnabrück rund 1.800 Menschen. Die vereinbarte Lösung bietet knapp 1.400 von ihnen eine Zukunft. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo bezifferte die langfristige Perspektive auf rund 1.200 Beschäftigte.

Durch Rente und Altersteilzeit soll die Belegschaft auf 1.200 Stellen reduziert werden; die Beschäftigungssicherung gilt bis Ende 2029. Sämtliche Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Arbeitsverträge und Betriebsratsstrukturen bleiben laut Betriebsrat bestehen; die Tarifbindung in der Metall- und Elektroindustrie bleibt erhalten.

Laut FAZ könnten 600 bis 700 Beschäftigte als Personalstamm für die Arbeit mit Rafael in einer neuen Einheit angestellt werden – Beschäftigte in Rüstungsbetrieben müssen eine Sicherheitsprüfung durchlaufen.

Der heutige Schritt eröffnet Chancen für den Standort, entbindet Volkswagen jedoch nicht von der Aufgabe, auch für die verbleibenden Beschäftigten verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen.
Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall

Die Vorgeschichte: Vom Cabrio zum Rüstungsstandort

Volkswagen hatte im Dezember 2024 beschlossen, die Fertigung des T-Roc Cabrios in dem ehemaligen Karmann-Werk im Sommer 2027 auslaufen zu lassen. Die Produktion der dort gefertigten Porsche-Modelle war bereits Ende 2025 ausgelaufen; aktuell wird in Osnabrück nur noch das T-Roc Cabrio gebaut. Das Werk war 2009 nach der Insolvenz des Auftragsfertigers Karmann zu VW gekommen.

Der VW-Aufsichtsrat hatte am Freitag, 4. September 2026, den Zukunftsplan 2030 mit 50.000 Stellenstreichungen beschlossen. Osnabrück ist das fünfte Werk, das der Konzern aufgibt.

Der Weg zum Werksverkauf

  1. Dezember 2024
    VW beschließt Auslaufen der T-Roc-Cabrio-Fertigung

    Die Produktion soll im Sommer 2027 enden.

  2. Dezember 2025
    Porsche-Produktion endet

    Ein erhoffter E-Sportwagen-Folgeauftrag wird abgesagt, nur noch T-Roc Cabrio wird gebaut.

  3. 4. September 2026
    Aufsichtsrat beschließt Sanierungsprogramm

    Weltweit fallen 50.000 weitere Stellen, vier Werke sind betroffen.

  4. 6. September 2026
    Rückzug wird bekannt

    Die WirtschaftsWoche berichtet über die Vorbereitung des Werksverkaufs.

  5. 7. September 2026
    Eckpunkte vereinbart

    VW, Land Niedersachsen, Rafael und Aurelius einigen sich auf den Verkauf der Osnabrück GmbH.

Streit um die „Friedensstadt“

Der Einstieg ins Rüstungsgeschäft ist für den politisch geprägten Konzern heikel. Laut FAZ könnten rund 200 Millionen Euro an Steuermitteln fließen; in Hannover gilt die Rettung der Meyer Werft als Blaupause. Der direkte Einstieg des Landes müsste einen Private-Investor-Test der EU durchlaufen. In der Friedensstadt Osnabrück – wo 1648 der Westfälische Friede geschlossen wurde – wird das Thema kontrovers diskutiert.

Die IG Metall, die sich satzungsgemäß für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung einsetzt, trägt die Lösung dennoch mit, weil es um viele Arbeitsplätze geht. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hatte bereits betont, die Fabrik könne mit neuer Arbeit im Defence-Bereich zur Sicherheit beitragen.

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Die nächsten Schritte umfassen abschließende Vereinbarungen, erforderliche Gremienbeschlüsse und behördliche Prüfungen. Offen bleibt, wie viele der verbleibenden Beschäftigten dauerhaft eine Perspektive im Verteidigungskomplex erhalten.