VW-Aufsichtsrat segnet Zukunftsplan 2030 ab – 50.000 Jobs fallen weg
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Autoindustrie

VW-Aufsichtsrat segnet Zukunftsplan 2030 ab – 50.000 Jobs fallen weg

Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat den tiefgreifenden Umbau beschlossen. Weltweit fallen 50.000 weitere Stellen, vier Werke bangen um ihre Zukunft.

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50.000 weitere Jobs fallen weg: Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat am Donnerstagabend den „Zukunftsplan 2030“ einstimmig beschlossen – und damit den tiefgreifendsten Umbau der Konzerngeschichte besiegelt.

Nach wochenlanger Eskalation kam die Einigung überraschend. Ursprünglich waren die Chancen auf eine Zustimmung als „außerordentlich gering“ eingeschätzt worden. Am Abend wurde das 20-köpfige Gremium eilig zusammengerufen, um 20.44 Uhr verschickte Volkswagen die Mitteilung. Wie die Meldung über die einstimmige Einigung im Aufsichtsrat berichtet, war die Sitzung spontan anberaumt worden.

50.000 zusätzliche Jobs – Gesamtbilanz 100.000

Bereits in früheren Berichten war von bis zu 100.000 bedrohten Stellen bei VW die Rede. Nun ist der Abbau beschlossen: Weltweit fallen 50.000 weitere Jobs, zusammen mit den bereits seit Ende 2024 vereinbarten 50.000 Stellen sind es 100.000 – rund 15 Prozent aller Arbeitsplätze im Konzernverbund.

Auf betriebsbedingte Kündigungen will Volkswagen verzichten. Stattdessen sollen Altersteilzeit, Abfindungen und freiwillige Austritte greifen, außerdem frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden. Rund die Hälfte der zusätzlichen Stellen dürfte nach Einschätzung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Deutschland wegfallen.

Diese Zahl ergibt sich rechnerisch aus den elf Milliarden Euro, die der Konzern einsparen muss.
Peter Kunz, Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen

Vier Werke ohne gesicherte Folgebelegung

Für die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm kann Volkswagen nach eigenen Angaben „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung“ gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleisten. Das Unternehmen prüft deshalb „alternative Verwendungsmöglichkeiten“. Damit bestätigt der Aufsichtsrat, was der Vorstand bereits als das Produktionsende für vier Werke beschlossen hatte.

Laut ZDF-Landesstudioleiter Peter Kunz ist dabei ausdrücklich nicht mehr nur von Automobilarbeitsplätzen die Rede, sondern von Industriearbeitsplätzen – „Rüstung, Robotics, alles ist möglich“. Auch dass in China entwickelte VW-Modelle künftig in Deutschland gebaut werden könnten, wäre ein Paradigmenwandel. Im Werk Zwickau bangen rund 8.000 Beschäftigte um ihre Jobs.

Renditeziel 9 Prozent: 125 Milliarden Investitionen

Der Plan sieht eine Investitionsoffensive von bis zu 125 Milliarden Euro vor. Ziel ist eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent im Jahr 2030 – derzeit liegt sie nur bei knapp 4 Prozent. Wie die NZZ-Analyse zur VW-Einigung darlegt, ist die aktuelle Marge weit vom Ziel entfernt.

Operative Umsatzrendite: Ist und Ziel

Quelle: Volkswagen, NZZ

Das weltweite Produktionsnetz wird auf einen jährlichen Absatz von rund neun Millionen Fahrzeugen ausgerichtet. In Europa verfügt der Konzern über ungenutzte Kapazitäten für rund 500.000 Fahrzeuge. Das Beteiligungsportfolio soll um rund ein Drittel schrumpfen.

Auch die Führungsstruktur wird verschlankt: Hierarchieebenen werden reduziert, Entscheidungswege verkürzt, für Führungskräfte gilt ein einheitliches Leistungs- und Bonussystem. Entwicklung, Einkauf, Produktion, Qualität, Vertrieb und Verwaltung sollen enger zusammenarbeiten. Digitale Verfahren und künstliche Intelligenz sollen Test- und Entwicklungsprozesse beschleunigen. Oliver Blume sagte: „Der Zukunftsplan schafft die Voraussetzungen, um den Volkswagen Konzern und seine Marken leistungsfähiger, wettbewerbsstärker und zukunftsorientierter aufzustellen.“

Gewerkschaft und Politik: Kein Werk aufgegeben

IG Metall und Konzernbetriebsrat betonten, eine Eskalation sei verhindert worden. Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente sei vom Tisch. „Kein Werk wurde aufgegeben, und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt“, erklärten Christiane Benner und Daniela Cavallo. Sie kritisieren jedoch den „Konfrontationskurs“ des Vorstands. Noch vor wenigen Tagen hatte Cavallo vor bis zu 115.000 gefährdeten Arbeitsplätzen gewarnt.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies kündigte an, er wolle versuchen, die Produktion auch in den vier von einer Schließung bedrohten Fabriken fortzuführen: „Wir müssen die Chance haben, die deutschen Standorte im Wettbewerb so aufzustellen, dass wir hier weiterhin Automobilproduktion haben.“

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Börse feiert den Beschluss – Details bleiben offen

Die Anleger reagierten euphorisch: Zum Handelsstart am Freitag stieg die VW-Aktie um mehr als sechs Prozent und setzte sich an die Dax-Spitze. Die Porsche Automobil Holding legte um mehr als drei Prozent zu. Der Kapitalmarktstratege Tim Rokossa von der Deutschen Bank wertete die Einigung als fundamentalen Durchbruch.

Trotz des Jubels bleiben zentrale Details offen – insbesondere die konkrete Verteilung des Stellenabbaus und die Zukunft der vier genannten Werke. Bis Ende Juni 2027 soll ein Konzept für eine nachhaltige Produktionsstruktur der europäischen Werke entwickelt werden. Die Linke kritisierte, Volkswagen habe in den vergangenen fünf Jahren fast 30 Milliarden Euro an Aktionäre ausgeschüttet, statt in bezahlbare E-Autos zu investieren.