G20-Treffen in Asheville: Klingbeil verhindert Foto mit russischem Minister
Beim G20-Finanzministertreffen in Asheville provoziert die Teilnahme des russischen Finanzministers Anton Siluanow einen offenen Eklat. Lars Klingbeil und europäische Kollegen boykottieren das Familienfoto; US-Präsident Trump verteidigt die Einladung.
Beim G20-Finanzministertreffen im US-amerikanischen Asheville ist es zum offenen diplomatischen Eklat gekommen. Die US-Regierung hatte den russischen Finanzminister Anton Siluanow ausdrücklich eingeladen – erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 nahm der 63-Jährige wieder persönlich an einem G20-Finanztreffen teil. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und andere Europäer reagierten mit einem Foto-Boykott.
Siluanow gilt als enger Vertrauter Wladimir Putins und wurde im April 2022 von den USA sanktioniert. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hatte die Einladung ausgesprochen, obwohl Russland weiterhin Krieg gegen die Ukraine führt.
Europäer erzwingen Foto ohne Siluanow
In der Vorbesprechung der europäischen Delegation machte Klingbeil klar, dass er sich nicht mit Siluanow auf ein Gruppenfoto stellen werde. Er warb erfolgreich um Verbündete. Die Europäer stellten der US-Regierung ein Ultimatum: entweder das „Familienfoto“ mit dem russischen Minister oder mit den Europäern.
Das Ultimatum wirkte: Das am Montag, 31. August, aufgenommene Gruppenfoto entstand ohne Siluanow. Klingbeil wich der Konfrontation im Tagungsraum dennoch nicht aus.
„Ich habe ihm direkt ins Gesicht gesagt, dass die russische Regierung diesen Krieg beenden muss. Dass wir deutlich an der Seite der Ukraine stehen.“
Lars Klingbeil, Bundesfinanzminister & Vizekanzler
Klingbeil nannte das Signal, Siluanow zu empfangen, „irritierend“. Er hätte sich von amerikanischer Seite Klarheit gewünscht, „dass man ihn nicht wie einen normalen Gast empfängt“. Es gebe keine normale Situation mit Russland.
Washington verteidigt die Einladung
Das Weiße Haus verteidigte die Einladung. Man arbeite mit Moskau an einer Vereinbarung, die „das endlose Blutvergießen beendet“, sagte Sprecher Kush Desai. Die Regierung werde sich „niemals scheuen, mit den Leuten zu sprechen, mit denen wir sprechen müssen“.
US-Finanzminister Scott Bessent kam am Rande der Beratungen bilateral mit Siluanow zusammen. Er warb für Trumps 28-Punkte-Plan für die Ukraine, machte aber zugleich deutlich, dass die USA Russland „keine wirtschaftliche Atempause“ gewähren würden, solange der Krieg andauert, wie NBC News über das bilaterale Treffen berichtete.
Das russische Finanzministerium sprach anschließend von Gesprächen über „Fragen der russisch-amerikanischen Zusammenarbeit im Finanzsektor“ und die „Zusammenarbeit innerhalb der G20“.
Weitere Kritik und Medien-Ausschluss
Polens Finanzminister Andrzej Domanski äußerte sich scharf: Man vertraue Russland nicht, sie lügen ständig. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis erklärte, die EU sehe keinen Anlass, Russland zu normalisieren.
Auch in den USA stieß die Einladung auf Kritik. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und weitere Demokraten forderten schärfere Russland-Sanktionen.
Überschattet wurde das Treffen zudem vom Ausschluss mehrerer Journalisten: Reporter der New York Times, des Wall Street Journal und von Bloomberg News erhielten zunächst keine Akkreditierung. Klingbeil nannte das Vorgehen „inakzeptabel“ und verwies auf sein Eintreten für freie Presse.
Vorgeschichte und Ausblick
Zuletzt hatte sich Siluanow im April 2022 per Video zu einem G20-Finanztreffen zugeschaltet; damals verließen mehrere westliche Minister aus Protest den Raum. Russland war nach der Annexion der Krim 2014 aus der G8 ausgeschlossen worden, blieb aber Mitglied der G20.
Russlands Rückkehr in die G20
Februar 2022
Russland beginnt Angriffskrieg
Seitdem nahm kein russischer Finanzminister mehr persönlich an einem G20-Finanztreffen teil.
April 2022
Siluanow per Video zugeschaltet
Mehrere westliche Minister verließen aus Protest den Raum.
31. August 2026
G20-Treffen in Asheville eröffnet
Siluanow nimmt persönlich teil; Europäer erzwingen Gruppenfoto ohne ihn.
Das Treffen gilt als Vorgeschmack auf den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Dezember 2026 in Miami. Es wird befürchtet, Trump könne dort auch Putin empfangen. Auch der neue Friedensvorstoß von Witkoff und Kushner in Moskau zeigt, wie sehr Trump auf direkte Gespräche mit Moskau setzt.