Israel hat am Dienstagabend die Schließung des britischen Konsulats in Jerusalem angeordnet, wie die Tagesschau über Israels Gegenmaßnahmen berichtet. Grund ist das kurz zuvor von London angekündigte Importverbot für Waren aus israelischen Siedlungen im Westjordanland.
Zuvor hatte der britische Außenminister Ed Miliband im Unterhaus ein Einfuhrverbot für Waren aus völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen angekündigt. Das Vereinigte Königreich stufe künftig die gesamte israelische Besatzung des Westjordanlands offiziell als illegal ein.
„Wir weigern uns heute, länger Zuschauer bei weiterem Leid und der Zerstörung der Zweistaatenlösung zu sein.“
London verhängt Importverbot und sanktioniert Siedlungsbau
Das Handelsverbot soll in sechs bis neun Monaten in Kraft treten. Gleichzeitig kündigte Miliband ein umfassendes Sanktionsregime an: Wer den Bau neuer illegaler Siedlungen unterstützt oder finanziert, muss mit Sanktionen rechnen. Auch Lizenzanträge für Waffenexporte, die wesentlich zur Besatzung beitragen, werden vorerst gestoppt, wie die Jerusalem Post über die britischen Sanktionen berichtet.
Miliband warf militanten Siedlern erstmals vor, in Teilen des Westjordanlands ethnische Säuberungen zu verüben. Zugleich betonte der Minister, der selbst aus einer jüdischen Familie stammt, das Existenzrecht Israels dürfe nicht infrage gestellt werden.
Offen ist, wie britische Behörden künftig zwischen Produkten aus den Siedlungen und solchen aus Israel unterscheiden wollen. Auch der Umfang möglicher religiöser Ausnahmen – etwa für koscheren Wein aus Siedlungsweingütern – ist unklar.
Israel schließt Konsulat und verhängt Einreiseverbote
Israels Außenminister Gideon Saar ordnete am Abend die Schließung des britischen Konsulats in Ost-Jerusalem an. Er nannte die Vorwürfe Milibands ungeheuerliche Lügen und erklärte, die feindselige Labour-Regierung lasse Israel keine andere Wahl.
„Leider ist eine feindselige Labour-Regierung im Amt, die systematisch gegen den Staat Israel handelt, und sie lässt uns keine andere Wahl, als endlich auf ihre feindseligen Aktionen zu reagieren.“
Darüber hinaus verhängte Israel Einreiseverbote für zwölf britische Politiker und Aktivisten, darunter den früheren Labour-Chef Jeremy Corbyn. Britische Vertreter müssen das International Gaza Support Center verlassen, und Großbritannien wird von der Koordinierungsmission für den Gazastreifen sowie der Ausbildung palästinensischer Sicherheitskräfte ausgeschlossen.
Israels Präsident Izchak Herzog kritisierte den Schritt als schwere Fehleinschätzung und warf London eine Einmischung in die bevorstehenden israelischen Wahlen vor. „Sanktionen sind keine Lösung – der Dialog hingegen schon“, schrieb Herzog.
Zwölf Staaten ziehen mit – USA kritisieren
Zeitgleich veröffentlichten zwölf Staaten eine gemeinsame Erklärung, in der sie nationale Handelsbeschränkungen für Siedlungsgüter ankündigen oder unterstützen. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte, Frankreich werde den Handel mit israelischen Siedlungen beenden.
- Kanada
- Dänemark
- Finnland
- Frankreich
- Island
- Irland
- Norwegen
- Polen
- Portugal
- Schweden
- Spanien
- Großbritannien
Die USA lehnen die Sanktionen ab. US-Botschafter Mike Huckabee warf London Diskriminierung des jüdischen Volkes vor und drohte mit möglichen Gegensanktionen. Die Palästinensische Autonomiebehörde begrüßte die Maßnahmen als wichtigen Schritt.
Eskalation inmitten israelischer Wahlkampfphase
Die Eskalation fällt in eine Phase, in der Israels Regierung das umstrittene Siedlungsprojekt E1 vorantreibt. Die israelische Justiz wies am Dienstag einen Eilantrag mehrerer Menschenrechtsorganisationen gegen das Projekt zurück. Im Westjordanland leben neben rund drei Millionen Palästinensern inzwischen mehr als 500.000 israelische Siedler.
Chronologie der Eskalation
- 03.09.2026Miliband kündigt Reset an
Ed Miliband kündigt in seiner ersten Fragestunde als Außenminister einen umfassenden Reset der britischen Israel-Politik an.
- 07.09.2026Burnham informiert Fraktion und Trump
Premierminister Andy Burnham informiert die Labour-Fraktion und telefoniert mit US-Präsident Donald Trump. Die BBC berichtet über geplante Beschränkungen.
- 08.09.2026Importverbot angekündigt
Miliband kündigt das Importverbot im Unterhaus an. Zwölf Staaten veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung. Die israelische Justiz weist einen Eilantrag gegen E1 ab.
- 08.09.2026 (Abend)Israel verkündet Gegenmaßnahmen
Israel schließt das britische Konsulat, verhängt Einreiseverbote und schließt Großbritannien aus der Gaza-Mission aus. Herzog und Huckabee kritisieren London.
- 2027 (in 6 – 9 Monaten)Importverbot tritt in Kraft
Das britische Einfuhrverbot für Siedlungsgüter soll wirksam werden.
Wirtschaftlich sind die Sanktionen nach Experteneinschätzung vor allem symbolisch. Der bilaterale Handel zwischen Israel und Großbritannien beläuft sich auf rund sechs Milliarden Pfund jährlich. Die Spannungen werden durch Pläne aus der israelischen Regierung zusätzlich angeheizt: Sicherheitsminister Ben-Gvir will die Ausreise von fast zwei Millionen Palästinensern aus Gaza fördern, wie ein Bericht über Ben-Gvirs Umsiedlungsplan zeigt. Entscheidend wird sein, wie London die Waren aus Siedlungen künftig kontrolliert – das Verbot tritt erst in sechs bis neun Monaten in Kraft.
