Polizei fasst mutmaßlichen Saboteur am Kraftwerk Weisweiler
Am Kraftwerk Weisweiler entdeckt die Polizei mehrere selbstgebaute Abschussvorrichtungen an einer Hochspannungsleitung – und ein weiteres Bekennerschreiben. Wenige Stunden später wird der mutmaßliche Saboteur gefasst.
An einer Hochspannungsleitung nahe dem RWE-Kraftwerk Weisweiler hat die Polizei am Montagnachmittag mehrere selbstgebaute Abschussvorrichtungen entdeckt – direkt daneben lag ein weiteres Bekennerschreiben. Der mutmaßliche Täter wollte offenbar erneut Kurzschlüsse auslösen, die in der Vergangenheit bereits fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz genommen hatten.
Die Polizei Köln war am Montag einem Hinweis auf eine verdächtige Person im Umfeld des Kraftwerks nachgegangen. Wie der Bericht der Zeit über die Sabotageversuche in NRW schildert, fanden die Einsatzkräfte im Bereich einer der Vorrichtungen ein Bekennerschreiben, dessen Inhalt sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht veröffentlichten.
Bei den Konstruktionen handelt es sich laut Polizei um Abschussvorrichtungen, mit denen ein dünner, leitfähiger Draht über die Leitungen geschossen werden sollte, um Kurzschlüsse auszulösen. Schäden an der Leitung in Weisweiler wurden zunächst nicht festgestellt.
Das Gebiet in Weisweiler war bereits in der Woche zuvor abgesucht worden; die Polizei ging deshalb davon aus, dass die am Montag gefundenen Vorrichtungen neu installiert worden waren. Eine verdächtige Person mit Rucksack war zuvor gesichtet worden.
Polizeieinsatz an der A4
Wegen des Einsatzes sperrte die Polizei die A4 zwischen den Anschlussstellen Eschweiler-Ost und Langerwehe in beide Fahrtrichtungen. Die Sperrung wurde um 18:50 Uhr wieder aufgehoben. Gegen 21 Uhr waren während der fortgesetzten Absuche am Kraftwerk Blitze und Knallgeräusche zu vernehmen; dadurch verursachte Schäden wurden bislang nicht festgestellt.
Weil Dunkelheit und Vegetation eine weitere Absuche verhinderten, wurde das Gelände am Dienstagmorgen erneut durchsucht. Entschärfer des Landeskriminalamts NRW standen bereit, die Bundespolizei unterstützte mit einer Drohne mit Wärmebildkamera.
Bekennerschreiben und die Anschlagsserie
Das neu entdeckte Schreiben reiht sich ein in eine Serie von Bekennerschreiben, die den Behörden seit Wochen vorliegen. Darin hatte der Gesuchte Angaben gemacht, die zum jeweiligen Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt waren – für die Ermittler ein Beleg für Täterwissen.
Die Polizei ordnet die handgeschriebenen Briefe dem 48-jährigen Daniel V. aus Gevelsberg zu. In den bisherigen Schreiben hieß es: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.“ Zudem warf er Deutschland vor, den „Völkermord in Palästina“ zu unterstützen. Die Ermittler fahnden seit Tagen nach dem Mann, wie die Berichte über die Sprengsatzfunde in Sachsen zeigen.
Chronologie der Sabotageserie
1. September 2026
Anschläge auf Umspannwerke
Bei Jänschwalde (Brandenburg) und Bergheim (NRW) werden Angriffe bekannt; in Bergheim gehen zeitweise fünf Kraftwerksblöcke vom Netz.
4. September 2026
Sprengsätze in Sachsen
Nahe Bärwalde und Graustein entdeckt die Polizei insgesamt 21 Vorrichtungen; in der Wohnung des Verdächtigen in Gevelsberg wird Sprengstoff gefunden.
7. September 2026
Fund in Weisweiler
Die Polizei entdeckt mehrere Abschussvorrichtungen und ein weiteres Bekennerschreiben an einer Hochspannungsleitung.
8. September 2026
Festnahme
Daniel V. wird nahe dem Kraftwerk Weisweiler gefasst – mit Sprengmitteln im Gepäck und einem präparierten Zelt.
Festnahme am Dienstag
Am Dienstagmittag stellte die Polizei den mutmaßlichen Saboteur Daniel V. auf einem Feldweg nahe dem Kraftwerk Weisweiler. Er war zu Fuß unterwegs, leistete keinen Widerstand und hatte weitere Sprengmittel bei sich.
In unmittelbarer Nähe fanden Beamte ein im Unterholz aufgestelltes, gut verstecktes Zelt, das mit weiteren Sprengladungen versehen war. Ein Entschärfer des Landeskriminalamts NRW begutachtete die Gegenstände. Gegen den 48-Jährigen besteht ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Cottbus wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und der Störung öffentlicher Betriebe.
„Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist heute beendet worden.“
Herbert Reul, Innenminister Nordrhein-Westfalen (CDU)
Reul ergänzte, im Moment spreche alles dafür, dass es ein Einzeltäter und alles aus seiner Hand gewesen sei. Die Polizei Köln setzte eine Ermittlungsgruppe aus 60 Menschen ein, die Unterlagen aus dem Besitz des Festgenommenen auf mögliche weitere Tatorte im gesamten Bundesgebiet auswertet.
Politische Reaktionen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters und betonte, es sei mit weiteren Anschlägen dieser Art zu rechnen. Der sächsische Innenminister Armin Schuster nannte den Fall außergewöhnlich.
„Der Fall ist schon außergewöhnlich in der Art der Tatbegehung, in der Art der Bekennung.“
Armin Schuster, Innenminister Sachsen (CDU)
Schuster warnte zugleich vor vorschnellen Schlüssen: Es könne sich um Linksextremismus oder ein Klimamotiv handeln, aber auch um einen Auftragstäter. Brandenburgs Polizeipräsident Oliver Stepien bezeichnete die Festnahme als wichtigen Schritt in den Ermittlungen.