Glücksgefühle-Festival: Alphaville-Eklat löst Solidaritätswelle aus
Nach der kurzfristigen Ausladung von Alphaville spielen zahlreiche Acts beim Glücksgefühle-Festival den Hit „Forever Young“ als Zeichen gegen das Politikverbot. Frontmann Marian Gold bedankt sich bei den Fans.
Das Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring sollte 2026 unpolitisch bleiben – und wurde genau deshalb zum Politikum. Nach der kurzfristigen Ausladung von Alphaville spielten zahlreiche Acts aus Protest den Hit „Forever Young“, und Frontmann Marian Gold (72) bedankte sich am Samstag für eine „unfassbare Welle der Solidarität“.
Am 1. September hatten die Veranstalter den Auftritt der münsterschen Band abgesagt. Am 2. September machte Gold die Begründung auf Instagram publik: Man dulde auf der Bühne „keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art“. Gold hatte sich zuvor wiederholt für Menschenrechte und gegen die AfD ausgesprochen, wie im WDR-Bericht zur Alphaville-Ausladung nachzulesen ist.
„Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung. Man kann als Veranstalter nicht einfach bestimmte Dinge ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen.“
Marian Gold, Sänger und Frontmann von Alphaville
Am 3. September entschuldigte sich Mitveranstalter Markus Krampe (55), lud die Band erneut ein und nannte die Ausladung am Rande des Festivals „superdämlich“. Alphaville nahm die Entschuldigung zur Kenntnis, lehnte den Auftritt dennoch ab und kündigte an, die Gage an eine gemeinnützige Organisation zu spenden.
Solidarität auf allen Bühnen
Was als politikfreie Zone geplant war, wurde zur Bühne für Meinungsfreiheit. DJ Alle Farben eröffnete die Pre-Party am Donnerstagabend mit „Forever Young“. Am Freitag zogen Tom Gregory, Nura und Ski Aggu nach. Nura sagte: „Wenn man mich bucht, dann kriegt man auf jeden Fall keine unpolitische Show.“
Am Samstag erreichte die Solidaritätswelle ihren Höhepunkt: David Guetta baute „Forever Young“ in sein Set ein, rund 100.000 Fans sangen mit, wie im ZDFheute-Bericht zum politischen Festival festgehalten ist. Die No Angels traten in ihren FCK-AFD-Shirts gegen rechts auf, DJ Felix Jaehn spielte einen Anti-AfD-Song. Ski Aggu erklärte: „Es ist absolut selbstverständlich, für Werte einzutreten wie Demokratie und Meinungsfreiheit.“
Der Kölner Männerchor „Die Grünen Gürtelrosen“ rief ins Publikum: „Gerade an diesem Wochenende: Scheiß AfD, alle Hände hoch für Alphaville!“ Mark Forster nannte den Hit die „Nationalhymne Hockenheims“. Auch Partyschlagersängerin Mia Julia und Max Giesinger beteiligten sich.
Dass ausgerechnet „Forever Young“ zur Protesthymne wurde, passt: Der Song fängt seit den 1980ern die Ängste junger Menschen im Kalten Krieg ein – Zeilen wie „Hoping for the best, but expecting the worst“ waren nie unpolitisch.
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Podolski stärkt Krampe – Gold bedankt sich
Veranstalter Lukas Podolski (41) stellte sich hinter seinen Partner: „Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben. Dann geht das Leben aber auch weiter.“ Er betonte, jeder dürfe seine Meinung sagen und auch mal Kante zeigen – im Stadion genauso wie auf der Bühne.
Marian Gold bedankte sich am Samstag per Instagram bei den Fans: „Ihr habt dieses Festival in Eure eigenen Hände genommen und gezeigt, dass Glücksgefühle das Ergebnis einer inneren Haltung sind und nicht einer Verordnung von oben.“ Er wünschte allen Anwesenden weiterhin gute Unterhaltung.
Zur vierten Auflage des Festivals kamen laut Veranstaltern rund 250.000 Menschen. Die Abschluss-Medienmitteilung am Sonntag erwähnte die Alphaville-Kontroverse laut Blick mit keinem Wort.
Chronologie einer Eskalation
Vom Auslader bis zur Solidaritätswelle vergingen nur fünf Tage. Die wichtigsten Stationen:
Die Eskalation in fünf Tagen
1. September 2026
Ausladung
Die Veranstalter sagen den Auftritt von Alphaville beim Glücksgefühle-Festival ab.
2. September 2026
Gold macht Gründe publik
Auf Instagram zitiert Marian Gold aus der Absage: Man dulde „keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art“.
3. September 2026
Kehrtwende
Markus Krampe entschuldigt sich und lädt die Band wieder ein. Alphaville lehnt ab und spendet die Gage.
4. September 2026
Festivalstart
DJ Alle Farben spielt „Forever Young“ bei der Pre-Party.
6. September 2026
Höhepunkt der Solidarität
David Guetta spielt den Hit vor rund 100.000 Fans; No Angels tragen „FCK AFD“-Shirts; Marian Gold bedankt sich per Instagram.
7. September 2026
Festivalende
Die Abschluss-Bilanz erwähnt die Kontroverse nicht.