5.000 Dollar für jeden erwachsenen US-Bürger – mit diesem Versprechen will Donald Trump im November beide Kongresskammern gewinnen. Am ersten Abend seines Parteitags in Dallas sagte er: „Man wird es die Trump-Dividende nennen.“ Bedingung: Das Geld muss in den USA ausgegeben werden. Kosten: mehr als 1,2 Billionen Dollar, ungefähr der gesamte US-Verteidigungshaushalt.
Der Ort ist ein Parteitag, den es in dieser Form nie gab. Am 9. und 10. September treffen sich die Republikaner im American Airlines Center in Dallas, der Arena der Mavericks. Delegierte, Abstimmungen, Nominierungen: nichts davon. Stattdessen mehr als 100 Redner und eine Inszenierung als Wahlkampfshow – für dieses Format steht Trumps Staatsmesse als Wahlkampfshow im Juni.
Doch während Trump die Bühne sucht, meiden ihn die eigenen Kandidaten. Nach einer Zählung von NBC News wollen nur 29 der befragten Abgeordneten kommen, 33 haben abgesagt. Wie eine Umfrage unter republikanischen Hauskandidaten von Politico zeigt, nehmen 45 von 70 Befragten nicht teil.
Ein Parteitag, den es nie geben sollte
Zwischenwahl-Parteitage sind in den USA eine fast vergessene Praxis. Nur die Demokraten hielten drei davon ab – Kansas City 1974, Memphis 1978, Philadelphia 1982. Ihr Parteichef Paul G. Kirk beendete die Reihe 1985 mit dem Argument, solche Treffen seien „Orte für Unfug“ und verschwendeten Parteigeld. Die Republikaner hatten so etwas noch nie – bis 2026.
Die Idee stammt von Trump selbst. Zwei Abende vor Thanksgiving 2025 rief er den Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, an und forderte einen Zwischenwahl-Parteitag. Johnson wandte ein, so etwas gebe es nicht; Trump erwiderte, dann solle er es zu etwas machen. Im Januar 2026 änderte das RNC auf seinem Wintertreffen seine Regeln.
Im März 2026 berichtete die New York Times, Trump und das RNC prüften Dallas als Gastgeberstadt; die Demokraten schlossen einen eigenen Midterm-Parteitag aus. Im Juni kündigte der texanische Generalstaatsanwalt und Senatskandidat Ken Paxton an, der Parteitag finde im September in Dallas statt. Als CEO des Organisationskomitees fungierte der Weiße-Haus-Mitarbeiter John Hiller.
Vom Telefonat zum Parteitag
- November 2025Trump fordert einen Zwischenwahl-Parteitag
Zwei Abende vor Thanksgiving ruft Trump Sprecher Mike Johnson an; der wendet ein, so etwas gebe es nicht.
- Januar 2026Das RNC ändert seine Regeln
Auf dem Wintertreffen schafft die Parteispitze die Voraussetzung für einen Midterm-Konvent.
- 24. März 2026Dallas kommt ins Gespräch
Die New York Times berichtet, Trump und das RNC prüften Dallas als Gastgeberstadt. Die Demokraten schließen einen eigenen Parteitag aus.
- Juni 2026Ort und Termin stehen fest
Ken Paxton kündigt den Parteitag in Dallas an, Trump legt den 9. und 10. September fest.
- 8. September 202645 von 70 Kandidaten sagen ab
Politico berichtet, dass 45 der 70 befragten republikanischen Hauskandidaten nicht teilnehmen.
- 9. und 10. September 2026Parteitag mit Trump-Dividende und Schlussrede
Am ersten Abend verspricht Trump jedem erwachsenen US-Bürger 5.000 Dollar, am zweiten folgt seine Schlussrede.
33 Absagen, 29 Zusagen
Die Absagen ziehen sich durch die Fraktion. Die Abgeordneten Max Miller aus Ohio, Tom Barrett aus Michigan, Zach Nunn aus Iowa, Nick LaLota aus New York, Morgan Griffith aus Virginia und Buddy Carter aus Georgia bleiben zu Hause; Carter nannte eine Familienverpflichtung. Auch First Lady Melania Trump nimmt nicht teil.
Im Senat fehlen Susan Collins aus Maine, die um eine sechste Amtszeit kämpft, und Dan Sullivan aus Alaska, dazu der frühere Senator John E. Sununu aus New Hampshire. Der Abgeordnete James Comer aus Kentucky sagte, er habe in seinem Wahlkreis bereits etwas anderes geplant. Ein republikanischer Parteistratege nannte Trump einen „Albatros für Republikaner in knappen Rennen“.
Zusagen und Absagen beim Parteitag in Dallas
Befragte republikanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses
Zugpferd oder Ballast
Die Umfragen stützen die Sorge der Abwesenden. Vor dem Parteitag billigten nur noch 30 bis 40 Prozent der Amerikaner Trumps Amtsführung. Eine Ipsos-Erhebung nannte rund 33 Prozent, der Kurier berichtete von unter 35 Prozent. Unter unabhängigen Wählern waren es laut Reuters/Ipsos im August nur 20 Prozent.
RNC-Chef Gruters, Senator aus Florida, machte aus der Strategie keinen Hehl: In seiner Ankündigung des Zwischenwahl-Parteitags sagte er, seine Partei setze den Präsidenten auf den Stimmzettel – genau das tue sie damit.
Sprecher Johnson wischte die Risikofrage beiseite: Die Idee sei vom Präsidenten, deshalb bekomme er zu Recht die Anerkennung. Trump werde in Dallas in die Kamera sagen, er stehe am 3. November auf dem Stimmzettel – was nicht stimmt, gemeint ist seine Agenda. Beth Van Duyne aus Texas nannte die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, über Erreichtes zu sprechen.
5.000 Dollar und leere Ränge
Das Geldversprechen vom ersten Abend hat keine Deckung. Vizepräsident JD Vance ergänzte später, Besserverdiener könnten ausgeschlossen werden; die „Dividende für amerikanische Arbeiter“ solle aus Zolleinnahmen finanziert werden. Ähnliche Ankündigungen – eine Zoll-Dividende über 2.000 Dollar im November 2025 und eine DOGE-Dividende über 5.000 Dollar – wurden nie eingelöst.
„Hier ist mein Versprechen: Wenn die Republikaner das Repräsentantenhaus und den Senat der Vereinigten Staaten gewinnen, werde ich jedem erwachsenen Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika eine Dividende von 5.000 Dollar auszahlen.“
Der Parteitag selbst war ein Geschäft: Abgeordnete zahlten 25.000 Dollar für Ticket und Unterkunft, ein Round Table mit Trump kostete 250.000 Dollar, ein Foto mit dem Präsidenten 65.000 Dollar. Dallas rechnete mit fast 2 Millionen Dollar für Sicherheit und Logistik, davon 1,8 Millionen für Polizisten – bei einem prognostizierten Haushaltsdefizit von 30 Millionen Dollar.
Vor Ort blieben Lücken sichtbar. Reporter berichteten von ganzen leeren Sektionen, Reuters beschrieb leere obere Ränge. Trump nannte die erste Nacht auf Truth Social einen „großen, ausverkauften Hit“, der die NFL-Einschaltquoten übertroffen habe. Verwirrung stiftete zudem eine gefälschte Konventseite, die bei Google besser stand als das echte Angebot und Hunderte Medien in die Irre führte.
Gegenprogramm und das Risiko Texas
Die Demokraten fuhren ein eigenes Programm auf. Der DNC hielt Pressekonferenzen gegenüber dem American Airlines Center ab, die texanischen Demokraten zwei pro Tag. Der Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, sagte: „Die Wähler durchschauen den Unsinn, den die Republikaner von sich geben.“ DNC-Chef Ken Martin erklärte in einem Memo, republikanische Kandidaten liefen vor Trump davon.
In Texas wird das Risiko konkret. Der Demokrat James Talarico lag in mehreren Umfragen gleichauf mit oder knapp vor dem von Trump unterstützten Ken Paxton; eine Erhebung der University of Texas vom 24. August sah ihn mit 42 zu 39 Prozent vorn. Bei den Wahlkampfmitteln ist der Abstand größer: Paxton verfügte zum 30. Juni über 1,8 Millionen Dollar, Talarico über 21,5 Millionen.
Wahlkampfmittel im texanischen Senatsrennen
Stand: 30. Juni 2026
Konkurrenz kam aus dem Sport: Der Parteitag fiel mit den ersten beiden NFL-Spielen der Saison zusammen, der Saisonauftakt erreichte im Vorjahr 29 Millionen Zuschauer. Die großen Sender planten keine durchgehende Übertragung, nur C-SPAN sendete vollständig. Der Politikwissenschaftler Cal Jillson nannte den Parteitag einen Versuch, Begeisterung bei republikanischen Wählern zu schüren. Ob er trägt, entscheidet sich am 3. November.
