Selenskyj kritisiert nach Drohnenangriffen die Reaktion des Westens
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Ukraine-Krieg

Selenskyj kritisiert nach Drohnenangriffen die Reaktion des Westens

Nach tödlichen Drohnenangriffen auf einen Grenzübergang zur Republik Moldau und ein Wohnhaus in Kyjiw rechnet Präsident Selenskyj mit der internationalen Gemeinschaft ab: Ihre Reaktion sei unzureichend, Moskau dürfe nicht ungestraft in den Winter gehen.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der internationalen Gemeinschaft vorgeworfen, die täglichen russischen Angriffe nicht entschieden genug zu beantworten. In einer Mitteilung an diesem Mittwoch verlangte er, die Aggression „hier und jetzt“ zu stoppen. Sanktionen und die Unterstützung für die Ukraine müssten genau darauf ausgerichtet werden, heißt es in dem Bericht zu Selenskyjs Forderung an den Westen.

Leider ist die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf diese Angriffe, die täglich Menschenleben fordern, unzureichend. Doch eine Reaktion ist notwendig: Moskau darf nicht in den Winter gehen und denken, es käme mit Raketen- und Drohnenterror einfach so davon.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Anlass sind zwei Angriffe in der Nacht zum und am Morgen des 9. September. Russische Drohnen trafen den internationalen Grenzübergang Starokosache an der Grenze zur Republik Moldau in der Region Odessa; zwei Menschen starben, drei wurden verletzt, sechzehn mussten von Rettungskräften evakuiert werden. Am Morgen schlug eine Drohne in ein Wohnhochhaus im Kyjiwer Stadtteil Darnyzkyj ein.

Gegenüber den Partnern, die helfen könnten, sei bekannt, „was täglich benötigt wird“, ließ Selenskyj mitteilen. Allen, die „nach besten Kräften helfen“, sprach er seinen Dank aus. Seine Kritik richtet sich damit an dieselben Regierungen, von denen die Ukraine Waffen, Geld und schärfere Sanktionen erwartet.

Zwei Tote am Grenzübergang Starokosache

Der internationale Straßen-Grenzübergang Starokosache, rund 500 Kilometer südlich von Kyjiw, wurde in der Nacht zum 9. September von russischen Drohnen getroffen. Infrastruktur und Umfeld wurden beschädigt, es brachen Brände aus, Busse, Lastwagen und Pkw wurden zerstört.

Oleh Kiper, Leiter der militärischen Regionalverwaltung Odessa, bestätigte den Angriff auf den Kontrollpunkt und sprach von zwei Toten und drei Verletzten unter Zivilisten, die sich in der Nähe aufgehalten hätten. Die ukrainische Grenzschutzbehörde schloss den Übergang; Aufnahmen zeigten einen mit Trümmern übersäten, verlassenen Grenzposten.

In der Nacht wurde der internationale Grenzübergang „Starokosache“ an der Grenze zu Moldau in der Region Odessa angegriffen. Sein Betrieb wurde eingestellt. Leider kamen zwei Menschen ums Leben, drei weitere wurden verletzt, sechzehn wurden von Rettungskräften evakuiert.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Der Präsident sprach den Angehörigen der Getöteten sein Beileid aus. Nach Angaben der Regionalverwaltung nahm der Übergang am Nachmittag den Betrieb wieder auf. Das moldauische Außenministerium teilte mit, ein moldauischer Fahrer sei bei dem Angriff verletzt worden. Moldaus Ministerpräsident Vasile Tofan erklärte, allein im August hätten 17 Drohnen moldauisches Gebiet getroffen – mehr als im gesamten Vorjahr. Die Angriffe nähmen so stark zu, dass sie „zur Norm“ würden.

Drohnentreffer im Kyjiwer Darnyzkyj

Am Morgen des 9. September traf eine russische Drohne ein Wohnhochhaus im Kyjiwer Stadtteil Darnyzkyj. Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes handelte es sich um ein 24-stöckiges Gebäude; es kam zu Bränden und zerstörten Mauern, sechs Menschen wurden verletzt. Selenskyj erklärte, das Feuer sei inzwischen gelöscht: „Wie immer arbeiteten unsere Rettungskräfte schnell.“

Die Nachrichtenagentur Associated Press beschrieb dasselbe Gebäude abweichend als 22-stöckig. Eine Drohne habe den 11. Stock beschädigt und im 12. Stock ein Feuer ausgelöst; vier der Verletzten stammten aus dem Haus. Die 62-jährige Bewohnerin Olha Smal sagte der Agentur, die Druckwelle habe sie durch ihre Küche geschleudert, ein Schlafzimmer habe gebrannt.

Für die Ukraine ist es kein Einzelfall: Erst Anfang September beschädigten russische Drohnen bei einem Angriff die Nationale Universität Kyjiw mitten im Unterricht. Am 9. September berichtete Selenskyj zudem, die Beseitigung der Angriffsfolgen dauere in den Regionen Dnipropetrowsk, Mykolajiw, Saporischschja, Charkiw, Schytomyr und Kyjiw an.

Die Feuerpause ist vorbei

Noch am Wochenende hatten die US-Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner Kyjiw und Moskau besucht. Während des Besuchs ordnete Kremlchef Wladimir Putin laut übereinstimmenden Berichten eine dreitägige Angriffspause auf Kyjiw an – am 5. September war von einem 72-Stunden-Stopp die Rede. Nach dem Ende der Pause nahm Russland die Angriffe auf die Hauptstadt wieder auf.

US-Außenminister Marco Rubio dämpfte am 8. und 9. September die Erwartungen an einen Durchbruch: Er wolle „nicht übermäßig optimistisch“ sein, „aber ich bin auch nicht pessimistisch“. Die Vermittlung stockt, die Angriffe laufen weiter – für Selenskyj der Beleg, dass auf Moskau bisher zu wenig Druck wirkt.

Von der Angriffspause zur neuen Angriffswelle

  1. 5. September 2026
    US-Vermittler in Kyjiw und Moskau

    Steve Witkoff und Jared Kushner reisen zu Gesprächen; Kremlchef Putin ordnet eine dreitägige Angriffspause auf Kyjiw an.

  2. 8. September 2026
    Angriffe auf Kyjiw gehen weiter

    Nach dem Ende der Pause nimmt Russland die Angriffe auf die Hauptstadt wieder auf. US-Außenminister Rubio dämpft die Erwartungen an einen Durchbruch.

  3. Nacht zum 9. September 2026
    Drohnen treffen Grenzübergang Starokosache

    Zwei Zivilisten sterben, drei werden verletzt, 16 Menschen werden evakuiert. Der Übergang an der Grenze zu Moldau wird geschlossen.

  4. 9. September 2026
    Drohne schlägt in Kyjiwer Hochhaus ein

    Im Stadtteil Darnyzkyj brennt ein Wohnhochhaus, mehrere Menschen werden verletzt.

  5. 9. September 2026
    Selenskyj kritisiert die internationale Gemeinschaft

    Er nennt die Reaktion auf die täglichen Angriffe unzureichend und fordert Sanktionen, die auf den Bedarf der Ukraine zugeschnitten sind.

  6. 9. September 2026
    Ukraine greift Noworossijsk an

    Treffer auf Marinebasis, Ölverladeterminal und Kriegsschiffe; laut Gouverneur Kondratjew sterben vier Menschen, 29 werden verletzt.

Tödlichster Monat seit März 2022

Die Opferzahlen stützen Selenskyjs Vorwurf. Die Vereinten Nationen teilten im August mit, russische Luftangriffe hätten im Juli 2026 mehr ukrainische Zivilisten getötet oder verletzt als in jedem Monat seit März 2022: 437 Getötete und mehr als 2.600 Verletzte.

Zivile Opfer russischer Luftangriffe in der Ukraine im Juli 2026

Mehr getötete und verletzte Zivilisten als in jedem Monat seit März 2022

Quelle: UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission, August 2026

Seit der russischen Invasion im Februar 2022 hat die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission mehr als 16.800 getötete und über 51.000 verletzte ukrainische Zivilisten registriert. Für den 9. September zählte Al Jazeeras Überblick über die Angriffe des Tages landesweit mindestens acht Tote; in Kyjiw meldeten die Behörden fünf Tote in der Hauptstadt.

In Cherson starben bei getrennten Drohnenangriffen ein 73-jähriger Mann und eine 55-jährige Frau; die Behörden eröffneten ein Verfahren wegen Kriegsverbrechen. In der Region Saporischschja starb im Ort Kuschuhum ein 34-jähriger Mann, in Mykolajiw eine Person, dort wurden fünf weitere Menschen verletzt.

In Slowjansk tötete ein Gleitbomben-Treffer einen Menschen. Bei Kramatorsk verletzten Bomben acht Menschen, in Bilenke wurden 27 Häuser beschädigt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verurteilte Angriffe auf Tankstellen in Kyjiw als gezielte Attacken auf Orte des Alltagslebens, die die Opferzahl maximieren und Angst verbreiten sollen.

Kiew schlägt in Noworossijsk zurück

Die Ukraine antwortete mit Langstreckenangriffen auf die russische Schwarzmeerhafenstadt Noworossijsk in der Region Krasnodar. Nach Angaben von Gouverneur Weniamin Kondratjew wurden dort vier Menschen getötet, darunter ein Kind, und 29 verletzt.

Selenskyj bestätigte Treffer auf eine Marinebasis, ein Ölverladeterminal und Kriegsschiffe, die Marschflugkörper tragen sollen. Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenkräfte, Robert Brovdi, sprach von „verlorenen“ Schiffen in der Basis, ohne Zahlen zu nennen.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, seine Streitkräfte hätten ein Lager einer Drohnenfabrik in Kyjiw, Treibstoffreservoirs und ein Umspannwerk in Mykolajiw, ein mit Militärfracht Richtung Odessa fahrendes Schiff sowie Logistikeinrichtungen am Grenzübergang Starokosache getroffen. Nach eigenen Angaben schoss die russische Luftverteidigung in der Nacht 596 ukrainische Drohnen ab.

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Ob die Partner vor dem Winter nachlegen, ist offen. Selenskyj fordert eine Antwort „hier und jetzt“: Sanktionen und Unterstützung müssten auf den täglichen Bedarf der Ukraine zugeschnitten sein, damit Moskau nicht glaube, es könne ungestraft weiter Raketen und Drohnen auf das Land schicken.