Norwegens Königshaus verliert binnen zwei Wochen zwei seiner prägendsten Mitglieder: Prinzessin Astrid (94) ist am Freitag, dem 11. September 2026, gestorben – nur zwei Tage nach dem Staatsbegräbnis ihres Bruders König Harald V. (89).
In der Mitteilung des Hofes zum Tod der Prinzessin heißt es, sie sei „heute, am Freitag, dem 11. September, im Alter von 94 Jahren friedlich eingeschlafen“. Die Flagge auf dem Balkon des Königsschlosses in Oslo wurde auf halbmast gesetzt – „heute und am Tag der Beerdigung“, wie aus Hofkreisen verlautete.
Für König Haakon VIII. (53) ist es der zweite Schicksalsschlag binnen zwei Wochen: Erst starb sein Vater, jetzt seine Tante, die dem Haus siebzig Jahre lang diente.
Zwei Tage nach dem Staatsbegräbnis
Astrid hatte am Mittwoch, dem 9. September, noch am Staatsbegräbnis für Harald im Osloer Dom teilgenommen – im Rollstuhl. Es war ihr letzter öffentlicher Auftritt. Eine Woche zuvor, am 2. September, hatte sie in der Schlosskapelle am aufgebahrten Sarg ihres Bruders Abschied genommen; das Bild der allein im Rollstuhl sitzenden Prinzessin löste in Norwegen und international große Anteilnahme aus.
Harald V. war am 28. August 2026 im Osloer Rikshospital gestorben. Mit Haralds Tod und Haakons Thronfolge endete nach mehr als 35 Jahren seine Regentschaft. Am 9. September wurde er in einem Staatsbegräbnis im Osloer Dom beigesetzt.
Der Nachrichtendienst Reuters meldete am Freitag Astrids Tod zwei Tage nach dem Königsbegräbnis. Vertreter von Familie und Hof betonen die Verbindung beider Todesfälle: Astrid habe erst um ihren Bruder getrauert und sei dann selbst gestorben.
Astrids letzte Monate
- 27. März 2026Lungenentzündung
Astrid wird im Osloer Rikshospital behandelt.
- Mai 2026Herzschwäche
Wegen einer Herzschwäche folgt ein zweiter Klinikaufenthalt; ihr wird ein vorübergehender Herzschrittmacher eingesetzt.
- 28. August 2026Harald V. stirbt
Ihr Bruder, König Harald V., stirbt im Alter von 89 Jahren im Osloer Rikshospital.
- 2. September 2026Abschied am Sarg
In der Schlosskapelle nimmt Astrid am aufgebahrten Sarg ihres Bruders Abschied.
- 9. September 2026Staatsbegräbnis in Oslo
Beim Staatsbegräbnis im Osloer Dom sitzt Astrid im Rollstuhl – ihr letzter öffentlicher Auftritt.
- 11. September 2026Astrid stirbt
Prinzessin Astrid stirbt im Alter von 94 Jahren; der Hof gibt es am selben Tag bekannt.
Norwegens letzte Blaublütlerin
Mit Astrids Tod endet eine Linie: Sie war die letzte Vertreterin ihrer Generation, die auf beiden Seiten unmittelbar aus europäischen Königshäusern stammte. Ihr Vater Olav V. kam 1903 als Prinz Alexander von Dänemark zur Welt – Sohn des dänischen Prinzen Carl und der britischen Prinzessin Maud, einer Tochter König Eduards VII.
1905 wurde Mauds Mann als Haakon VII. König von Norwegen, der zweijährige Alexander wurde als Olav norwegischer Kronprinz. Auch Astrids Mutter Märtha war von Geburt an royal: 1901 als Prinzessin von Schweden geboren, war sie eine Enkelin König Oskars II. Olav und Märtha heirateten 1929 und bekamen drei Kinder – Ragnhild, Astrid und Harald.
Ragnhild starb 2012, Harald am 28. August 2026 – danach war Astrid das letzte noch lebende Kind des Paares und die letzte Norwegerin ihrer Herkunft. In den Folgegenerationen verschob sich das Bild: Harald heiratete 1968 die bürgerliche Sonja Haraldsen, sein Sohn Haakon 2001 die bürgerliche Mette-Marit Tjessem Høiby; Mette-Marit wurde Königin von Norwegen. Auch Ingrid Alexandra und Sverre Magnus stammen nicht mehr ausschließlich von geborenen Royals ab.
Mit 22 Jahren wurde sie First Lady
Astrid wurde am 12. Februar 1932 als zweite Tochter des damaligen Kronprinzen Olav und der Kronprinzessin Märtha geboren und wuchs auf dem königlichen Gut Skaugum auf. Nach der deutschen Besetzung Norwegens 1940 floh die Familie über Schweden in die USA; Astrid verbrachte mehrere Jahre in der Umgebung von Washington D.C. und kehrte 1945 zurück.
1950 machte sie Abitur, danach studierte sie zwei Jahre Wirtschaftswissenschaften und politische Geschichte in Oxford. 1954 starb Kronprinzessin Märtha mit nur 53 Jahren. Weil Astrids ältere Schwester Ragnhild bereits bürgerlich verheiratet in Brasilien lebte, übernahm die damals 22-Jährige als ranghöchste Frau an der Seite ihres Vaters faktisch das Amt der First Lady Norwegens.
Sie begleitete Staatsbesuche, reiste durch Norwegen und empfing 1955 Königin Elisabeth II. Bis zur Hochzeit Haralds mit Sonja Haraldsen 1968 blieb sie die First Lady des Landes. 1961 heiratete sie den Olympia-Segler Johan Martin Ferner; aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor – Cathrine (1962), Benedikte (1963), Alexander (1965), Elisabeth (1969) und Carl-Christian (1972). Ferner starb 2015.
Astrid behielt ihren Prinzessinnentitel und engagierte sich als Schirmherrin von zwölf Organisationen – besonders für Menschen mit Legasthenie, von der sie selbst betroffen war. 2002 sprach ihr die Regierung eine Ehrenpension zu. Über sich selbst sagte sie, ihre Beine ließen sie im Stich, nicht der Kopf: Sie erinnere sich an Dinge und könne sich weiter einbringen.
Astrids Jahre im Dienst des Königshauses
Zeiträume in Jahren
Was der König über seine Tante sagt
König Haakon VIII. würdigte seine Tante als Rückgrat der Familie. In der Mitteilung des Hofes ließ er erklären:
„Tante Astrid war eine wichtige Stütze für König Harald und uns andere in der Familie. Wir haben viel von ihr gelernt, und sie scheute sich nicht, ihre Meinung zu sagen. Ihr Tod ist ein großer Verlust für uns. Wir werden sie vermissen. Meine Familie und ich senden Tante Astrids engsten Angehörigen herzliche Gedanken.“
Der Hof zitierte den König zudem mit den Worten, Astrid habe das Königshaus „auf herzliche und pflichtbewusste Weise“ vertreten. Vor allem die Fürsorge und die Inklusion der Schwächsten in der Gesellschaft seien ihr ein Anliegen gewesen; sie habe ihre Aufgaben „stets mit Engagement, Präsenz und einer ansteckenden Lebensfreude“ erfüllt.
Auch die Kinder der Verstorbenen äußerten sich in der Hofmitteilung: „Danke, dass du die beste Mama warst, die wir uns hätten wünschen können. Du warst unser ganzes Leben lang für uns da – mit Liebe und Weisheit, Wärme und viel Humor“, ließen Cathrine, Benedikte, Alexander, Elisabeth und Carl-Christian Ferner mit ihren Familien erklären.
Was aus dem Königshaus wird
Astrid galt zum Zeitpunkt ihres Todes als ältestes arbeitendes Mitglied einer königlichen Familie weltweit. Für 2024 wurden ihr 20 offizielle Termine für das norwegische Königshaus zugeschrieben. Sie war eine Urenkelin des britischen Königs Eduard VII. und nach dem Tod ihres Bruders eine von fünf noch lebenden Urenkeln.
Offen ist, wer die repräsentativen Aufgaben übernimmt, die die Prinzessin zuletzt noch im Rollstuhl wahrnahm – und wie das Königshaus den doppelten Verlust verarbeitet. König Haakon VIII. verliert innerhalb von zwei Wochen seinen Vater und seine Tante; beide Trauerfälle fallen in die ersten Tage seiner Regentschaft.
