Rüstungsexporte nach Israel steigen auf fast 800 Millionen Euro
Bild: KI-generiert
U-Boot-Deal

Rüstungsexporte nach Israel steigen auf fast 800 Millionen Euro

Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr 2026 Rüstungsexporte an Israel für knapp 800 Millionen Euro genehmigt – viermal so viel wie im ganzen Vorjahr. Der Großteil geht auf das U-Boot INS Drakon zurück, doch die Linksfraktion wirft Kanzler Merz „grenzenlose Doppelmoral“ vor.

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Knapp 800 Millionen Euro für Waffen und Rüstungsgüter an Israel – genehmigt in nur sechs Monaten. Das ist fast viermal so viel, wie die Bundesregierung dem Land im gesamten Jahr 2025 zugesagt hatte.

Die Zahlen stehen in der Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Nach dem Bericht über die gestiegenen Ausfuhrgenehmigungen wurden zwischen Januar und Juni 2026 knapp 800 Millionen Euro bewilligt. Erfasst sind Genehmigungen, nicht tatsächlich gelieferte Waffen; die Werte sind vorläufig.

Der Löwenanteil fällt ins zweite Quartal: Zwischen April und Juni wurden Ausfuhren im Wert von 735,8 Millionen Euro genehmigt. Rund 67 Prozent davon entfallen nach Angaben der Bundesregierung auf ein „Großprojekt im maritimen Rüstungsbereich“.

Ein halbes Jahr reicht für das Vierfache

2025 hatte die Bundesregierung Israel Waffen und Rüstungsgüter im Wert von rund 201 Millionen Euro zugesagt. Schon nach einem halben Jahr liegt der Wert für 2026 bei knapp 800 Millionen Euro – eine Steigerung auf das Vierfache.

Genehmigte Rüstungsexporte nach Israel

Vorläufige Werte; Genehmigungen, nicht tatsächliche Lieferungen

Quelle: Bundesregierung, Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (2026)

Im Vergleich aller Empfängerländer liegt Israel damit auf Platz sechs – hinter der Ukraine mit rund 2,5 Milliarden Euro und den USA mit 1,6 Milliarden Euro sowie hinter den Niederlanden, Tschechien und Litauen. Die deutschen Gesamtgenehmigungen erreichten mit 13,87 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert.

Das Großprojekt heißt INS Drakon

Hinter dem maritimen Großprojekt steht das U-Boot „INS Drakon“, das der Kieler Werftkonzern ThyssenKrupp Marine Systems für die israelische Marine gebaut hat. Es ist das dritte und letzte Boot der Dolphin-AIP-Klasse und das sechste U-Boot, das in Deutschland für Israel entstanden ist.

Die „INS Drakon“ verließ die Kieler Werft am 1. September 2026 und durchquerte den Nord-Ostsee-Kanal, begleitet von der schleswig-holsteinischen Landespolizei. Das Auslaufen der INS Drakon aus Kiel bestätigte der U-Bootbauer TKMS. Ziel ist die nordisraelische Küstenstadt Haifa, wo in der Marinebasis eine staatliche Zeremonie geplant ist.

Bei der Verabschiedung in Kiel waren Marineinspekteur Jan Christian Kaack, Israels Botschafter Ron Prosor, die israelische Marinekommandeurin Vizeadmiral Eyal Harel und der Leiter der israelischen Beschaffungsdirektion Zeev Landau dabei. Prosor nannte die Lieferung ein „Zeugnis für die Tiefe der strategischen Partnerschaft zwischen Jerusalem und Berlin“.

Mit dem Auslaufen der ‚INS Drakon‘ schließen wir ein anspruchsvolles Programm erfolgreich ab, das über viele Jahre von Vertrauen, technologischer Kompetenz und gemeinsamer Verantwortung geprägt war. Israel ist für uns ein wichtiger Partner im maritimen Bereich.
Oliver Burkhard, CEO von ThyssenKrupp Marine Systems

Mit der Übergabe ist das „Dolphin-AIP“-Programm abgeschlossen; TKMS baut bereits die nächste Generation, drei Boote der „Dakar“-Klasse, die ab 2031 die ältesten Dolphin-Boote ersetzen sollen. Der Stückpreis der „INS Drakon“ wird auf 500 bis 700 Millionen Euro geschätzt, ein Drittel davon finanziert der Bund aus dem Haushalt als Militärhilfe.

Der Streit um die Atomwaffen

Umstritten ist der Export, weil Fachleute eine Nachrüstung der Boote mit Atomwaffen für möglich halten. Die vier großen Torpedorohre mit 650 Millimeter Durchmesser und der deutlich vergrößerte Turm nähren seit den 1990er Jahren die Debatte, ob die Dolphin-Boote Israels nukleare Zweitschlagfähigkeit vom Meer aus sichern.

Die „INS Drakon“ ist rund 68 Meter lang, nach anderen Angaben rund 73 Meter, und mit zehn Torpedorohren ausgerüstet – sechs im Standardkaliber 533 Millimeter und vier größere Rohre mit 650 Millimeter Durchmesser. Welche zusätzlichen Sensoren oder Systeme im vergrößerten Turm stecken, gibt das israelische Verteidigungsministerium nicht bekannt.

Fachmedien und Militäranalysten vermuten dort vertikale Startschächte für neue Flugkörper. Israel hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet und bestätigt oder dementiert eine nukleare Bestückung nicht. Die Bundesregierung hat eine atomare Nutzung stets bestritten; ein Nachweis für eine entsprechende Absicht liegt nicht vor.

Vorwurf der Doppelmoral

Die Zahlen gehen auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zurück, die am 23. Juli 2026 gestellt wurde. Darin heißt es, gerade mit Blick auf die sicherheitspolitische Lage im Nahen Osten stelle sich die Frage nach Umfang und Ausgestaltung der Waffenexporte nach Israel.

Die Sprecherin der Linksfraktion für internationale Beziehungen, Lea Reisner, sieht darin eine „grenzenlose Doppelmoral“ der Bundesregierung: Bundeskanzler Friedrich Merz habe sich gerade noch über die menschenverachtenden Aussagen des israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir empört, während seine Regierung die Kooperation mit einer Regierung und Armee vorantreibe, gegen die vor dem Internationalen Gerichtshof der Vorwurf des Genozids verhandelt werde.

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Die Linkspartei fordert einen vollständigen Stopp von Exporten für Waffen und Rüstungsgüter aller Art sowie eine Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der Europäischen Union und Israel.

Vom Teil-Exportstopp zur Einzelfallprüfung

Im August 2025 hatte Merz als Reaktion auf das israelische Vorgehen im Gazastreifen einen Teil-Exportstopp für Rüstungsgüter verhängt, die im Gaza-Krieg verwendet werden können; Waffen zur Verteidigung gegen Angriffe von außen blieben davon ausgenommen. Ende November 2025 hob die Regierung die Beschränkung wieder auf und kehrte zur Einzelfallprüfung zurück.

Begründet wurde das mit der seit dem 10. Oktober 2025 geltenden Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Grundsätzlich untersagen die deutschen Exportrichtlinien Lieferungen in Kriegs- und Krisengebiete; für Israel gilt wegen der historischen Verantwortung Deutschlands für den Holocaust eine Ausnahme. In Den Haag ist eine Klage Nicaraguas anhängig, das Deutschland der Beihilfe zum Völkermord beschuldigt.

Von der Beschränkung zum Rekordhalbjahr

  1. 8. August 2025
    Merz verhängt Teil-Exportstopp

    Rüstungsgüter, die im Gaza-Krieg verwendet werden können, dürfen nicht mehr geliefert werden.

  2. 10. Oktober 2025
    Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas

    Die Vereinbarung tritt in Kraft.

  3. 24. November 2025
    Regierung hebt die Beschränkungen auf

    Für Exporte nach Israel gilt wieder die Einzelfallprüfung.

  4. 22. Juli 2026
    INS Drakon an die israelische Marine übergeben

    Das Boot geht nach mehr als einjähriger Erprobungsphase an den Auftraggeber.

  5. 23. Juli 2026
    Kleine Anfrage der Linksfraktion

    Die Fraktion will Umfang und Ausgestaltung der Waffenexporte nach Israel wissen.

  6. 1. September 2026
    INS Drakon verlässt Kiel

    Das U-Boot durchquert den Nord-Ostsee-Kanal in Richtung Haifa.

  7. 2. September 2026
    Knapp 800 Millionen Euro werden bekannt

    Die Antwort der Regierung auf die Anfrage zeigt die Genehmigungen des ersten Halbjahres.

Ob es bei der Einzelfallprüfung bleibt, entscheidet sich an der nächsten Antwort der Regierung – und an der Frage, ob auch die Boote der „Dakar“-Klasse genehmigt werden. Die Linksfraktion fordert einen vollständigen Exportstopp, die Bundesregierung hält bislang an der Einzelfallprüfung fest; die knapp 800 Millionen Euro sind vorläufige Werte.