Punkt 12 Uhr hat Frederick Lau (37) am Freitag seinen ersten Dönerladen aufgeschlossen – vor der Tür in der Oranienstraße 190 in Berlin-Kreuzberg stand zu diesem Zeitpunkt schon eine Schlange von rund 30 Metern.
Gemeinsam mit seiner Frau, Moderatorin Annika Lau (47), betreibt der Schauspieler den Imbiss „Döner Pro“. Der Fleischersatz besteht aus Erbsenprotein und wird wie klassisches Dönerfleisch am Drehspieß gegart und vom Spieß abgeschnitten. Der Laden liegt in der Nachbarschaft des Clubs SO36, unweit des Kottbusser Tors und des Rio-Reiser-Platzes.
Der Anspruch ist hoch: Nicht nach Seitan solle das Produkt schmecken, sondern wie ein originaler Berliner Döner vom Spieß funktionieren, sagt Frederick Lau. Der erste Test am Eröffnungstag zeigt, wie weit der Erbsenspieß davon entfernt ist – und wo er trotzdem als Döner funktioniert.
Fünf Jahre Rezeptur für den Erbsenspieß
Fünf Jahre haben die Laus nach eigenen Angaben an der Rezeptur gearbeitet. Der Fleischersatz wird wie bei einem klassischen Döner am Drehspieß gegart und abgeschnitten; Ziel war ausdrücklich, Geschmack, Geruch und Konsistenz des Berliner Originals zu treffen. Wegen des Erbsenproteins soll sich das Produkt auch für Sportler eignen.
Das Team hinter dem Projekt verweist auf jahrzehntelange Döner-Erfahrung; Teile davon sollen seit über 20 Jahren erfolgreich Döner produzieren und verkaufen. Der Name ist ein Wortspiel: Das „Pro“ steht für Protein, ausgeschrieben lautet die Schreibweise DÖNER PROtein.
Wie ernst es den beiden mit dem Spieß ist, beschreibt Frederick Lau selbst – der Satz klingt eher nach Produktentwicklung als nach Gastro-Eröffnung:
„Wir machen den Fleischersatz aus Erbsenprotein. Es muss halten, es soll Bestand haben, es soll vom Spieß kommen.“
30 Meter Schlange und ein gemischtes Urteil
Die Schlange wurde auch eine Stunde nach der Eröffnung nicht kürzer, wie der Tagesspiegel-Bericht über den Ansturm in Kreuzberg festhält. Einige Besucher reisten aus Spandau oder Potsdam an, andere kamen aus der Nachbarschaft oder zufällig vorbei. Die ersten beiden Gäste, die Freundinnen Mina und Lena, hatten 45 Minuten gewartet und wurden von den Laus persönlich begrüßt.
Vor dem Eingang drängten sich Mitarbeiter, Freunde, Angehörige, Gäste und Pressevertreter, rote und weiße Luftballons schmückten den Laden. Zu den Gästen zählten Fernsehkoch Ralf Zacherl, Schauspieler Jan Sosniok und Moderator Patrice Bouédibéla. Frederick Lau aß seinen eigenen Döner vor der Tür.
Beim Test des veganen Döners bei TAG24 kam das Brot gut weg: außen kross, innen weich, der Salat knackig, aber etwas säuerlich. Die Erbsenprotein-Streifen seien dünn geschnitten, würzig und bissfest. Die Konsistenz und Knusprigkeit eines klassischen Fleischspießes dürfe man nicht erwarten – im Zusammenspiel mit Brot, Salat und Soße funktioniere die Variante als Döner trotzdem.
Der Foodblogger David Lerosier widersprach dem skeptischen Teil des Urteils deutlich: Die Textur des Fleischersatzes sei ganz fein und tatsächlich fleischartig, super verarbeitet und geschnitten, geschmacklich sei der Döner besser als ein Berliner Hackfleischspieß. Ein Haken blieb dennoch: Die Döner waren nicht allzu großzügig gefüllt, wer mit großem Hunger kam, wurde von einer Portion womöglich nicht satt.
Acht Wochen zwischen Ankündigung und Eröffnung
Bereits acht Wochen vor der Eröffnung hatte Frederick Lau das Projekt öffentlich gemacht: Am 8. Juli 2026 kündigte er gegenüber der B.Z. an, im September einen veganen Dönerladen in Berlin zu eröffnen, und nannte schon damals die Oranienstraße als Standort. Damals erklärte er auch, warum es kein Fleisch sein sollte.
Danach lief die Ankündigungsphase: Ende Juli griff das vegane Wirtschaftsmagazin vegconomist das Projekt auf, Anfang September stand die Eröffnung im Veranstaltungskalender der Berliner Vegan-Szene. Nach dem Eröffnungstag übernahmen Bewertungsportale und Food-Accounts die Verbreitung.
Von der Ankündigung zur Eröffnung
- 8. Juli 2026Ankündigung gegenüber der B.Z.
Frederick Lau kündigt an, im September einen veganen Dönerladen in der Oranienstraße in Kreuzberg zu eröffnen.
- 27. Juli 2026Fachpresse greift das Projekt auf
Das Wirtschaftsmagazin vegconomist berichtet über die Pläne und zitiert Lau zu seiner vegetarischen Kindheit.
- 4. September 2026, 12 UhrEröffnung von Döner Pro
Rund 30 Meter Schlange, prominente Gäste vor Ort, Döner zum Startpreis von 2,50 Euro.
- 4. September 2026Erste Verkostung
Der TAG24-Test lobt Brot und Konsistenz, kritisiert säuerlichen Salat und kleine Portionen.
- 6. September 2026Überregionale Berichte
Promiflash und der dpa-Dienst melden die Eröffnung, Focus online fasst Konzept und Preise zusammen.
- 7. bis 11. September 2026Erste Bewertungen
Food-Accounts verbreiten Videos vom Laden; auf der Plattform HappyCow fallen erste Rückmeldungen positiv aus, bemängelt werden Wartezeiten.
Tierschutz als Begründung – und ein gescheitertes Vorbild
Den Laus geht es nach eigenen Angaben nicht allein ums Geschäft, sondern auch um Tierschutz. Frederick Lau sagte, sein Vater sei Vegetarier gewesen, dadurch sei auch er quasi vegetarisch aufgewachsen; Leute sollten darüber nachdenken, was für sie die richtige Alternative ist. Seine Frau Annika Lau formulierte die Begründung schärfer.
„Wir haben es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wirklich übertrieben mit dem Fleischkonsum.“
Zur Einordnung: Vegane Gerichte gehören in vielen Imbissen und Restaurants längst zum Standard, der Fleischkonsum in Deutschland ist zuletzt dennoch gestiegen – laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft um 1,4 Kilogramm auf durchschnittlich 54,9 Kilogramm pro Person und Jahr.
Ein prominenter Name ist im Dönergewerbe kein Selbstläufer. Der frühere Fußball-Weltmeister Lukas Podolski hatte vor mehr als zwei Jahren ein Dönerlokal in Berlin eröffnet; der Laden schloss bereits nach wenigen Monaten wieder.
2,50 Euro zum Start, 6,90 Euro danach
Zum Start kostete der Döner 2,50 Euro statt der später regulären 6,90 Euro – ein Angebot, das den Andrang zusätzlich verstärkte. Ob Kunden den regulären Preis für ein Produkt aus Erbsenprotein zahlen, wird sich am Andrang der kommenden Wochen entscheiden.
Döner-Preise bei Döner Pro
Preis pro Döner in Euro
Das Konzept reicht über den einen Laden hinaus: Laut der offiziellen Website sollen die Spieße später auch in anderen Dönerläden deutschlandweit angeboten werden. Dort werden die Laus als „Teil des Teams“ beschrieben. Ob aus dem Erbsenspieß ein bundesweites Produkt wird, entscheidet sich an der Theke in der Oranienstraße – nach dem Ende des Startpreises.
