Norwegens neues Königspaar zieht nicht in das Osloer Königsschloss: Haakon VIII. (53) und Königin Mette-Marit (53) bleiben nach dem Thronwechsel höchstwahrscheinlich auf Gut Skaugum, 19 Kilometer südwestlich der Hauptstadt. Der Palast hat bislang nicht bekannt gegeben, wo das Paar nach dem Tod von König Harald V. am 28. August 2026 lebt.
Harald V. starb mit 89 Jahren im Rikshospitalet in Oslo. Sein Sohn übernahm automatisch den Thron – Haakons Thronübernahme nach dem Tod von Harald V. machte Mette-Marit zur Königin und Ingrid Alexandra (22) zur Kronprinzessin. Das Schloss ist seither offiziell die Residenz des Monarchen.
Der Palast ist Arbeitsplatz, kein Zuhause
Genutzt wird das Schloss vor allem für Staatsgeschäfte, Audienzen und Empfänge. Als privates Zuhause ist der Prunkbau im Zentrum Oslos dagegen wenig geeignet: Es gibt keinen privaten Balkon und kein privates Außengelände, dafür liegt der belebte Schlossplatz direkt vor der Tür.
Auf Skaugum ist das Paar seit Jahren eingerichtet: ländliche Lage, großes Außengelände, eigener Stab. Die offizielle Beschreibung Skaugums durch den Hof nennt das Anwesen ein privates Wohnhaus, das zugleich für Repräsentation genutzt wird. Die Königshaus-Expertin Tove Taalesen macht daraus ein Argument gegen den Umzug:
„Skaugum ist ein viel praktischeres Zuhause. Dort ist es ländlich, und es gibt ein großes Außengelände, auf dem sie ungestört sein können.“
Ein Umzug bräche mit einer alten Regel
In Norwegen folgt der Wohnsitz nicht dem Titel. König Olav V. blieb nach seiner Thronbesteigung 1957 elf Jahre auf Skaugum, bevor er das Gut 1968/69 als Hochzeitsgeschenk an Harald und Sonja weitergab. Harald wurde 1991 König – und blieb zehn Jahre, bis er 2001 in die neu eingerichtete Königswohnung im Schloss zog.
Skaugum ist traditionell die Residenz des Kronprinzenpaares, der Palast wird erst bezogen, wenn die nächste Generation übernimmt. „König Haakon und Königin Mette-Marit ziehen nicht heute oder morgen ins Schloss ein. Es wird wohl seine Zeit dauern, wenn ich raten soll“, sagte Caroline Vagle von Se og Hør laut Dagbladet-Bericht über den ausbleibenden Umzug ins Schloss. Bei Harald und Sonja habe es damals zehn Jahre gedauert.
Der Historiker und Autor Trond Norén Isaksen vertritt dieselbe Traditionslinie: Danach zieht das Paar erst ins Schloss, wenn Kronprinzessin Ingrid Alexandra heiratet. Sie ist derzeit Studentin.
Jahre bis zum Umzug von Skaugum in die Königswohnung
Zeit zwischen Thronbesteigung und Einzug in das Osloer Schloss
Das Gut gehört der Familie seit 1929
König Haakon VII. kaufte Skaugum 1929 für 120.000 Kronen und überließ es dem frisch verheirateten Kronprinzenpaar Olav und Märtha. 1968/69 ging es als Hochzeitsgeschenk an Harald und Sonja, seit dem 1. Januar 2002 gehört es Haakon und Mette-Marit. Im Dezember 2003 zogen sie nach einer umfassenden Modernisierung in das Haupthaus ein.
Nach Wikipedia gehören 48 Hektar Agrarfläche und 50 Hektar Wald dazu, nach Store norske leksikon umfasst das Anwesen 1.215 Dekar (121,5 Hektar), davon 480 Dekar Kulturland. Die ARD-Königshausexpertin Leontine von Schmettow beschreibt Skaugum deshalb nicht als Schloss, sondern als Gutshof.
Innen ist das Haus moderner, als der royale Rahmen vermuten lässt. Zu sehen sind graue Polstersofas, große Kunstwerke und moderne Leuchten; während der Corona-Pandemie gab das Paar Einblicke in ein provisorisches Homeoffice mit blauer Farbgebung, Holzvertäfelung, Goldspiegel und einem Couchtisch als Schreibtisch.
Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby wohnt am Waldrand des Anwesens, wenige Hundert Meter vom Hauptgebäude entfernt, und verbüßt dort seinen Hausarrest mit elektronischer Fußfessel während des laufenden Berufungsverfahrens.
Skaugum: vom Hochzeitsgeschenk zur Residenz des Königs
- 1929Haakon VII. kauft das Gut
König Haakon VII. erwirbt Skaugum in Asker für 120.000 Kronen zur Hochzeit von Kronprinz Olav und Prinzessin Märtha.
- 1968/1969Olav V. gibt Skaugum weiter
König Olav V. überlässt das Gut als Hochzeitsgeschenk seinem Sohn Harald und dessen Frau Sonja.
- 1991Harald wird König – und bleibt
Nach dem Tod Olavs V. besteigt Harald den Thron, zieht aber nicht ins Schloss um, sondern bleibt zehn Jahre auf Skaugum.
- 2001Umzug in die Königswohnung
Harald und Sonja beziehen nach der Renovierung die 950 Quadratmeter große Königswohnung im Osloer Schloss.
- 1. Januar 2002Skaugum gehört Haakon und Mette-Marit
Das Gut wird offiziell an das Kronprinzenpaar übergeben.
- Dezember 2003Einzug ins Haupthaus
Nach umfassender Modernisierung beziehen Haakon und Mette-Marit das Haupthaus von Skaugum.
- 28. August 2026Haakon VIII. wird König
König Harald V. stirbt im Rikshospitalet in Oslo. Sein Sohn übernimmt automatisch den Thron; der Palast äußert sich nicht zum künftigen Wohnsitz.
Sonjas Wohnsitz ist offen
Mit dem Thronwechsel ist die 89-jährige Sonja zur Königinwitwe geworden – nach Aftenposten die erste seit mehr als 100 Jahren, seit 1905. Sie verliert das Prädikat „Ihre Majestät“, behält aber den Titel Königin und bewohnt derzeit eine Wohnung im Osloer Schloss.
Ob sie dort bleiben kann oder für ihren Sohn ausziehen muss, ist offiziell nicht entschieden; ein Auszug ist derzeit kein Thema. Die Königswohnung im zweiten Obergeschoss des südlichen Hauptflügels umfasst 950 Quadratmeter samt Wintergarten – Harald und Sonja hatten sie 2001 nach der Renovierung bezogen.
Taalesen erwartet für Sonja keine Änderungen im Wohnarrangement. Sværen verweist auf die innerfamiliäre Abstimmung: Sollte Sonja umziehen wollen, sei man dafür offen. Aftenposten fragt, wo die Königinwitwe wohnt, wenn der neue König in die Königswohnung einzieht.
Entschieden wird frühestens nach dem Trauerjahr
Nach dem Staatsbegräbnis am 9. September 2026 und der Beisetzung im Mausoleum der Festung Akershus begann Haakons Zeit als König unmittelbar unter dem Eindruck des Abschieds. Der Palast räumt auf seiner Website ein, dass es wegen des Todes von König Harald vorübergehend zu Fehlern auf den Seiten kommen könne.
Offen ist auch, wie die Monarchie förmlich beginnt: Norwegen verzichtet seit über 100 Jahren auf eine Krönung, möglich ist eine zeremonielle Segnung im Nidarosdom in Trondheim – ein Termin ist nicht bekannt. Neben der Wohnungsfrage trägt Haakon ein schweres Erbe: Haakons Erbe von 30 Millionen Euro.
Widerspruch zur Traditionslinie kommt von TV 2. Der Königshaus-Experte und Buchautor Ole-Jørgen Schulsrud-Hansen hält einen Umzug des Königs bereits 2027 für wahrscheinlich:
„Aus praktischen Gründen wird es einige Zeit dauern, bis der neue König dort einzieht. Man zieht einen Haushalt nicht von einem Tag auf den anderen um, nur weil man König geworden ist. Ich glaube, dass es nächstes Jahr geschieht.“
Sicher ist bislang nur, dass der Hof sich nicht festgelegt hat. Ob Haakon und Mette-Marit das Schloss je zu ihrem Zuhause machen, könnte sich erst entscheiden, wenn Kronprinzessin Ingrid Alexandra heiratet und selbst übernimmt.
