Selenskyj bietet Putin Treffen in Miami an – Kreml lehnt ab
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G20-Gipfel

Selenskyj bietet Putin Treffen in Miami an – Kreml lehnt ab

Wolodymyr Selenskyj will Wladimir Putin beim G20-Gipfel in Miami treffen. Der Kreml nennt genau das am Tag der Veröffentlichung „unmöglich“ – und besteht weiter auf Verhandlungen in Moskau.

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Wolodymyr Selenskyj ist zu einem persönlichen Treffen mit Wladimir Putin beim G20-Gipfel in Miami bereit. Moskau hat das Angebot noch am Tag der Veröffentlichung als „unmöglich“ zurückgewiesen – und bleibt bei seiner Bedingung: Gespräche nur in Moskau.

Die Äußerung fiel in einem Interview mit der Deutschen Welle, das DW-Korrespondent Misha Komadovsky am Freitag, dem 11. September 2026, auf der Canadian Forces Base North Bay in Kanada führte; das DW-Exklusivinterview zum Treffen-Angebot erschien am Samstag, dem 12. September 2026.

Auf die Frage, ob er nach Miami kommen würde, sollte auch Putin teilnehmen, sagte Selenskyj: „Ja, natürlich. Wir müssen uns treffen, miteinander sprechen und Entscheidungen treffen.“ Inhaltlich blieb er ergebnisorientiert: „Es geht nicht um Worte. Was ich ihm sagen werde oder was er mir sagen will, spielt keine Rolle. Was zählt, ist das Ergebnis.“ Eine Bedingung bleibt: Die Ukraine gehört nicht zur G20 und müsste von Gastgeber Donald Trump als Gast eingeladen werden. Ob Putin tatsächlich nach Florida reist, ist offen.

Moskau antwortet in zwei Schritten

Der Kreml äußerte sich am 12. September zunächst zurückhaltend. Sprecher Dmitri Peskow sagte nach Angaben der Staatsagentur Tass: „Wir wissen noch nicht, ob wir nach Miami reisen werden.“ Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow erklärte, eine Teilnahme des Präsidenten sei in Moskau „noch nicht einmal erörtert“ worden.

Wenig später kippte die Linie. In Neu-Delhi sagte Peskow der Nachrichtenagentur AFP, ein Treffen in Miami sei nicht möglich; auf die Frage nach einem anderen Ort als Russland antwortete er mit der Bereitschaft, Selenskyj in Moskau zu empfangen, wie die AFP-Meldung zur Kreml-Absage festhält.

Das ist unmöglich. Es gibt eine Bereitschaft, ihn (Selenskyj) in Moskau zu treffen.
Dmitri Peskow, Sprecher des Kremls

Moskau hatte bereits am 7. September erklärt, es sei „zu früh“, über Ort und Zeitpunkt eines Treffens zu sprechen. Flankiert wurde die Absage von einer zweiten russischen Botschaft: Außenminister Sergej Lawrow nannte die Einladung nach Moskau am 12. September eine „Geste des guten Willens“ – stellte aber klar, dass Russland seine Angriffe während möglicher Verhandlungen nicht einstellen werde.

Ein Gipfel mit zwei offenen Plätzen

Die USA haben 2026 den Vorsitz der G20 inne – 19 Länder plus Europäische Union und Afrikanische Union. Das 21. Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs findet am 14. und 15. Dezember 2026 im Trump National Doral Miami in Florida statt. Trump hatte im April 2026 gesagt, eine Teilnahme Russlands wäre „wahrscheinlich sehr hilfreich“; Putin hat seit 2019 an keinem G20-Gipfel persönlich teilgenommen.

Schon vor dem Gipfel gab es Streit um Russlands Rolle in G20-Formaten. Zum Finanzministertreffen Anfang September in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina luden die USA ohne Absprache den russischen Finanzminister Anton Siluanow ein, was europäische Partner verstimmte. Auch am Treffen der G20-Energieminister in der kommenden Woche in Houston soll nach Angaben des Diplomaten Marat Berdyev eine russische Delegation teilnehmen.

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Vier Jahre ohne persönliche Begegnung

Selenskyj und Putin sind sich zuletzt im Dezember 2019 beim Normandie-Gipfel in Paris gegenübergestanden; an den Gesprächen nahmen damals auch der französische Präsident Emmanuel Macron und die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel teil. Seit Beginn des russischen Großangriffs im Februar 2022 gab es keine persönliche Begegnung mehr.

Selenskyj hat ein Treffen seit Kriegsbeginn mehrfach vorgeschlagen, Putin reagierte häufig gar nicht oder zögerlich. Im September 2025 sagte Putin vor Journalisten, er könnte sich ein Treffen vorstellen – Bedingung: Selenskyj solle nach Moskau kommen. Im Juni 2026 wies Putin einen weiteren Vorschlag zurück; eine Einladung zum G7-Gipfel in Frankreich ließ er nach Darstellung Selenskyjs unbeantwortet.

Von Paris 2019 bis Miami 2026

  1. Dezember 2019
    Letztes persönliches Treffen

    Selenskyj und Putin kommen beim Normandie-Gipfel in Paris zusammen, gemeinsam mit Emmanuel Macron und Angela Merkel.

  2. 24. Februar 2022
    Beginn des russischen Großangriffs

    Seither hat es kein persönliches Treffen der beiden Präsidenten mehr gegeben.

  3. September 2025
    Putins Bedingung

    Putin sagt vor Journalisten, er könnte sich ein Treffen vorstellen – wenn Selenskyj nach Moskau komme.

  4. April 2026
    Trump öffnet die Tür

    Trump nennt eine russische Teilnahme am G20-Gipfel „wahrscheinlich sehr hilfreich“; der Kreml hält laut Reuters auch die Reise eines anderen Vertreters für möglich.

  5. 5. September 2026
    US-Gesandte in Moskau und Kiew

    Steve Witkoff und Jared Kushner reisen zuerst nach Moskau, dann nach Kiew; danach telefoniert Trump nach Kreml-Angaben „äußerst offen“ mit Putin.

  6. 12. September 2026
    Angebot und Absage

    Die DW veröffentlicht Selenskyjs Bereitschaft zu einem Treffen in Miami; Kremlsprecher Peskow nennt genau das „unmöglich“.

  7. 14. Dezember 2026
    G20-Gipfel in Miami

    Das Treffen der Staats- und Regierungschefs im Trump National Doral Miami dauert bis 15. Dezember; offen, wer kommt.

Vermittlung ohne Durchbruch

Selenskyjs Vorstoß fällt in eine Phase neuer US-Vermittlungsbemühungen nach langer Pause. Am Wochenende vor dem Interview reisten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zuerst nach Moskau, dann nach Kiew – der Besuch der US-Gesandten in Moskau war der Auftakt. Danach telefonierten Trump und Putin nach Kreml-Angaben „äußerst offen“; den Doppelbesuch nannte Selenskyj „ein gutes Signal“.

Einen Durchbruch brachten die Gespräche nicht. Trump sagte am Mittwoch vor der Veröffentlichung, Putin wolle eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges; ein Abkommen sei möglich, sofern auch Selenskyj zustimme. Kushner sagte am 12. September beim YES-Sicherheitsforum in Kiew per Videozuschaltung, für eine Einigung fehle nur eines: die ukrainische Zustimmung, die von Putin geforderten Gebiete abzugeben. Für Ende September plant Selenskyj nach eigenen Angaben ein Treffen mit Trump in New York.

Kernstreitpunkt bleibt das Territorium: Russland verlangt die Kontrolle über die gesamte ostukrainische Region Donezk. Die Ukraine lehnt eine Abtretung der noch von ihr gehaltenen Gebiete ab und will die Kämpfe zunächst entlang der derzeitigen Frontlinie stoppen. Als ersten Schritt brachte Selenskyj einen Energie- und Getreide-Waffenstillstand ins Spiel: „Was kann uns zu irgendwelchen Verhandlungen bringen? Energie und Getreide. Das ist Schritt Nummer eins.“ Die russische Blockade der Schwarzmeerhäfen ließ die Getreideexporte der Ukraine im August 2026 um 76 Prozent einbrechen.

Waffen und der kommende Winter

Ein zentrales Motiv des Interviews war der Bedarf an Luftverteidigung vor dem Winter. Selenskyj forderte erneut US-Patriot-Systeme und legte konkrete Zahlen vor: Russland produziere 140 ballistische Raketen pro Monat. Nach NATO-Logik brauche man zur Abwehr ein Verhältnis von 1 zu 2, also 280 Raketen.

Luftverteidigung: Was Russland produziert und was die Ukraine braucht

Selenskyj fordert für die Wintermonate 100 bis 120 Abfangraketen, nach NATO-Logik wären 280 nötig

Quelle: Angaben Selenskyjs im DW-Interview, 12. September 2026

„Sie werden nie 280 Raketen pro Monat haben, und unter uns: Es ist eine riesige Herausforderung, auch nur 100 zu haben. Das ist, was ich will: 100 bis 120 für diese schwierigen Monate, besonders die kalten Monate.“ Auf die Frage, ob die USA genügend Raketen bereitstellen würden, sagte er: „Sie haben den politischen Willen zu verkaufen und zu helfen, aber die Produktion ist nicht allzu groß.“

Mit mehreren europäischen Firmen vereinbarte Selenskyj nach eigenen Angaben die Entwicklung eines ukrainischen Raketenabwehrsystems namens „Freya“, dessen erste Testphase noch im Dezember beginnen soll. Deutschland hatte in der Woche zuvor angekündigt, Patriot-Raketen aus nationalen Beständen zu liefern, ohne eine Zahl zu nennen. Sein Land sieht Selenskyj in einer guten Verhandlungsposition: Russland verliere monatlich mehr als 30.000 Soldaten und zahle einen hohen Preis für kleine Geländegewinne.

Angesichts des Winters fürchtet Kiew massive Schäden durch russische Angriffe auf seine Energieinfrastruktur wie im Vorjahr; nach Angaben aus Kiew könnte ein fortgesetzter Beschuss das BIP um 1,5 Punkte senken. In der Nacht zum 12. September wurden nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen getötet, darunter in Krywyj Rih am Standort des Stahlkonzerns ArcelorMittal; im Raum Odesa wurden nach Angaben des Regionalchefs Oleh Kiper 28 Menschen verwundet. Ob beide Präsidenten am 14. Dezember in Miami zusammenkommen, ist nach Peskows Absage offener denn je.