Dennis Weilmann bleibt Oberbürgermeister von Wolfsburg – mit 50,1 Prozent der Stimmen hat der CDU-Politiker die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang geholt. Eine Stichwahl, mit der fast alle Beteiligten gerechnet hatten, ist damit überflüssig. Der 51-Jährige regiert die Stadt seit 2021 und bleibt ihr weitere acht Jahre erhalten.
Nach Auszählung aller Stimmen entfielen auf Weilmann nach Angaben der Stadt 27.004 Stimmen. Sechs Mitbewerber waren angetreten, die Wahlbeteiligung lag bei 58,2 Prozent. Rund 93.377 Wahlberechtigte waren aufgerufen, in 103 Wahllokalen und 31 Briefwahllokalen zählten rund 1.200 Wahlhelfende aus. Das vorläufige amtliche Endergebnis der Stadt lag um 19:48 Uhr vor.
Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl in Wolfsburg
Vorläufiges amtliches Endergebnis, 13. September 2026
Eine Mehrheit, mit der kaum jemand rechnete
Die drei Spitzenkandidaten Weilmann, Karsten Schneider (SPD) und Thomas Schlick (AfD) rechneten mit einer Stichwahl – NDR über den Wahlabend in Wolfsburg. Auch die WAZ-Redaktion schrieb, an einer Wiederwahl Weilmanns hätten kaum Zweifel bestanden; dass er dafür keine Stichwahl brauche, sei „alles andere als sicher“ gewesen.
„Damit habe ich nicht gerechnet. Insofern war es wirklich eine große Überraschung.“
Der Wahlabend spielte sich in der Bürgerhalle ab: Weilmann kam unter Applaus die Treppe herunter und blieb den ganzen Abend in der Menschentraube stehen; in seinen Gesichtszügen war die Spannung abzulesen.
Als immer mehr Wahlbezirke ausgezählt waren, keimte bei den CDU-Anhängern Hoffnung auf, schließlich brach großer Jubel aus. Die anderen Kandidaten, ebenfalls in der Bürgerhalle anwesend, reagierten enttäuscht und beglückwünschten den Wahlsieger. Die SPD ließ den Abend in der Bar Pinocchio ausklingen, die PUG feierte im Irish Pub in der Goethestraße.
SPD gewinnt Platz zwei knapp vor der AfD
Hinter Weilmann entschied die SPD das Rennen um Platz zwei für sich: Karsten Schneider kam auf 15,5 Prozent (8.350 Stimmen) und lag damit knapp vor dem AfD-Kandidaten Thomas Schlick mit 14,1 Prozent (7.618 Stimmen).
Die WAZ-Redaktion wertete das AfD-Ergebnis als Zeichen dafür, dass sich die politischen Gewichte in Wolfsburg verschieben – „das Ergebnis der AfD muss auffallen“, schrieb Redaktionsleiter Normen Scholz.
Bei der Bundestagswahl 2025 war die AfD am VW-Stammsitz bereits fast so stark geworden wie die SPD, beide lagen hinter der CDU. Wie sich AfD-Verantwortung in der Kommunalpolitik auswirkt, beschreibt der Bericht über den ersten hauptamtlichen AfD-Bürgermeister Deutschlands.
Im Rat bleiben acht Parteien – die CDU vorn
Auch der Rat der Stadt wurde neu gewählt. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis bleibt die CDU mit 25,9 Prozent (12 Sitze) stärkste Kraft, die SPD folgt mit 22,4 Prozent (11 Sitze), die AfD erreicht 17,1 Prozent (8 Sitze).
- CDU: 25,9 Prozent, 12 Sitze
- SPD: 22,4 Prozent, 11 Sitze
- AfD Niedersachsen: 17,1 Prozent, 8 Sitze
- PUG Wolfsburg: 13,7 Prozent, 7 Sitze
- Grüne: 9,6 Prozent, 5 Sitze
- Die Linke: 4,7 Prozent, 2 Sitze
- FDP: 3,4 Prozent, 2 Sitze
- BSW Niedersachsen: 1,8 Prozent, 1 Sitz
Damit sind künftig acht Parteien im Rat vertreten. Im Stadtparlament liegt die AfD mit 17,1 Prozent noch über dem Wert ihres OB-Kandidaten Schlick, der 14,1 Prozent erreichte.
Wahl im Schatten der VW-Krise
Die OB-Wahl fand im Zeichen der VW-Krise statt: In der Stadt steigen die Schulden, die Steuereinnahmen sinken. Wolfsburg ist neben Hannover und Emden einer der Standorte, an denen Volkswagen in den nächsten Jahren ein Werk schließen könnte.
Die Kommunalwahl in Niedersachsen insgesamt geriet zum Stimmungstest: Landesweit blieb die CDU nach dem vorläufigen Kreiswahlergebnis mit 27,2 Prozent stärkste Kraft (2021: 31,7 Prozent), die SPD fiel von 30,0 auf 24,6 Prozent. Größter Gewinner war die AfD, die sich von 4,6 auf 15,9 Prozent mehr als verdreifachte. Die Grünen kamen auf 14,1 Prozent, Die Linke auf 6,0 Prozent, die FDP stürzte von 6,5 auf 3,7 Prozent.
In vielen Städten – darunter Hannover, Braunschweig, Osnabrück, Oldenburg, Göttingen und Salzgitter – kommt es am 27. September 2026 zu Stichwahlen. In Wolfsburg ist das durch Weilmanns absolute Mehrheit nicht nötig.
Ein Wahlsieger mit Vorgeschichte
Weilmann wurde am 1. Mai 1975 in Wolfsburg geboren, wuchs in Westhagen und Kreuzheide auf und studierte ab 1996 Rechtswissenschaften in Göttingen. Nach Stationen im Niedersächsischen Justizministerium und in der Stadtverwaltung Wolfsburg wurde er 2018 Dezernent für Wirtschaft, Digitalisierung und Kultur, im Februar 2020 Erster Stadtrat.
Am 26. September 2021 gewann er die Stichwahl gegen Iris Bothe und trat die Nachfolge von Klaus Mohrs (SPD) an; seit dem 30. September 2021 ist er Oberbürgermeister. Weilmann ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen im Ortsteil Wendschott.
Von der ersten Wahl 2021 zur Wiederwahl 2026
- 1. Mai 1975Geburt in Wolfsburg
Dennis Weilmann wird in Wolfsburg geboren und wächst in Westhagen und Kreuzheide auf.
- 26. September 2021Sieg in der Stichwahl
Weilmann (CDU) setzt sich in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt gegen Iris Bothe durch.
- 30. September 2021Amtsantritt
Er tritt die Nachfolge von Klaus Mohrs (SPD) an.
- 13. September 2026Wiederwahl im ersten Wahlgang
Um 19:48 Uhr liegt das vorläufige amtliche Endergebnis vor: 50,1 Prozent (27.004 Stimmen), eine Stichwahl wird nicht nötig.
- 27. September 2026Stichwahlen in anderen Städten
In Hannover, Braunschweig, Osnabrück, Oldenburg, Göttingen und Salzgitter wird erneut gewählt – in Wolfsburg nicht.
Stadtwahlleiter und Stadtrat Andreas Bauer dankte den ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfern sowie dem Team des Wahlamtes für ihren Einsatz bei der „sehr umfangreichen Auszählung“.
Für Weilmann beginnt die zweite Amtszeit mit der schwersten Frage der Stadt: Bleibt das VW-Werk in Wolfsburg? Die Antwort wird auch darüber entscheiden, ob sein 50,1-Prozent-Votum trägt – und wie viel Spielraum ihm ein Rat lässt, in dem acht Parteien um Mehrheiten ringen.
