König Frederik X. (58) zieht seine Tochter an sich und küsst sie auf die Wange – mitten auf dem Kasernenhof von Slagelse. Prinzessin Isabella (19) steht dort in Tarnuniform und schwarzem Barett, in der ersten Reihe der angetretenen Rekruten. Am Sonntag, dem 13. September 2026, hatte das Gardehusarregiment in der Antvorskov-Kaserne zum Besuchstag geladen, an dem die Wehrpflichtigen ihre Angehörigen in die Kaserne holen.
Mitgekommen waren Königin Mary, Kronprinz Christian sowie die Zwillinge Prinz Vincent und Prinzessin Josephine – die Königsfamilie war damit vollständig versammelt. Für Isabella war es das erste Wiedersehen mit allen, seit sie am 3. August 2026 ihren Dienst angetreten hatte.
Hinter dem Familientag steht eine Zäsur: Isabella ist die erste Frau im dänischen Königshaus, die einen aktiven Wehrdienst absolviert. Zugleich gehört sie zum ersten Jahrgang der reformierten Wehrpflicht, die ebenfalls seit dem 3. August 2026 gilt – elf Monate statt vier, und Frauen werden zu denselben Bedingungen erfasst wie Männer.
Ein Kuss auf die Wange in der Kaserne
Vor dem Wiedersehen nahm Isabella an der morgendlichen Formation teil. Ihr Vater, Oberbefehlshaber der dänischen Streitkräfte, erschien in Militäruniform und schritt die Front der Rekruten ab – die Tochter stand in der vordersten Reihe. Königin Mary und die Geschwister reisten dagegen in Alltagskleidung an: Mary in Jeans, dunkelblauem Mantel und graublauem Rautenpullover, die Haare zu einem lockeren Zopf gebunden.
Dann wurde es emotional. Die Bilder vom Besuchstag in Slagelse zeigen, wie Frederik seine Tochter in den Arm nimmt und ihr einen Kuss auf die Wange gibt; auch mit Königin Mary, die den Arm um Isabella legt, und mit Bruder Christian, der sie innig umarmt, entstanden herzliche Szenen. Nach rund sechs Wochen ohne gemeinsamen Alltag gab es viel zu besprechen. Der Königshaus-Experte Ulrik Ulriksen vom Billed-Bladet sieht die 19-Jährige in der Truppe angekommen:
„Isabella steht ganz gerade. Sie sieht wirklich cool aus.“
Isabellas Weg zur Truppe und der Name Fredensborg
Ein Detail, das bis dahin nicht öffentlich war, verrieten die Fotos: Auf dem Namensschild von Isabellas Uniform steht der Name „Fredensborg“ – die Aufnahmen enthüllen den Militärnamen der Prinzessin. Beim Gardehusarregiment ist es Tradition, Rekruten nach dem Ort zu benennen, aus dem sie stammen – Kronprinz Christian trug während seiner Dienstzeit den Namen „Trekroner“, nach dem Fort bei Amalienborg. Die Königsfamilie verbringt jedes Jahr mehrere Monate auf Schloss Fredensborg.
Isabellas Weg in den Wehrdienst
- 31. März 2026Wehrdienst angekündigt
Das Königshaus gibt bekannt, dass Prinzessin Isabella nach dem Abitur ab August 2026 elf Monate beim Gardehusarregiment in Slagelse dienen wird.
- 21. April 2026Isabella wird 19
Das Königshaus veröffentlicht neue Bilder aus Amalienborg.
- Juni 2026Abitur und eine Ernennung
Isabella schließt das Øregård Gymnasium in Hellerup mit dem Abitur ab; Kronprinz Christian wird zum Unterleutnant ernannt.
- 3. August 2026Dienstantritt in Slagelse
Isabella trifft mit dem eigenen Auto in der Antvorskov-Kaserne ein und gehört zu den ersten Frauen des neuen Wehrpflichtmodells.
- 13. September 2026Besuchstag des Regiments
König Frederik X., Königin Mary, Kronprinz Christian und die Zwillinge besuchen Isabella; Frederik inspiziert in Uniform die angetretenen Rekruten.
Das Königshaus veröffentlichte die Fotos am Sonntagnachmittag, die dänischen Medien griffen sie auf. Isabella wird darin als erste Frau des Königshauses mit aktivem Wehrdienst gefeiert – sie trete „in den Kleidern des Königs“ an, hieß es. In den Reaktionen dominierte die Herzlichkeit: „Mir kamen bei Bild Nr. 2 die Tränen“, hieß es in einem Kommentar.
Elf Monate statt vier
Der Besuchstag fällt mitten in eine Reform, die Dänemark gerade erst umgesetzt hat. Zum 3. August 2026 verlängerte das Land den Grundwehrdienst von vier auf elf Monate: fünf Monate militärische Grundausbildung, sechs Monate Einsatz- und Ergänzungsdienst. Frauen und Männer werden zu gleichen Bedingungen erfasst – reichen die Freiwilligen nicht, entscheidet das Los.
Dauer des dänischen Grundwehrdienstes in Monaten
Die Reform trat am 3. August 2026 in Kraft
Für das Königshaus ist der Dienst in der Truppe Neuland. Weibliche Mitglieder der Familie hatten zuvor allenfalls Ausbildungen in Hilfsorganisationen absolviert: Königin Margrethe II. durchlief eine Ausbildung beim Kvindeligt Flyverkorps, Königin Mary bei der Nationalgarde, wo sie 2023 zum Major befördert wurde. Isabella dagegen steht im normalen Kasernenalltag.
Ein Verzicht und eine Familientradition
Auch finanziell setzt die 19-Jährige ein Zeichen. Wehrpflichtige erhalten rund 9.000 Kronen im Monat – etwa 1.200 Euro – plus 277 Kronen, umgerechnet rund 32 Euro, Tagespauschale. Nach Angaben des Königshauses verzichtet Isabella freiwillig auf diese Bezüge; der Verzicht auf den Sold beim Wehrdienststart war bereits Anfang August bekannt geworden.
Der Tag hat für die Familie auch eine Traditionsebene. König Frederik diente 1988 selbst beim Gardehusarregiment, unter anderem als Delingsfører – Zugführer –, und kennt die Kaserne aus eigener Erfahrung. Auch deswegen erschien er an diesem Tag in Uniform.
Kronprinz Christian leistete seine Wehrpflicht ebenfalls in Slagelse und wurde im Juni 2026 zum Sekondløjtnant ernannt. Derzeit führt er in der Gaderkaserne in Høvelte eine Teileinheit von Wehrpflichtigen.
Für Prinz Vincent und Prinzessin Josephine war der Besuch nach Einschätzung der Presse zugleich ein Ausblick auf eine mögliche eigene militärische Zukunft. Offen ist, ob die Zwillinge dem Beispiel ihrer Geschwister folgen – und ob der Frauenanteil in der Truppe mit dem neuen Modell tatsächlich steigt.
