Norwegens neue Königin Mette-Marit (53) kommt in einer aktuellen Vertrauensumfrage nur auf 35 Prozent. Ihre Tochter, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22), erreicht in derselben Erhebung 73 Prozent. Zwischen Mutter und Tochter liegen damit 38 Prozentpunkte – ein Abstand, den die Zahlenanalyse des Senders TV 2 als weit außerhalb der Fehlermarge einordnet.
Die Zahlen stammen aus der Umfrage von Verian für TV 2. Befragt wurde ein landesrepräsentatives Sample von 985 Personen zwischen Mittwoch, dem 2. September, und Dienstag, dem 8. September 2026. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 12. September unter dem Titel „Ekstremt populär“; deutsche Medien griffen sie ab dem 15. September auf.
Vertrauen in Norwegens Königshaus: Ingrid Alexandra gegen Mette-Marit
Anteil der Befragten mit großem oder ziemlich großem Vertrauen
Ein Abstand jenseits jeder Fehlermarge
Die Zweifel sind breit: 31 Prozent der Befragten bringen Mette-Marit nur „ziemlich wenig oder sehr wenig“ Vertrauen entgegen, weitere 31 Prozent antworten „weder noch“. Auf der Gegenseite stehen die 35 Prozent, die ihr großes oder ziemlich großes Vertrauen entgegenbringen.
„Das ist ein bemerkenswerter Unterschied, der weit außerhalb der Fehlermargen liegt.“
Terje Sørensen, Zahlenanalyst bei TV 2, nennt den Unterschied „aufsehenerregend“. Über die Kronprinzessin sagt er: „Sie ist schlichtweg extrem beliebt.“ Für ihn sind 73 Prozent fast so viele wie der Anteil jener, die die Monarchie als Staatsform wünschen – in Norwegen, wo zuletzt Norwegens Monarchie erreicht 77,6 Prozent Zustimmung gemessen wurde.
Auffällig ist, wie wenige Norweger unentschieden sind. Bei der Frage, wer Ministerpräsident werden soll, wissen laut TV 2 rund 30 Prozent keine Antwort; bei Ingrid Alexandra und Mette-Marit sind es nur drei bis vier Prozent. „Das zeigt, dass dies ein Thema ist, das die Menschen bewegt. Dazu hat so gut wie jeder eine Meinung“, sagt Sørensen.
Drei Lasten drücken die Königin
Die Belastungen für Mette-Marit sind vielfältig. Sie leidet an einer unheilbaren Lungenfibrose, stand 2026 auf der Transplantationsliste und konnte nach der Operation nur eingeschränkt öffentliche Aufgaben wahrnehmen. Der TV-2-Königshausexperte Ole-Jørgen Schulsrud-Hansen hält es dadurch für erschwert, dass die Königin neues Vertrauen aufbaut.
Im Januar 2026 wurden ihre jahrelangen privaten Kontakte zu dem überführten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66) bekannt. Damals waren Mette-Marits Umfragewerte nach den Epstein-Dokumenten eingebrochen: Nur 22,6 Prozent gaben an, großes oder ziemlich großes Vertrauen in sie als künftige Königin zu haben.
Der Anstieg auf nun 35 Prozent gilt den Beobachtern deshalb als Erholung auf niedrigem Niveau. Die Debatte über ihre Eignung als Königin war nach den Enthüllungen neu entfacht. Auch ihr Sohn aus früherer Beziehung belastet die Familie: Marius Borg Høiby wurde im Juni 2026 in erster Instanz unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen und Misshandlung in einer nahen Beziehung verurteilt. Das Urteil ist teilweise angefochten und damit nicht rechtskräftig.
Von den Epstein-Enthüllungen bis zur Vertrauensumfrage
- Januar 2026Epstein-Kontakte werden bekannt
Private E-Mails zwischen Mette-Marit und Jeffrey Epstein entfachen eine Debatte über ihre Eignung als künftige Königin. Ihr Vertrauenswert fällt auf 22,6 Prozent.
- Juni 2026Urteil gegen Marius Borg Høiby
Mette-Marits Sohn wird erstinstanzlich unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
- 28. August 2026König Harald V. stirbt
Der König stirbt im Alter von 89 Jahren. Haakon wird König, Mette-Marit Königin, Ingrid Alexandra rückt zur Kronprinzessin auf.
- 2. September 2026Beginn der Feldzeit
Verian startet die Befragung von 985 landesweit repräsentativ ausgewählten Personen im Auftrag von TV 2.
- 8. September 2026Ende der Feldzeit
Die Datenerhebung wird abgeschlossen.
- 9. September 2026Staatsbegräbnis von Harald V.
Ingrid Alexandra tröstet öffentlich sichtbar ihren Bruder Prinz Sverre Magnus – ein in Norwegen als vertrauensbildend beschriebener Moment.
- 12. September 2026TV 2 veröffentlicht die Umfrage
Unter dem Titel „Ekstremt populär“ werden 73 Prozent für Ingrid Alexandra und 35 Prozent für Mette-Marit bekannt.
Warum die Thronfolgerin davonzieht
Der Historiker und TV-2-Königshausexperte Ole-Jørgen Schulsrud-Hansen zeigt sich nicht überrascht: „Ich bin nicht überrascht über die Zahlen der Kronprinzessin“, sagt er. Die Aufmerksamkeit für sie sei in den vergangenen Wochen „massiv und durchweg positiv“ gewesen. In der deutschen Berichterstattung heißt es, die Thronfolgerin habe in zwei Wochen einfach zu viel richtig gemacht.
Als Erklärung gilt vor allem ihr früherer Wehrdienst beim norwegischen Militär, der bei der Bevölkerung gut angekommen ist. Beim Staatsbegräbnis ihres Großvaters am 9. September tröstete sie öffentlich sichtbar ihren Bruder Prinz Sverre Magnus. Auch die als ungezwungen und zugleich stilvoll beschriebene Begegnung mit Fußballstar Erling Haaland in der Kabine prägte ihr Bild.
Nach einem Auslandsjahr an einer australischen Universität setzte Ingrid Alexandra ihr Studium in Oslo fort, um ihren wachsenden Pflichten in der Heimat nachkommen zu können. Deutsche Medien berichten über Ingrid Alexandras Rückhalt beim Volk und lesen die Umfrage als Bestätigung dieses Kurses.
Ein Königshaus im Umbruch
Der Beliebtheitssprung fällt in eine Zäsur. König Harald V. starb am 28. August 2026 im Alter von 89 Jahren; sein Sohn Haakon folgte ihm auf den Thron, an dessen Seite Mette-Marit offiziell Königin wurde. Ingrid Alexandra rückte damit zur Kronprinzessin auf.
Wie umstritten Mette-Marits neue Rolle war, zeigte sich vor dem Thronwechsel: Offen wurde diskutiert, ob sie den Anforderungen des Amtes überhaupt gewachsen sei. Zugleich will das Parlament eine Verfassungslücke schließen – Ingrid Alexandra soll Regentin werden, sollte ihr Vater ausfallen.
Sollte Ingrid Alexandra ihrem Vater einst auf den Thron folgen, wäre sie die erste regierende Königin Norwegens seit mehr als sechs Jahrhunderten.
Schulsrud-Hansen traut Mette-Marit dennoch einen Aufstieg zu: „Die Königin kann mit der Zeit Vertrauen und Popularität aufbauen, aber das wird natürlich durch die aktuelle Gesundheitslage erschwert.“ Ein Aufschließen oder Überholen ihrer Tochter hält er derzeit für nicht möglich. Ob sie aufholt, entscheidet sich damit zuerst an ihrer Gesundheit – und daran, ob sie wieder regelmäßig öffentliche Aufgaben übernehmen kann.
