Ukrainische Drohnen treffen Rosneft-Raffinerie in Syzran
Bild: KI-generiert
Krieg in der Ukraine

Ukrainische Drohnen treffen Rosneft-Raffinerie in Syzran

Ukrainische Drohnen treffen in der Nacht zum 15. September die Rosneft-Raffinerie Syzran – einen Tag nach Trumps Ankündigung einer Energie-Waffenruhe. Moskau meldet 40 abgeschossene Drohnen, Kiew verlangt Garantien. Eine Einigung gibt es nicht.

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Ein Tag nach Donald Trumps verkündeter Energie-Waffenruhe steht die Syzran-Raffinerie des russischen Staatskonzerns Rosneft in Flammen. In der Nacht zum 15. September trafen ukrainische Drohnen und Raketen mehrere Ziele tief im russischen Hinterland – im Zentrum der Angriffe die Ölraffinerie in der Region Samara an der Wolga, mehr als 800 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte bestätigte einen Volltreffer mit anschließendem Brand. Nach seinen Angaben wurden die primäre Rohöl-Verarbeitungseinheit AVT-6 und der Tanklagerbereich getroffen. Die Anlage erzeuge Benzin, Diesel, Flugkraftstoff und weitere Erdölprodukte und versorge auch die russischen Streitkräfte.

Nach Darstellung der ukrainischen Spezialkräfte führten deren Tiefschlag-Einheiten die Operation gemeinsam mit den Unbemannten Systemkräften und dem ukrainischen Sicherheitsdienst SBU durch; mehrere Drohnen hätten ihre Ziele erreicht.

Mehr als drei Prozent der russischen Raffineriekapazität

Die Raffinerie Syzran gehört zu PJSC Rosneft und hat eine jährliche Verarbeitungskapazität von rund 8,5 bis 8,9 Millionen Tonnen Rohöl – mehr als drei Prozent der gesamten russischen Raffineriekapazität. Sie produziert rund 800.000 Tonnen Benzin und 1,5 Millionen Tonnen Diesel pro Jahr sowie Flugkraftstoff und Bitumen.

Jahresproduktion der Raffinerie Syzran

Rohöl-Verarbeitung 8,5 bis 8,9 Millionen Tonnen, dazu Diesel und Benzin

Quelle: Militarnyi / Kyiv Post

Beliefert werden die Regionen Samara, Saratow und Pensa sowie Teile Zentralrusslands. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs versorgt die Anlage zudem Flugplätze und Militäreinheiten der russischen Militärbezirke Zentral und Süd.

Ein Ziel mit Vorgeschichte

Syzran ist seit Monaten ein wiederkehrendes Ziel ukrainischer Drohnen. Am 12. Juli 2026 wurden die Destillationseinheiten AVT-5 und AVT-6 schwer beschädigt und mehrere Rohrbrücken zerstört; am 4. August und in der Nacht zum 8. August folgten weitere Angriffe mit Bränden. Satellitendaten zeigten damals Schäden an mehreren Schlüsseleinheiten.

Am 7. September bestätigte die Ukraine Angriffe auf Raffinerien in Rjasan, Perm und Tatarstan. Einem Bericht über die Brände an der Raffinerie Syzran zufolge brannten zunächst drei getrennte Stellen des Komplexes; am frühen Morgen brannte noch eine, während aus drei Stellen dichte Rauchsäulen aufstiegen.

Aus russischen Behördenkreisen wurde der Standort der getroffenen Anlage offiziell nicht benannt. Die Identifizierung als Syzran-Raffinerie stützt sich auf Angaben des ukrainischen Generalstabs und Präsident Selenskyjs, auf die Überwachungskanäle Supernova+ und Exilenova+ sowie auf die Auswertung von Augenzeugen-Videos durch das Portal ASTRA.

Angriffe auf die Raffinerie Syzran 2026

  1. 21. Mai 2026
    Anlage vorübergehend stillgelegt

    Ein ukrainischer Drohnenangriff legt die Syzran-Raffinerie nach Angaben von Reuters-Quellen zeitweise still.

  2. 12. Juli 2026
    AVT-5 und AVT-6 schwer beschädigt

    Ukrainische Drohnen zerstören mehrere Rohrbrücken an der Anlage.

  3. 4. August 2026
    Erneuter Angriff, Brand und dichter Rauch
  4. 8. August 2026
    Schäden an mehreren Schlüsseleinheiten

    Satellitendaten zeigen Schäden nach dem Angriff in der Nacht zuvor.

  5. 13. September 2026
    Trump fordert ein Ende der Angriffe

    Der US-Präsident verlangt von der Ukraine, die Angriffe auf die russische Diesel-Infrastruktur zu beenden, weil die Knappheit „der Welt schade“.

  6. 14. September 2026
    Trump verkündet eine Energie-Waffenruhe

    Kiew und Moskau bestätigen die Darstellung nicht.

  7. 15. September 2026
    Treffer an Syzran, in Taganrog und im Schwarzen Meer

    Der ukrainische Generalstab meldet einen Brand an AVT-6 und am Tanklager; Gouverneur Fedorischtschew meldet mehr als 40 abgeschossene Drohnen und keine Opfer.

Moskau meldet mehr als 40 abgeschossene Drohnen

Der Gouverneur der Region Samara, Wjatscheslaw Fedorischtschew, meldete über seinen Telegram-Kanal und die Nachrichtenagentur Tass, über dem Gebiet seien mehr als 40 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. „Beschädigt wurde eine der Industrieanlagen sowie mehrere Wohngebäude“, so Fedorischtschew. In mehreren Wohngebäuden seien Fenster zerborsten; den Standort der Anlage nannte er nicht. Todesopfer habe es nicht gegeben, der Luftraum über der Region sei während des Angriffs gesperrt gewesen.

In derselben Nacht richteten ukrainische Raketen in der südrussischen Hafenstadt Taganrog erheblichen Schaden an. Der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, meldete Beschädigungen an einem Logistikzentrum des Online-Händlers Ozon, an fünf Wohngebäuden, drei Privathäusern, einem Bildungsgebäude, einem Handelsgebäude, einem Supermarkt, landwirtschaftlichen Lagerhallen und einer Gasleitung. „Nach vorläufigen Informationen gibt es keine Todesfälle oder Verletzungen.“

Sljussar zufolge wurden mehr als 30 Raketen und Drohnen abgefangen, betroffen waren Taganrog und neun weitere Kreise – darunter Millerowo mit einem russischen Militärflugfeld, das wiederholt Ziel ukrainischer Angriffe war. Der ukrainische Generalstab präzisierte später, Ziel sei die Einrichtung Atlant Aero gewesen, wo Explosionen und ein Brand registriert worden seien. Atlant Aero stellt unbemannte Luftfahrzeuge und Komponenten her, darunter die Angriffs- und Aufklärungsdrohne Molniya und Bauteile für die Orion-Drohne.

Erste Meldungen hatten das Beriewer Flugzeugwerk genannt, eine wichtige russische Reparatur- und Wartungseinrichtung für Militärflugzeuge. OSINT-Analysten berichteten, zum Zeitpunkt des Angriffs hätten dort russische Militärmaschinen zur Reparatur gestanden.

Der Streit um die Energie-Waffenruhe

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angriffe im russischen Hinterland und nannte neben Syzran und Taganrog zusätzlich einen Drohnen-Vorbereitungs- und -Startplatz in der Region Orjol sowie Ziele im Schwarzen Meer. „Russland greift weiter unseren Energiesektor, die reguläre Logistik und kritische Infrastruktur an. Und unsere Antworten darauf sind spürbar“, so Selenskyj. Die Angriffe auf Einrichtungen der russischen Rüstungsindustrie bezeichnete er als wirksame „Langstrecken-Sanktionen“.

Am Montag, dem 14. September, hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, beide Länder wollten auf Angriffe gegen Energieanlagen verzichten – Kiew und Moskau bestätigten das nie. Selenskyj sprach von einem „starken Vorschlag“ der USA und erklärte, die Ukraine sei zu einem Verzicht auf Angriffe auf russische Raffinerien bereit, wenn die Partner garantieren könnten, dass Russland ebenso die ukrainische Energieinfrastruktur verschone. Eine formelle Zustimmung zu Trumps Darstellung wies er zurück; ein Abkommen müsse verlässlich und langfristig sein.

Der Kreml nannte Trumps Vorstoß am 15. September eine „gute Idee“ – und verband das Lob mit Bedingungen. Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Moskau sei mit den Amerikanern in Kontakt; zugleich dürften nicht nur Angriffe auf russische Raffinerien unterbleiben, Russland müsse sein Öl auch ungehindert exportieren können. Kiew sei aber nicht bereit, eine sichere Schifffahrt zu garantieren.

Wir haben die Veröffentlichung von Präsident Trump gesehen. Wir erachten das als eine gute Idee, eine gute Initiative.
Dmitri Peskow, Sprecher des Kreml

Nach Informationen der Financial Times ist Russlands Präsident Wladimir Putin nicht gewillt, vor dem Winter einer gegenseitigen Einstellung der Angriffe auf Energieinfrastruktur zuzustimmen, weil anhaltende Angriffe Kyjiw unter Druck setzen könnten. Moskau und Kyjiw hätten Gespräche über eine mögliche Energie-Waffenruhe wieder aufgenommen – ohne Einigung.

Kyjiw zahlt in derselben Nacht

In derselben Nacht griff Russland die ukrainische Hauptstadt Kyjiw mit Drohnen an und traf erneut Tankstellen. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete mehrere Verletzte – nach Angaben der Kyjiwer Militärverwaltung mindestens acht, zwei davon schwer – und später den Tod eines Verletzten im Krankenhaus.

Ein Lagerhaus im Bezirk Obolon und Gebäude im Bezirk Solomjanka wurden beschädigt. Das russische Verteidigungsministerium meldete zudem einen Angriff auf zwei Schiffe im Schwarzen Meer; in Saporischschja wurde ein Mensch getötet, in der Region Odessa setzten russische Angriffe ein Lagerhaus in Brand.

Die anhaltenden Angriffe zeigen Marktwirkung: Nach Berechnungen zur gedrosselten Dieselproduktion russischer Raffinerien hat die Hälfte der sechs größten Anlagen – Omsk, Kirischi, Taneco, Wolgograd, NORSI und Perm – ihre Produktion im September deutlich gedrosselt oder ganz eingestellt.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurde 2026 bis Ende August im Durchschnitt alle drei Tage eine russische Raffinerie erfolgreich getroffen. Kirischi steht vollständig still, Wolgograd und NORSI arbeiten nur noch mit etwa einem Viertel ihrer Nennkapazität; in über 30 Regionen ist Benzin rationiert – Moskau rationiert Benzin nach den Raffinerietreffern. Ob Putin vor dem Winter einlenkt, ist offen.

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