NATO schießt erstmals Drohne über Litauen ab – mit Sprengsatz an Bord
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Luftraumverletzung

NATO schießt erstmals Drohne über Litauen ab – mit Sprengsatz an Bord

Zwei italienische Eurofighter schießen in der Nacht zum 15. September eine Drohne über Litauen ab – der erste Abschuss dieser Art überhaupt. Später bestätigt Verteidigungsminister Kaunas, dass an Bord ein Sprengsatz war; die Herkunft ist unklar, die Spur führt nach Belarus.

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Erstmals haben NATO-Kampfjets eine Drohne über litauischem Territorium abgeschossen. An Bord des Flugobjekts war nach Angaben der litauischen Regierung ein Sprengsatz.

Zwei italienische Eurofighter Typhoon waren in der Nacht zum Dienstag, dem 15. September 2026, vom Militärflughafen Šiauliai im Norden Litauens gestartet. Sie holten die Drohne im Rahmen der NATO-Mission Baltic Air Policing vom Himmel – laut dem Bericht über den ersten Abschuss über Litauen der erste Drohnenabschuss über dem baltischen Staat überhaupt.

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Eine Drohne, die heute Nacht den Luftraum Litauens verletzt hat, wurde von #NATO-Kampfjets schnell abgeschossen. Aufrichtiger Dank an unsere Verbündeten, deren Präsenz hilft, unseren Luftraum zu schützen und unsere Sicherheit zu stärken. Dies ist das beste Beispiel für die Einheit und Entschlossenheit der Verbündeten in Aktion - ein klares Signal, dass die NATO wachsam, engagiert und bereit ist.

X · @BudrysKestutis

Koordiniert wurde der Einsatz vom Luftoperationszentrum der NATO im niederrheinischen Uedem. Die Behörden lösten zunächst Luftalarm für die Regionen Vilnius, Trakai und Elektrėnai aus, später wurde die Warnung auf Kaunas ausgeweitet und anschließend wieder aufgehoben. Verletzte oder Schäden gab es nicht.

Vilmantas Vitkauskas, Leiter des Nationalen Krisenmanagementzentrums, sagte, die Drohne habe sich etwa eine halbe Stunde im litauischen Luftraum aufgehalten und sei entlang der Ränder besiedelter Gebiete geflogen. Abgeschossen wurde sie nahe dem Dorf Pratkūnai im Bezirk Kaišiadorys, unweit des Pumpspeicherkraftwerks Kruonis und rund fünf Kilometer von einem Wasserkraftwerk entfernt.

Anwohner berichteten dem litauischen Sender LRT von Explosionen, Militärflugzeugen und Blitzlichtern. Eine Überwachungskamera eines Gehöfts im Dorf Rūčkakiemis, ein bis zwei Kilometer von Pratkūnai entfernt, filmte um 00:19 Uhr den Abschuss: Wenige Sekunden später war ein Leuchtstreifen zu sehen, kurz darauf ein Blitz und brennende Trümmer.

Sprengsatz an Bord

Am Nachmittag des 15. September teilte Verteidigungsminister Robertas Kaunas mit, an der Drohne sei ein Sprengsatz entdeckt und von Bombenentschärfern neutralisiert worden. Die Operation „Skydas“ („Schild“) sei damit abgeschlossen, das Wrack werde weiter analysiert – wie der Bericht über den Sprengsatz an der Drohne zeigt.

Operation „Skydas“ wurde abgeschlossen. Nach den abschließenden Feststellungen wurde ein Sprengsatz entdeckt. Bombenentschärfer haben ihn neutralisiert.
Robertas Kaunas, Verteidigungsminister Litauens

Der Befund bestätigt, was litauische Vertreter zuvor nur vorsichtig formuliert hatten. Zwei hochrangige Vertreter erklärten, das Flugobjekt trage wahrscheinlich Sprengstoff; der Kommandeur der Luftwaffe, Antanas Matutis, sprach von einem gefundenen Wrack.

Die Trümmerteile wurden nach Armeeangaben über Nacht geborgen, das Gebiet wurde von Militärpolizei und Spezialkräften abgesperrt und gesichert. Nach ersten Berichten lagen auch Reste von Sperrholz verstreut.

Verdacht gegen Belarus

Die Herkunft der Drohne ist weiter unklar. Nach ersten Erkenntnissen flog sie wahrscheinlich vom Gebiet von Belarus nach Litauen ein. Vitkauskas sagte im litauischen Rundfunk, die Drohne sei höchstwahrscheinlich aus dem Nachbarland gekommen.

Außenminister Kęstutis Budrys kündigte an, Litauen werde eine diplomatische Note an Minsk übergeben und sich mit den Verbündeten beraten. In allen Fällen von Luftraumverletzungen erstelle man eine Note und übergebe sie dem Land, aus dem das Flugzeug oder ein anderes Objekt eingedrungen sei – in diesem Fall spreche man von Belarus. Weitere Schritte folgten, sobald die Untersuchung der Trümmer abgeschlossen sei.

Verteidigungsminister Kaunas blieb zurückhaltend: Erst wenn die Flugroute nachverfolgt sei, lasse sich eindeutig feststellen, ob es eine russische Drohne war – möglicherweise eine Provokation – oder eine Verteidigungsdrohne eines anderen Landes. Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad und an Belarus, einen engen Verbündeten Moskaus.

Der litauische Militärgeheimdienst hat nach Regierungsangaben Informationen, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte. Die Behörden betonten, vor Abschluss der Untersuchung keine Schlussfolgerungen zu ziehen.

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Serie von Vorfällen an der Ostflanke

Der Abschuss ist Teil einer Serie von Zwischenfällen mit Drohnen und anderen Flugobjekten im NATO-Luftraum. Die italienischen Eurofighter in Šiauliai hatten bereits am 14. August 2026 eine aus Belarus in den lettischen Luftraum eingeflogene Drohne abgeschossen. Im Mai 2026 schoss eine rumänische F-16 eine mutmaßlich ukrainische Drohne über Estland ab.

Erst am Sonntag, dem 13. September 2026, war nach litauischen Angaben ein mutmaßliches Flugobjekt aus Belarus in den litauischen Luftraum eingedrungen und anschließend in die russische Exklave Kaliningrad weitergeflogen; ein Drohnenalarm führte zur zeitweisen Schließung des Flughafens Vilnius.

Am selben Tag traf eine russische Drohne die Lokomotive eines Passagierzugs von Kiew nach Warschau kurz vor der polnischen Grenze – wie der Bericht über den Drohnentreffer auf den Zug zeigt. Bereits im August kreisten rund 25 NATO-Maschinen stundenlang vor Kaliningrad.

Polen meldete am Montag, eine russische Militärdrohne aus der Ostsee geborgen zu haben, und kündigte präventive Lufteinsätze an. Dänemark berichtete, eine russische Fregatte habe Leuchtraketen auf einen dänischen Militärhubschrauber gefeuert, der Aufklärungsfotos über der Ostsee machte; das Land bestellte den russischen Botschafter ein.

Vorfälle und Reaktionen seit dem 13. September

  1. 13.09.2026
    Flugobjekt aus Belarus über Litauen

    Ein mutmaßliches Flugobjekt dringt in den litauischen Luftraum ein und fliegt nach Kaliningrad weiter; Drohnenalarm schließt den Flughafen Vilnius zeitweise.

  2. 14.09.2026
    Rutte warnt vor wachsender Rücksichtslosigkeit

    NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagt in Brüssel, Angriffe nahe NATO-Territorium zeigten Putins Verzweiflung und seinen Wunsch, Angst und Schrecken zu säen.

  3. 15.09.2026, nachts
    Erster Drohnenabschuss über Litauen

    Zwei italienische Eurofighter holen eine Drohne nahe Pratkūnai vom Himmel; Luftalarm in Vilnius, Trakai, Elektrėnai und Kaunas.

  4. 15.09.2026, vormittags
    Verdacht gegen Belarus

    NKVC-Chef Vitkauskas erklärt, die Drohne sei wahrscheinlich aus Belarus gekommen; Außenminister Budrys kündigt eine diplomatische Note an Minsk an.

  5. 15.09.2026, nachmittags
    Sprengsatz bestätigt

    Verteidigungsminister Kaunas teilt mit, ein Sprengsatz sei entdeckt und neutralisiert worden. Präsident Nausėda beruft den Nationalen Sicherheitsrat ein.

  6. 16.09.2026
    Sicherheitsrat tagt

    Der Nationale Sicherheitsrat berät; die Untersuchung der Trümmer zur Klärung von Herkunft und Typ der Drohne dauert an.

Reaktionen und nächste Schritte

Präsident Gitanas Nausėda dankte den Einsatzkräften der Allianz und berief für Mittwoch, den 16. September 2026, eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein. Der litauische Armeechef, General Raimundas Vaikšnoras, brachte den Vorfall mit Russlands Krieg gegen die Ukraine in Verbindung.

Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion. Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen.
Gitanas Nausėda, Präsident Litauens

Bundesaußenminister Johann Wadephul sagte am Rande eines Besuchs der Vereinten Nationen in Genf, man werde sich konsequent gegen Verletzungen der Souveränität zur Wehr setzen: „Wir sehen erneut Feindseligkeiten von russischer Seite gegen NATO-Verbündete.“ Es zeige sich einmal mehr, dass Russland versuche, zu spalten und zu verunsichern. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die jüngsten Vorfälle in Europa nicht isoliert, sondern Teil eines umfassenderen Musters russischer Aggression und Provokation.

Deutschland ist über das Luftoperationszentrum Uedem unmittelbar an der Koordination des Abschusses beteiligt und baut in Litauen eine Panzerbrigade mit 4.800 Soldaten auf, die bis 2027 voll einsatzfähig sein soll.

Wem die Drohne gehörte, ist weiter offen. Litauische Behörden und NATO untersuchen die Trümmer; Ergebnisse nannten sie bislang nicht. Unklar blieben auch der Drohnentyp und das Abfangwaffensystem der italienischen Eurofighter – am Mittwoch tagt dazu der Nationale Sicherheitsrat.