Sikorski: Nato würde Russland schnell besiegen – Kreml droht Polen
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Eskalation

Sikorski: Nato würde Russland schnell besiegen – Kreml droht Polen

Polens Außenminister Radosław Sikorski sagt in Kiew, die Nato würde Russland bei einem Angriff „ziemlich schnell besiegen“. Moskau antwortet mit Spott über „gehirnwaschende Russophobie“ – und mit der Drohung, Warschau werde binnen zwei oder drei Tagen aufhören zu existieren.

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Warschau würde „innerhalb von zwei oder drei Tagen aufhören zu existieren“ – mit dieser Drohung antwortet der Kreml auf einen Satz, den Polens Außenminister Radosław Sikorski in Kiew gesagt hat. Sikorski erklärte dort, die Nato würde Russland bei einem Angriff „ziemlich schnell besiegen“.

Sikorski sprach am 12. September 2026 auf der 22. Jahreskonferenz der Yalta European Strategy (YES) in Kiew. Das Treffen stand unter dem Motto „Peace Through Strength NOW!“ und brachte nach Angaben der Organisatoren mehr als 700 Politiker, Diplomaten und Militärs aus 28 Ländern zusammen. Auf die Frage nach den Folgen eines russischen Angriffs sagte er:

Wenn Russland uns angriffe und wir alle Register zögen, würden wir Russland meiner Meinung nach ziemlich schnell besiegen. Wir verfügen über eine erdrückende Überlegenheit gegenüber Russland bei den Luftstreitkräften. General, korrigieren Sie mich, wenn ich falschliege, aber es sind so etwas wie 2.500 Flugzeuge.
Radosław Sikorski, Außenminister Polens

Wichtig ist die Unterscheidung: Sikorski sprach nicht über einen polnischen Alleingang, sondern über einen Krieg zwischen Russland und der Nato. Die Zahl von rund 2.500 Flugzeugen bezog sich damit auf die gebündelte Luftmacht des Bündnisses, nicht auf die polnische Luftwaffe.

Dass er die Nato meinte und nicht Polen allein, hält die Auswertung der Kiewer Aussage fest. Genau diese Unterscheidung ging in der russischen Darstellung verloren – dort wurde aus dem Nato-Satz ein polnischer Siegesanspruch.

Aus Moskau erst Spott, dann eine Existenzdrohung

Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, nannte Sikorskis Äußerung am 13. September auf Telegram „gehirnwaschende Russophobie“. Sie behauptete, der polnische Minister habe einen schnellen polnischen Sieg über Russland angekündigt – eine Version, die russische Staatsmedien verbreiteten und die Sikorskis Worte aus dem Zusammenhang reißt.

Einen Tag später wurde es schärfer. Der Putin-Berater Nikolai Patruschew, früher Sekretär des russischen Sicherheitsrates, sagte der Zeitung Argumenty i Fakty: „Wenn Polen militärische Handlungen gegen Russland beginnt, wird unser Land das gesamte ihm zur Verfügung stehende Arsenal an Kräften und Mitteln einsetzen, und Warschau wird innerhalb von zwei oder drei Tagen aufhören zu existieren.“

Patruschew warf Sikorski zugleich vor, die russischen Fähigkeiten „amateurhaft“ einzuschätzen, und behauptete, Russland schöpfe sein militärisches Potenzial in der Ukraine nicht aus. Ob er Kernwaffen meinte, ließ er offen. Damit steht Sikorskis konventionelle Überlegenheitsrechnung gegen die Existenzdrohung gegen einen Nato-Staat.

Polen hat 75 bis 80 Kampfflugzeuge, Russland 300

Die Zahlen liegen weit auseinander – und betreffen zwei verschiedene Größenordnungen. Polen verfügt über etwa 75 bis 80 Kampfflugzeuge: F-16 und FA-50, verbliebene MiG-29 und erste F-35. Russland stellt rund 300 Kampfflugzeuge unterschiedlicher Muster. Die 2.500 Maschinen aus Sikorskis Satz sind die gebündelte Luftmacht des Bündnisses.

Kampfflugzeuge: Polen, Russland und die Nato im Vergleich

Für Polen nennt das Dossier 75 bis 80 Maschinen, im Balken steht der obere Wert; die Nato-Zahl ist Sikorskis eigene Angabe.

Quelle: Kyiv Post, RBC-Ukraine (Stand September 2026)

Sikorski ging noch weiter. Zur russischen Energieinfrastruktur sagte er: „Wenn die Ukrainer innerhalb von sechs Monaten die Hälfte der russischen Raffineriekapazitäten außer Betrieb genommen haben, könnten wir das in sechs Wochen schaffen und den Rest zerstören.“ Ukrainische Drohnen treffen russische Raffinerien seit Monaten – Selenskyj bestätigte Anfang September Angriffe auf Raffinerien in Rjasan, Perm und Tatarstan.

Der Anlass: Drohne trifft Zug zwei Kilometer vor Polen

Auslöser war der russische Angriff in der Nacht zum 13. September 2026. Gegen 5 Uhr traf eine Drohne die Lokomotive eines Personenzugs von Kiew nach Warschau am Grenzbahnhof Jahodyn in der Region Wolhynien, rund zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. An Bord waren 206 bis 208 Fahrgäste; verletzt wurde niemand.

Die Überwachungsgruppe warnte das Zugpersonal vorab, der Zug stand danach rund sechs Stunden still. Fast zeitgleich schlug eine zweite Drohne am Grenzübergang Dorohusk – Jahodyn in eine Tankstelle ein – zwei Menschen wurden verletzt, der Übergang wurde zeitweise geschlossen, wie der Bericht zum Drohnentreffer an der Grenze festhält. In der Nacht starben mindestens sechs Menschen in der Ukraine, mehr als 40 wurden verletzt.

Kurz vor dem Einschlag hatte ein Diplomatensonderzug denselben Bahnhof verlassen, absichtlich früher als geplant – mit Ex-Premier Boris Johnson, Ex-Premier Carl Bildt, Ex-CIA-Chef David Petraeus und Günter Sautter, Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz, an Bord. Die Bahngesellschaft hält es für „höchst wahrscheinlich“, dass der Drohne dieser Zug galt.

Johnson sagte anschließend: „Ich weiß nicht, welche verdrehte Logik Putin dazu trieb, heute Morgen eine stehende ukrainische Lokomotive an der polnischen Grenze in die Luft zu jagen.“

Von Kiew nach Moskau: die Eskalation in vier Tagen

  1. 11. September 2026
    Sikorski reist mit dem Zug nach Kiew

    Auf der YES-Konferenz fordert er aggressive Nato-Manöver nahe der russischen Exklave Kaliningrad, um russische Kräfte aus der Ukraine abzuziehen.

  2. 12. September 2026
    Sikorski: Die Nato würde Russland schnell besiegen

    In einer Diskussion verweist er auf eine „erdrückende Überlegenheit“ in der Luft und auf sechs Wochen für die Zerstörung der russischen Raffineriekapazität.

  3. 13. September 2026
    Drohne trifft Zug am Grenzbahnhof Jahodyn

    206 bis 208 Fahrgäste sind an Bord, niemand wird verletzt. Kurz zuvor ist ein Diplomatensonderzug mit westlichen Politikern abgefahren.

  4. 13. September 2026
    Moskau spricht von „gehirnwaschender Russophobie“

    Außenministeriumssprecherin Sacharowa behauptet, Sikorski habe einen polnischen Sieg angekündigt. Polens Premier Tusk beruft eine Krisensitzung ein.

  5. 14. September 2026
    Patruschew droht Warschau mit der Vernichtung

    Der Putin-Berater sagt der Zeitung Argumenty i Fakty, Warschau werde innerhalb von zwei oder drei Tagen aufhören zu existieren.

Warschau beruft den Krisenstab ein

In Warschau löste der Vorfall Alarm aus. Ministerpräsident Donald Tusk berief am Nachmittag des 13. September eine Krisensitzung mit Ministern, Militär und Sicherheitsdiensten ein: „Die Eskalation der Handlungen der Russischen Föderation wird zur Tatsache, und die Beispiele dafür kommen immer näher an unsere Grenze.“ Er könne nicht ausschließen, dass die Eskalation polnisches Territorium erreiche.

Als Szenario nannte Tusk Versuche Moskaus, ukrainische Grenzübergänge zu desorganisieren oder zu zerstören, und verwies auf frühere russische Versuche in Moldau. Russland setze nun düsengetriebene Drohnen ein, deren Reichweite und Genauigkeit „besorgniserregend“ seien.

Sikorski schrieb am 13. September, Putin eskaliere, und trat in Kiew mit dem ukrainischen Außenminister Andrii Sybiha vor die Presse. Sybiha nannte die Angriffe an der Grenze „Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato klopft“. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sieht darin eine Abschreckungstaktik: Der Westen müsse zeigen, „dass wir für die Ukraine da sind und keine Angst haben“.

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Warschau kündigte an, Verbündete für eine koordinierte Reaktion zu gewinnen. Eine formale Nato-Antwort auf Sikorskis Vorstoß gab es bis Redaktionsschluss nicht – offen ist, ob und wann das Bündnis auf die Drohung aus Moskau reagiert.