Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil liegen 28 Jahre – auf der Leinwand ist davon kaum etwas zu sehen. Sandra Bullock (62) und Nicole Kidman (59) spielen noch einmal die Hexenschwestern Sally und Gillian Owens, und genau ihr jugendliches Aussehen ist der Streitpunkt des Films.
Am 10. September 2026 kam „Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern“ in die deutschen Kinos. Diskutiert wird seither weniger über die Handlung als über die Gesichter der beiden Hauptdarstellerinnen: Wurde nachgeholfen, und wenn ja, mit welcher Technik?
Das Produktionsteam bestreitet eine digitale Glättung für die Gegenwartsebene des Films und verweist auf professionelles Make-up und Spezialeffekte. Bestätigt ist der Einsatz von De-Aging-Technik – allerdings nur für eine kurze Rückblende zu Beginn, die Sally und Gilly zur Zeit des Originals zeigt.
Alter der Darstellerinnen: 1998 gegen 2026
Bei den Tanten der Owens-Schwestern waren Channing und Wiest 1998 jünger als Bullock und Kidman heute
Was das Team bestätigt – und was nicht
Für diese Rückblende wurden Bullock und Kidman in ihre frühen 30er zurückversetzt. Bullocks Make-up-Artistin Whitney James sagte, für diese Szene habe man sich nicht allein auf digitale Filter verlassen können: Das Make-up blieb bewusst clean und minimal, ergänzt durch dünnere Brauen und einen frischeren Teint.
Für die Gegenwartsebene verweisen die Beauty-Teams auf Handwerk: Kidmans Perücke wurde mit mehr Volumen, Textur und Highlights neu angefertigt, ihr Make-up setzt auf Beige- und Goldtöne und lilafarbene Akzente. Bullocks Look ist natürlicher und matter, ihre Haare sind strenger zurückgenommen. Eine digitale Nachbearbeitung der Gegenwartsbilder ist nicht bestätigt.
28 Jahre, die die Handlung nicht kennt
Im Original von 1998 war Kidman 31 und Bullock 34 Jahre alt, in der Fortsetzung sind sie 59 und 62. Die Frisuren sind nahezu identisch, die Figuren unterscheiden sich kaum. Kidman trägt wie vor fast 30 Jahren eine rote Perücke und spielt die Quirlige, Bullock die vernünftige, verantwortungsbewusste Mutter zweier Töchter.
Zwischen beiden Filmen liegen real 28 Jahre, in der Handlung der Owens-Schwestern aber nur etwa zehn. Sallys Töchter Kylie und Antonia sind in der Fortsetzung erwachsen – gespielt von Joey King und Maisie Williams, während die Original-Darstellerinnen Evan Rachel Wood und Alexandra Artrip nicht zurückkehrten.
Damit spielt eine 62-Jährige die Mutter zweier Twentysomethings – und wirkt selbst kaum älter als 1998. Eine der Töchter ist Maisie Williams, die öffentlich über ihrer eigenen Zeit nach „Game of Thrones“ gesprochen und sie als Hölle bezeichnet hat.
Von der Rückkehr der Hexen zur Altersdebatte
- 17. Dezember 1998Das Original startet in den deutschen Kinos
Sandra Bullock ist 34, Nicole Kidman 31 – sie spielen die verfluchten Hexenschwestern Sally und Gillian Owens.
- 2013Kidman räumt einen Botox-Versuch ein
Im Interview mit „La Repubblica“ sagt sie, sie habe einmal Botox ausprobiert und damit wieder aufgehört.
- 2018Spekulation nach den Oscars
Nach Bullocks Auftritt wird über Wangenfüller oder Implantate spekuliert; sie führt ihr verändertes Gesicht auf eine allergische Schwellung zurück.
- 2025Die Fortsetzung wird angekündigt
Bullock und Kidman bestätigen die Rückkehr als Owens-Schwestern.
- 10. September 2026Deutscher Kinostart von „Zauberhafte Schwestern 2“
Berichte über irritierte Zuschauer und das jugendliche Aussehen der beiden Hauptdarstellerinnen setzen die Debatte in Gang.
- 13. September 2026Platz eins zum US-Start
Rund 30 Millionen Dollar aus 4.146 Kinos – Nummer eins der Charts, gemessen am Budget aber enttäuschend.
Glattgebügelt: die Vorwürfe
Schon als die ersten Szenen veröffentlicht wurden, kam Zuschauern das junge Erscheinungsbild der Protagonistinnen komisch vor. Wie der t-online-Bericht über irritierte Zuschauer festhält, wurde die Haut der beiden als „extrem glattgebügelt“ beschrieben, auch über ihre Mimik beschwerten sich einige.
Auch das Kinoplakat geriet unter Beschuss. Fans nannten es „low budget“ und verorteten die Darstellerinnen „way down in the uncanny valley“; einige vermuteten, es sei mit KI erstellt worden. Die beiden wirkten darauf „airbrushed to heaven and back“.
Botox, Füller und eine Allergie
Zu Schönheitseingriffen halten sich Bullock und Kidman seit Jahren bedeckt. Kidman räumte 2013 im Interview mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“ ein, einmal Botox ausprobiert zu haben.
„Ich habe ein Mal Botox versucht, unglücklicherweise, aber ich habe damit aufgehört und kann mein Gesicht jetzt wieder bewegen.“
Danach verwies sie zu dem Thema nur noch auf Sonnenschutz, eine gesunde Lebensweise und Hautpflege. Konkrete Behandlungen hat sie seither nicht bestätigt – die Spekulation um ihre Gesichtszüge begleitet sie trotzdem bis heute.
Bullock präsentiert sich stets als natürliche Schönheit. Nach ihrem Auftritt bei den Oscars 2018 wurde spekuliert, ob sie Wangenfüller oder Implantate eingesetzt bekommen habe. Die Schauspielerin mit deutschen Wurzeln bestritt das und sagte dem Magazin „Instyle“, es seien die Auswirkungen einer Allergie gewesen, ihr Gesicht sei lediglich angeschwollen.
Hollywood will die 28 Jahre nicht sehen
Die Diskussion ist Teil einer größeren Debatte über Altersbilder in Hollywood. In einem Essay über das Altersbild in Hollywood fragt der Guardian, ob das Studio „Practical Magic“ überhaupt zurückgebracht hätte, wenn die 28 Jahre in den Gesichtern der Hauptdarstellerinnen sichtbar wären.
Der Text beschreibt den Widerspruch: Nostalgie braucht die vergangenen Jahrzehnte, die Schönheitskultur will sie aber nicht sichtbar werden lassen. Als Kontrast führt er Tom Cruise an, der mit 59 in „Top Gun: Maverick“ zurückkehrte, während Kelly McGillis, seine damalige Partnerin im Original, nicht zurückgeholt wurde.
Slate rechnete vor, dass Stockard Channing und Dianne Wiest 1998, als sie die Tanten der Owens-Schwestern spielten, erst 54 und 50 Jahre alt waren – jünger als Bullock und Kidman heute. Dass Frauen dieses Alters eine große Kinoproduktion anführen, ist selten; Slate hält fest, dass es nur unter der Bedingung geschieht, dass sie nicht wie typische 62- oder 59-Jährige aussehen.
Das US-Magazin Allure veröffentlichte eine Verteidigungsrede. Autorin Danielle Pergament schrieb, sie nehme an den faltenfreien Gesichtern keinen Anstoß, sondern mache sich Notizen, und fragte, in welchem Alter der Wunsch, gut auszusehen, aufhöre, Selbstfürsorge zu sein und zum Verbrechen am Feminismus zu werden.
Regie führte die dänische Oscar-Preisträgerin Susanne Bier, die zuvor mit Bullock „Bird Box“ und mit Kidman die Miniserie „Ein neuer Sommer“ gedreht hatte. Neben Stockard Channing und Dianne Wiest als Tanten sind Joey King, Maisie Williams und Lee Pace neu im Ensemble.
Inhaltlich geht es erneut um den Familienfluch, der jeden Mann tötet, in den sich eine Owens-Frau verliebt; Sallys Tochter Kylie reist nach England, wo der Fluch im 17. Jahrhundert begann. Die Kritiken fielen überwiegend schlecht aus: Der NDR nannte den Film einen misslungenen Genremix ohne Herz und Humor.
Kommerziell startete die Fortsetzung in den USA mit rund 30 Millionen Dollar von 4.146 Leinwänden und wurde damit Nummer eins der Kinocharts – sie verdrängte „Spider-Man: Brand New Day“ nach sechs Wochen von der Spitze. Gemessen am Budget und am Staraufgebot galt das Ergebnis dennoch als enttäuschend.
Wie Hollywood künftig mit dem Altern seiner Hauptdarstellerinnen umgeht, entscheidet sich nicht an diesem Film. Die nächste Produktion mit Bullock oder Kidman wird zeigen, ob die 28 Jahre weiter unsichtbar bleiben sollen – oder ob die Debatte die Besetzungspraxis erreicht.
