Frankfurt: Zwei Explosionen beschädigen Gebäude an Berger Straße und Zeil
Zwei Sprengsätze detonieren fast zeitgleich auf der Berger Straße und der Zeil. Es sind die Fälle vier und fünf einer Serie, die die Ermittler dem Phänomen „Gewalt auf Bestellung“ zurechnen.
Gegen 4.20 Uhr in der Nacht zum Donnerstag hat es in Frankfurt am Main fast zeitgleich an zwei Orten detoniert: vor dem Açaí-Café „Rio“ auf der Berger Straße im Nordend und an einem Ladenlokal auf der Zeil. Anwohner verständigten den Notruf, die Detonationen rissen Menschen in mehreren Häusern aus dem Schlaf.
Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Beide Gebäude wurden beschädigt, mehrere Fenster- und Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. Am Café „Rio“ zerstörte die Druckwelle zusätzlich die Scheibe einer Suppenbar auf der gegenüberliegenden Straßenseite, außerdem traf es die benachbarte Sparkasse und mindestens ein geparktes Auto.
Die Berger Straße wurde voll gesperrt, im Berufsverkehr staute sich der Verkehr. Am Morgen bestätigte die Polizei zwei Explosionen an der Berger Straße. Polizei und Spurensicherung waren mit starken Kräften vor Ort, eine Polizeisprecherin sagte, man sei wegen der laufenden Ermittlungen „am Wirbeln“.
Zwei Tatorte, zwei Beschreibungen
Der erste Sprengsatz detonierte auf der unteren Berger Straße zwischen Herderstraße und Baumweg, direkt vor dem Açaí-Café „Rio“. Einzelne Beobachter nennen für diese Explosion 4.15 Uhr, andere 4.30 Uhr; Polizei und die Mehrheit der Berichte gehen von etwa 4.20 Uhr aus.
Auf der Zeil, einer der bekanntesten Einkaufsstraßen Deutschlands, detonierte der zweite Satz nahe dem Bürgeramt. Die meisten Berichte nennen einen Kiosk als Ziel, tagesschau und hessenschau sprechen dagegen von einer Bar beziehungsweise der Shisha-Bar „Truth“. Warum die Angaben auseinandergehen, ist unklar.
Über das Café „Rio“ ist wenig bekannt. Es hatte erst im Sommer eröffnet und war bei Anwohnern beliebt – es habe lange Warteschlangen gegeben. Wem das Geschäft gehört, blieb offen: Im Impressum steht der Name „Max Mustermann“.
Eine Serie, die seit Sonntag nicht abreißt
Die beiden Detonationen sind nach Angaben der Frankfurter Rundschau die Fälle vier und fünf binnen weniger Tage. Am frühen Sonntagmorgen (13. September) explodierte zunächst ein Sprengsatz vor einer Bar in der Offenbacher Innenstadt, die Schaufensterscheiben der Bar und eines gegenüberliegenden Cafés gingen zu Bruch. Nur Minuten später, gegen 4.55 Uhr, wurde ein Kiosk an der Mörfelder Landstraße in Frankfurt-Sachsenhausen stark beschädigt.
Am frühen Montagmorgen (14. September) zerstörte eine Explosion in Frankfurt-Bockenheim die Eingangsglastür eines Mehrfamilienhauses. Nach der Tat in Sachsenhausen nahm die Polizei einen 15 Jahre alten Tatverdächtigen fest, offenbar aus den Niederlanden; er kam in Untersuchungshaft. Trotz dieser Festnahme setzte sich die Serie fort. Ein vergleichbares Muster gab es in Berlin-Steglitz: Dort fand die Polizei nach Schüssen auf den Friseursalon von Rapper Samra einen nicht detonierten Sprengsatz vor dem Laden.
Die Anschlagsserie im Rhein-Main-Gebiet
März 2026
Ein 20-jähriger Niederländer wird festgenommen
Er soll an mehreren Explosionen beteiligt gewesen sein.
13. September 2026, früher Morgen
Explosionen in Offenbach und Sachsenhausen
Ein Sprengsatz detoniert vor einer Bar in der Offenbacher Innenstadt, Minuten später wird ein Kiosk an der Mörfelder Landstraße in Frankfurt-Sachsenhausen beschädigt.
13. September 2026
15 Jahre alter Tatverdächtiger in Untersuchungshaft
Nach der Explosion in Sachsenhausen nimmt die Polizei einen Jugendlichen fest, offenbar aus den Niederlanden.
14. September 2026, früher Morgen
Explosion zerstört Haustür in Bockenheim
In Frankfurt-Bockenheim wird die Eingangsglastür eines Mehrfamilienhauses zerstört – der dritte Fall der Serie.
17. September 2026, ca. 4.20 Uhr
Zwei Sprengsätze in Frankfurt
Fast zeitgleich detonieren Sprengsätze vor dem Açaí-Café „Rio“ auf der Berger Straße und an einem Laden auf der Zeil. Verletzt wird niemand, die Berger Straße bleibt gesperrt.
Gewalt auf Bestellung
Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen, ob die Taten zusammenhängen. Ein Schwerpunkt der Ermittlungen ist das Phänomen „Violence as a Service“ – Gewalt auf Bestellung. Nach Definition des Bundeskriminalamts lagern kriminelle Netzwerke dabei die Vorbereitung und Durchführung von Gewalttaten gegen einen Lohn an Dritte aus.
Das BKA schreibt, die Netzwerke würden „häufig Minderjährige oder junge Täter anwerben, die dann Drohungen, Angriffe oder Tötungen gegen Bezahlung ausführen“; die Anwerbung erfolge oft über Plattformen und Messenger-Dienste. Mehrere Taten rechnet die Polizei der organisierten Kriminalität zu, Jugendliche und junge Erwachsene werden dafür gezielt angeworben – wie Netzwerke Jugendliche für Straftaten anwerben.
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Was die Ermittler bislang nicht sagen
Zu den Hintergründen der beiden Taten vom 17. September machten die Ermittler keine Angaben. Laut Staatsanwaltschaft ist „auch da noch nichts bekannt“. Spekulationen über gesprengte Geldautomaten wies die Berichterstattung als eher unwahrscheinlich zurück; die genaue Herkunft der Explosionen war laut Polizei zunächst unklar.
Offen ist auch, ob es eine Festnahme gab. t-online berichtet unter Berufung auf die Polizei, im Bereich der Berger Straße sei eine Festnahme gelungen, Details sollten später mitgeteilt werden. Keine andere der bislang geprüften Publikationen bestätigte diese Festnahme.
Ob hinter den Sprengsätzen vom Donnerstag dasselbe Netzwerk steckt wie hinter den Taten der Tage zuvor, weiß derzeit niemand. Sicher ist nur, dass die Serie mit der Festnahme des 15-Jährigen nicht gerissen ist – und dass die nächste Nacht in Frankfurt nicht die letzte mit Spurensicherung auf der Berger Straße sein muss.