AfD-Spitze plant laut Reuters Gespräche über russisches Gas
Die AfD-Spitze und der Putin-Beauftragte Kirill Dmitrijew bereiten einem Reuters-Bericht zufolge Gespräche über russische Gaslieferungen und eine Wiedereröffnung der Nord-Stream-Pipelines vor. In Berlin ist von „Verrat“ die Rede, Washington dementiert jede Beteiligung.
Die AfD-Spitze und der russische Präsidentenbeauftragte Kirill Dmitrijew bereiten einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge Gespräche über eine Rückkehr russischen Gases nach Deutschland vor. An dem Treffen sollen die beiden AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie Dmitrijew teilnehmen, der den Staatsfonds RDIF führt und als enger Wirtschaftsberater von Wladimir Putin gilt.
Thema wäre auch eine Wiedereröffnung der russischen Nord-Stream-Pipelines. Der exklusive Reuters-Bericht über die Gas-Gespräche stützt sich auf zwei mit den Plänen vertraute Personen. Sie nennen einen möglichen Termin „as early as March“; deutsche Redaktionen schreiben von Frühjahr 2027. Bedingung wäre ein zuvor vereinbarter Friedensrahmen zwischen Russland und der Ukraine, als Orte gelten Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Indien.
Washington ist nicht dabei
Die Organisatoren hofften auf eine Dreierkonstellation aus AfD, Russland und den USA. Dmitrijew hatte am 5. September 2026 in Moskau an einem Treffen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner teilgenommen, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump; ein Foto dieser Runde im Kreml liegt vor. Witkoff und Kushner sollten nach dem Willen der Organisatoren auch beim Gas-Treffen dabei sein.
Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter erklärte gegenüber Reuters, beide seien über den geplanten Gipfel weder informiert noch eingeladen worden. Von einer Unterstützung Washingtons kann also keine Rede sein. Auch sonst gibt es keine Bestätigung: Ein AfD-Sprecher und ein Vertreter Dmitrijews lehnten jede Stellungnahme ab; Angaben zu Mengen, Preisen oder Vertragsbedingungen fehlen.
Berlin spricht von Verrat
In Deutschland löste der Bericht sofort scharfe Kritik aus. Der n-tv-Bericht über die Reaktionen auf die Pläne zitiert den Grünen-Bundestagsabgeordneten Michael Kellner, der in der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine für die deutsche Energiepolitik zuständig war. Er rechnete vor, dass die Energiekrise Deutschland 50 Milliarden Euro gekostet hat.
„Deutschland darf nicht wieder von Russland abhängig werden. […] Wir dürfen die Fehler der Energiekrise nicht wiederholen. Sie hat uns 50 Milliarden Euro gekostet. Wir dürfen nicht dorthin zurückwollen. Das wäre Verrat. Putin nutzt die AfD für seine Zwecke aus.“
Michael Kellner, Grünen-Bundestagsabgeordneter
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter sagte, Russland nutze Energie, insbesondere Nord Stream, „als hybride Waffe für militärische Zwecke“. Eine Wiedereröffnung wäre „eine Katastrophe für die europäische Sicherheit“ und würde Deutschland isolieren. Kiesewetter warnte zudem, das Treffen könnte jene Kräfte in der CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz stärken, die ebenfalls für den Kauf russischen Gases plädieren.
Vom Großlieferanten zum Sabotagefall
Vor der russischen Vollinvasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 bezog Deutschland mehr als die Hälfte seines Erdgases und mehr als ein Drittel seiner Rohölimporte aus Russland. Nach den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee im September 2022 stellte Russland die Lieferungen ein. Deutsche Ermittler gehen von einem Sabotageakt aus, die Ukraine hat eine Beteiligung zurückgewiesen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat eine Wiederaufnahme des Pipeline-Betriebs in der Vergangenheit ausgeschlossen, die EU hat die Einfuhr russischen Pipelinegases untersagt und will sie vollständig beenden. Die AfD hat in der Energieaußenpolitik keine Befugnisse – zuständig ist die Bundesregierung. Der Bericht fiel zwei Tage vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, wo Beobachter deutliche Zugewinne der AfD erwarten.
Von der Abhängigkeit zum geplanten Gas-Treffen
24. Februar 2022
Russland beginnt die Vollinvasion in die Ukraine
Deutschland bezieht zu diesem Zeitpunkt mehr als die Hälfte seines Erdgases und über ein Drittel seines Rohöls aus Russland.
September 2022
Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines
Russland stellt die Gaslieferungen nach Deutschland ein. Deutsche Ermittler gehen von Sabotage aus, die Ukraine weist eine Beteiligung zurück.
Juni 2026
Weidel fordert das Ende des Gas-Boykotts
Die AfD-Vorsitzende spricht sich in einem Reuters-Interview für russisches Öl und Gas aus.
5. September 2026
Dmitrijew trifft Witkoff und Kushner in Moskau
Ein Foto der Runde im Kreml liegt vor.
13. September 2026
AfD wird stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt
18. September 2026
Reuters meldet die geplanten Gas-Gespräche
Kellner und Kiesewetter kritisieren die Pläne scharf, die US-Handelskammer in Moskau begrüßt sie. AfD und Dmitrijews Vertreter äußern sich nicht.
März 2027
Möglicher Termin für das Treffen
Nur bei einer vorherigen Einigung auf einen Friedensrahmen zwischen Russland und der Ukraine.
Was ein Treffen ändern könnte
Der eigentliche Streitpunkt ist nicht ein Gasvertrag, sondern die Frage, wer Deutschland außen- und energiepolitisch vertritt. AfD-Chefin Weidel hatte sich zuvor für ein Ende des Boykotts von russischem Öl und Gas ausgesprochen und günstige Energie aus Russland als „das Geheimnis des Erfolgs von Made in Germany“ bezeichnet. Ihre Partei verlangt die Reparatur der Nord-Stream-Pipelines und russische Gasimporte.
Rückendeckung kam aus Moskau: Der Präsident der dortigen US-Handelskammer, Robert Agee, nannte Dmitrijews Vorschlag eines trilateralen Wirtschaftsforums 2027 einen „positiven und zeitgemäßen Schritt“. Das BSW im Landtag von Sachsen-Anhalt plant bereits einen Antrag für eine Öffnung von Nord Stream. Ob es im März 2027 zu dem Treffen kommt, ist offen; Voraussetzung bleibt ein Friedensrahmen zwischen Moskau und Kiew.