Schüsse in Köln-Mülheim: Kugel durchschlägt Kinderzimmer
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Mordkommission

Schüsse in Köln-Mülheim: Kugel durchschlägt Kinderzimmer

In der Windmühlenstraße in Köln-Mülheim schlagen zehn Kugeln in eine Pizzeria und die Wohnung darüber ein – in dem getroffenen Zimmer schläft ein Zehnjähriger. Die Polizei fahndet nach einem dunkel gekleideten Mann und prüft einen Zusammenhang mit einer Serie von Schüssen.

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Ein Projektil hat am frühen Freitagmorgen das Schlafzimmer eines Zehnjährigen in Köln-Mülheim durchschlagen. Geschlafen hat der Junge in einem Haus an der Windmühlenstraße, in dessen Erdgeschoss eine Pizzeria liegt. Verletzt wurde bei dem Angriff niemand – auch das Kind nicht.

Zeugen meldeten die Schüsse gegen 6.35 Uhr über den Notruf an der Kreuzung Windmühlenstraße/Schleiermacherstraße. Ein Anwohner will sie schon um 6.22 Uhr gehört haben, ein anderer schätzte sechs bis sieben Schüsse, ein dritter beschrieb Geräusche „wie von einem Colt“. In der Fensterfront der Pizzeria und in beiden Fenstern der darüberliegenden Wohnung im ersten Obergeschoss zählten die Beamten zehn Einschusslöcher.

Der WDR berichtet von dem Projektil im Zimmer des Zehnjährigen. Der Junge sagte dem Reporter, er habe von den Schüssen nur die Geräusche mitbekommen. Dass eine Kugel in seinem Zimmer einschlug, habe er erst gemerkt, als seine Mutter ihn weckte und aus dem Raum holte. Später holte sie ihn wegen Übelkeit von der Schule ab.

Mordkommission ermittelt wegen versuchten Tötungsdelikts

Weil sich zur Tatzeit Menschen in der Wohnung aufhielten, richtete die Kriminalpolizei unter Federführung der Staatsanwaltschaft eine Mordkommission ein. „Es besteht der Verdacht des versuchten Tötungsdelikts“, sagte ein Sprecher vor Ort. Ob die Pizzeria oder die Wohnung das Ziel der Schüsse war und welche Waffe benutzt wurde, ist laut Polizei offen.

Gesucht wird eine etwa 1,75 Meter große, dunkel gekleidete Person, die zu Fuß flüchtete. Polizei und mehrere Medien nennen als Richtung den Auenweg, der Kölner Express abweichend die Danzierstraße. Die Ermittler sicherten Hülsen, suchten den Tatort mit Metalldetektoren ab und setzten Spürhunde an gegenüberliegenden Glascontainern ein, auch ein Sprengstoffspürhund war vor Ort.

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Eine Serie von Schüssen, ein unklares Motiv

Nach Angaben von t-online ist es bereits das fünfte Mal in den vergangenen Wochen, dass in Köln und der Region Schüsse auf Hausfassaden oder Geschäfte abgegeben wurden. RTL ordnet die Tat in eine Serie von Schüssen auf Häuser in Köln ein. Erst im Juli fahndete die Polizei in Würzburg mit Großaufgebot nach den Schüssen auf ein Mehrparteienhaus in Würzburg.

Die Schuss-Serie in Köln und der Region

  1. 21. August 2026
    Schüsse auf ein Juweliergeschäft in der Keupstraße

    Unbekannte schießen in Köln auf ein Juweliergeschäft, unweit des späteren Tatorts an der Windmühlenstraße.

  2. Ende August 2026
    Café in der Südstadt, Schüsse in Vingst und Erftstadt

    Weitere Schussabgaben auf Gebäude in Köln und im Umland reihen sich ein.

  3. Anfang September 2026
    Staatsanwaltschaft sieht keine erkannten Zusammenhänge

    Die Kölner Staatsanwaltschaft teilt mit, sie suche nach Zusammenhängen zwischen den Taten, habe bislang aber keine erkannt.

  4. 18. September 2026
    Zehn Einschusslöcher in der Windmühlenstraße

    Am frühen Morgen fallen Schüsse auf das Wohn- und Geschäftshaus in Köln-Mülheim; ein Projektil schlägt im Schlafzimmer eines Zehnjährigen ein.

  5. 19. September 2026
    Fahndung nach dem Schützen läuft weiter

    Von dem Täter fehlt jede Spur, das Motiv und ein möglicher Zusammenhang mit der Serie sind nicht geklärt.

Für die Anwohner liegt der Tatort mitten im Alltag: In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Kita, direkt gegenüber der Pizzeria ein Spielplatz, und der Bereich ist Schulweg für eine Grund- und eine Realschule. In Köln-Mülheim war Anfang August bei Schüssen auf offener Straße bei einem Familienstreit auf Menschen geschossen worden, vier wurden verletzt.

Ein Anwohner sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger: „Ich habe ein bisschen Angst um unsere Kinder. Meine Tochter ist 15 Jahre und muss jeden Tag zur Schule. Das wird hier immer extremer.“ Eine andere Anwohnerin sagte: „Das ist echt schlimm, kurz später sind Hunderte Schulkinder unterwegs – wir sind hier doch nicht in LA.“

BKA sieht mehr Gewalt in der Organisierten Kriminalität

RTL verweist auf das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität des Bundeskriminalamts für das Jahr 2025: Darin sind 20 vollendete Tötungsdelikte und 100 Fälle vollendeter Körperverletzung erfasst, nach 13 und 77 im Vorjahr. Gewalttaten würden zunehmend wie eine Dienstleistung bestellt, teils von eigens rekrutierten Minderjährigen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) beschreibt das Prinzip so:

Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister (CSU)

Das BKA nennt in dem Lagebild eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024 als Beispiel, Auslöser sei der Diebstahl einer Rauschgiftlieferung gewesen; teils seien angeheuerte Täter 13 Jahre alt. Ob auch die Schüsse von Mülheim zu dieser Serie gehören, ist bislang nicht bestätigt. Von dem Schützen fehlte zunächst jede Spur, die Fahndung läuft. Hinweise nimmt die Polizei unter 0221 229-0 oder per E-Mail an [email protected] entgegen.