Mette-Marit wollte Pilotin werden – heute leidet sie unter Flugangst
Bild: KI-generiert
Norwegens Königshaus

Mette-Marit wollte Pilotin werden – heute leidet sie unter Flugangst

Mette-Marit wollte als Kind Pilotin werden – wie ihr Bruder und ein Onkel. Heute ist sie Königin von Norwegen und leidet ausgerechnet unter Flugangst. Ihr erstes Einzelinterview von 2001 zeigt, welche Berufsträume sie für die Krone aufgab.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Pilotin werden – das war Mette-Marits Kindheitstraum. Geworden ist sie Königin von Norwegen. Ausgerechnet das Fliegen, für das sie sich als Kind begeisterte, ist für die 53-Jährige bis heute ein Problem: Sie leidet unter Flugangst.

Seit dem 28. August 2026 steht Norwegen unter neuer Führung: Ihr Mann Haakon (53) bestieg den Thron. Damit ist Mette-Marit Königin – in einer Rolle, die sie sich als Kind nie ausgemalt hatte.

Ihren Berufswunsch verdankte sie der eigenen Familie. Ihr älterer Bruder und ein Onkel arbeiteten als Piloten und waren für die kleine Mette-Marit offenbar echte Vorbilder. Sie wollte ins Cockpit, nicht auf den Thron.

Zwei Piloten in der Familie

Namentlich greifbar ist nur der Bruder. Wie Dagbladets Bericht über den Pilotentraum zeigt, hätte ein erfüllter Traum „to piloter i slekta“ bedeutet – zwei Piloten in der Familie: Bruder Espen Høiby und die Kronprinzessin. Ein Onkel, ebenfalls Pilot, bleibt in den Berichten namenlos.

Prinzessin wollte sie nie werden – das sagte sie Jahre später der Süddeutschen Zeitung. Aus der Begeisterung fürs Fliegen wurde das Gegenteil: Mette-Marit leidet bis heute unter Flugangst und wird auf Reisen nach Angaben von Dagbladet teils psychologisch begleitet. Sie selbst kommentierte den Widerspruch mit Humor.

Das finde ich ein bisschen süß, besonders weil ich heute Flugangst habe.
Mette-Marit, Königin von Norwegen

Fotografin statt Politik und Palast

Auf die Frage nach einem frei gewählten Beruf nannte sie 2001 keinen royalen: „Wenn ich mir einen Beruf ganz oben aus dem Regal aussuchen könnte, danach, was ich spannend finde, wäre es wohl Fotografin“, sagte sie damals.

Um ihr eigenes Können machte sie sich dabei keine Illusionen: „Ich bin nicht besonders gut darin, Fotos zu machen, aber ich finde es sehr lustig.“ Eine feste Antwort auf die Berufsfrage fiel ihr grundsätzlich schwer – ihre Ideen hätten sich immer wieder verändert.

Umfrage
Lädt

Der Coup des Jahres 2001

Die Zitate stammen aus einem Interview, das ein Coup war. Nach Dagsavisens Rekonstruktion des ersten Einzelinterviews hatte sich die kleine und arme Riksavis – selbst Gegnerin der Monarchie – unter der neuen Chefredakteurin Hilde Haugsgjerd das erste Einzelinterview mit Mette-Marit gesichert.

Die Bedingungen waren ungewöhnlich. Hof-Informationschefin Wenche Rasch verlangte die Fragen vorab und wollte als „Fliegen på veggen“ beim Gespräch dabei sein, 40 Fragen wurden vorbereitet. Das Interview fand am Freitag, 8. Juni 2001, im Königlichen Schloss in Oslo statt – in Mette-Marits eigenem, goldenen Büro. Der Konkurrent VG zitierte später zu viel daraus und musste 75.000 Kronen zahlen.

Vorausgegangen war eine Verbindung, die den Kreis schließt: Am 30. November 2000 leistete Mette-Marit nach dem Beginn ihres Journalistenkurses einen Praktikumstag in der Dagsavisen-Redaktion – einen Tag, bevor ihre Verlobung mit Haakon öffentlich wurde. In der Redaktion wusste niemand von der Verlobung, sie arbeitete mit Kriminalreporter Tore Letvik. „Ich durfte niemandem etwas von der Verlobung erzählen“, erinnert sie sich später.

Mette-Marits Weg vom Cockpit-Traum zur Krone

  1. 19. August 1973
    Geburt in Kristiansand

    Mette-Marit Tjessem Høiby wird in Südnorwegen geboren.

  2. 30. November 2000
    Praktikumstag bei Dagsavisen

    Einen Tag vor der öffentlichen Verkündung ihrer Verlobung arbeitet sie in der Redaktion – und darf nichts sagen.

  3. 8. Juni 2001
    Erstes Einzelinterview im Schloss

    40 Fragen werden vorab eingereicht, Hof-Infochefin Wenche Rasch sitzt mit im Raum.

  4. 25. August 2001
    Hochzeit mit Haakon

    Mette-Marit wird Kronprinzessin von Norwegen. Keiner ihrer Berufsträume wird realisiert.

  5. 28. August 2026
    Königin von Norwegen

    Nach dem Tod von König Harald V. besteigt Haakon den Thron, Mette-Marit wird Königin.

Aus dem Traum wurde ein Leben

Den Journalistenkurs beendete sie nie. Mit der Verlobung änderte sich ihr Alltag grundlegend: Statt auf eine klassische Berufslaufbahn arbeitete sie auf ihre künftige Rolle im Königshaus hin – von morgens bis nachmittags hielt sie sich im Schloss auf und bekam Unterricht.

Ob sie es bedauere, zuvor keinen festen Beruf ergriffen zu haben, wurde sie 2001 gefragt. Ihre Antwort klang nach Galgenhumor: Sie habe eben das Glück gehabt, vorher keinen Beruf zu haben. Und sie stellte klar, dass sie das, was sie nun tat, nicht als gewöhnliche Arbeit verstand.

Für mich ist es eher ein Leben.
Mette-Marit, Königin von Norwegen

Am 25. August 2001 heiratete sie Haakon in Oslo und wurde Kronprinzessin von Norwegen. Pilotin wurde sie nicht, Fotografin nicht, Journalistin nicht – keiner ihrer Berufsträume wurde realisiert.

Königin in schwierigen Wochen

Mehr als ein Vierteljahrhundert später ist sie Königin – in keiner leichten Zeit. Mette-Marit erholt sich von einer im Juni 2026 erfolgten Lungentransplantation; ihr erster öffentlicher Auftritt nach der Transplantation liegt erst wenige Wochen zurück.

Dazu kommen Belastungen aus der Vergangenheit: Ihre früheren Kontakte zu dem in den USA wegen Sexualstraftaten verurteilten Finanzier Jeffrey Epstein und die laufenden Verfahren gegen ihren Sohn Marius Borg Høiby überschatten ihre ersten Wochen im Amt. In Vertrauensumfragen schneidet Mette-Marit deutlich schlechter ab als ihre Tochter Ingrid Alexandra.

Ihr Amt als Königin verdankt sie allein der Ernennung ihres Mannes – wie Haakon Mette-Marit zur Königin machte. Ob sie das fehlende Vertrauen in den kommenden Monaten zurückgewinnt, hängt auch davon ab, wie sie die Belastungen ihrer ersten Königsmonate verarbeitet. Ihre Kindheitsträume sind dagegen endgültig Geschichte: Pilotin ist sie nie geworden.