Franziska Giffey verpasst Wiedereinzug ins Berliner Abgeordnetenhaus
Bild: KI-generiert
Berlin-Wahl 2026

Franziska Giffey verpasst Wiedereinzug ins Berliner Abgeordnetenhaus

Bei der Berlin-Wahl verliert Franziska Giffey ihr Direktmandat in Rudow – 315 Erststimmen fehlen. Weil ihr linker Kreisverband sie nicht auf die Bezirksliste setzte, ist ihr der Weg ins Abgeordnetenhaus verschlossen.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Franziska Giffey verliert ihr Mandat – und diesmal gibt es keinen Listenplatz, der sie auffängt. Im Wahlkreis Neukölln 6 in Rudow kam die frühere Regierende Bürgermeisterin auf 26,3 Prozent der Erststimmen, der CDU-Kandidat Olaf Schenk auf 27,7 Prozent.

Damit zieht die amtierende Wirtschaftssenatorin nicht ins neue Abgeordnetenhaus ein. Den Ausschlag gab auch ihre eigene Partei: Giffeys deutlich linker ausgerichteter Kreisverband hatte sie nicht auf die SPD-Bezirksliste gesetzt. Das Direktmandat war für sie die einzige Chance auf einen Sitz.

Nur 315 Erststimmen fehlen zum Wiedereinzug

Der Rückstand war denkbar knapp: Wie der n-tv-Bericht über Giffeys verpassten Einzug zeigt, fehlten ihr 315 Erststimmen, Angaben aus ihrem Umfeld bestätigen diesen Abstand. Die Landeswahlleitung bestätigte das vorläufige Ergebnis am 21. September, einen Tag nach der Wahl.

Auch der Wahlkreis selbst hat sich verschoben. Bei den Zweitstimmen lag die CDU in Neukölln 6 mit 27,8 Prozent vorn, vor der AfD (22,3), der SPD (16,8), den Linken (14,6) und den Grünen (6,3). Die CDU verlor dort 16,1 Prozentpunkte gegenüber 2023, die AfD legte 11,5 Punkte zu. Die Wahlbeteiligung erreichte 72,5 Prozent.

Zweitstimmen im Wahlkreis Neukölln 6 (Rudow)

Die CDU verliert deutlich, die AfD legt zu, die SPD fällt auf 16,8 Prozent

Quelle: Landeswahlleitung Berlin, vorläufiges Ergebnis vom 21.09.2026

Warum das Direktmandat ihre einzige Chance war

Einen Ausgleich über die Bezirksliste gab es nicht. Giffeys Kreisverband, der deutlich linker ausgerichtet ist als sie selbst, setzte sie nicht auf die Liste. Zur Spitzenkandidatin bestimmte die Berliner SPD außerdem Landeschef Steffen Krach, nicht die frühere Regierende Bürgermeisterin.

Sie galt als prominenteste SPD-Politikerin der Stadt und erzielte laut Tagesspiegel das beste Erststimmenergebnis aller Berliner Bewerber. 2021 hatte sie Rudow gewonnen und war Regierende Bürgermeisterin geworden; 2023 verlor sie den Wahlkreis an Schenk (29,6 zu 45,3 Prozent), zog aber über die Liste in den Senat ein.

Ein bitterer Wahlabend in Rudow

In Rudow verfolgte ihr Wahlkampfteam den Wahlabend ohne Presse; 30 Helfer seien gekommen, es habe Chili und Eierlikör gegeben. Giffey selbst gab sich gefasst und sagte über den Ausgang:

Schön ist anders. Aber das Leben geht weiter.
Franziska Giffey, Berliner Wirtschaftssenatorin

Über ihren Wahlkampf sagte sie laut dem Tagesspiegel-Bericht über ihren bitteren Abschied, man habe alles gegeben und an sehr vielen Türen geklingelt: „Manche haben sogar für mich gebetet.“ Ihren Parteifreund Krach nahm sie in Schutz – man könne ihm jetzt nicht einfach die alleinige Schuld zuschieben. Für eine Entscheidung über ihre eigene Zukunft sei es noch zu früh.

Zäsur für die Berliner SPD

In der ZDF-Runde am Wahlabend forderte Giffey Konsequenzen aus dem Ergebnis: „Es ist eine Zäsur für die Berliner SPD“, es müsse personelle und inhaltliche Konsequenzen geben. Sie selbst habe stets für einen pragmatischen Kurs der Mitte gestanden und frage sich nun, ob dies der richtige Weg gewesen sei.

Landeschef Krach blickte nüchtern auf die eigene Partei: „Wir haben das schlechteste Ergebnis jemals. Damit hat man keinen Regierungsauftrag.“ Schwarz-Rot verliert die Mehrheit in Berlin. Giffey bleibt bis zur Bildung einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt; ob sie im nächsten Senat sitzt oder aus der Politik ausscheidet, ist offen.

  • Linke: 25,7 Prozent (47 Sitze) – erstmals stärkste Kraft in Berlin
  • CDU: 18,8 Prozent (34 Sitze) – ein Minus von 9,4 Punkten gegenüber 2023
  • AfD: 16,3 Prozent (29 Sitze)
  • Grüne: 14,3 Prozent (26 Sitze)
  • SPD: 12,1 Prozent (22 Sitze) – schlechtestes Ergebnis bei einer
  • BSW (4,7) und FDP (2,5) scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde
  • Wahlbeteiligung: 74,2 Prozent
Umfrage
Lädt