Friedrich Merz soll laut Umfrage bei 55 Prozent zurücktreten
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Kanzlerkrise

Friedrich Merz soll laut Umfrage bei 55 Prozent zurücktreten

55 Prozent der Bundesbürger wollen, dass Friedrich Merz als Kanzler zurücktritt – nur 40 Prozent wollen, dass er bleibt. Am Tag nach dem Wahldebakel sichert die Unionsfraktion ihm Rückhalt, Ex-Generalsekretär Czaja fordert öffentlich seinen Rücktritt.

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Erstmals will eine Mehrheit der Deutschen den Kanzler loswerden: 55 Prozent der Bundesbürger sprechen sich dafür aus, dass Friedrich Merz als Bundeskanzler zurücktritt. Nur 40 Prozent wollen, dass er im Amt bleibt.

Die Zahlen stammen aus dem RTL/ntv-„Trendbarometer“ von Forsa vom 22. September 2026 – dem Dienstag nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, die Merz selbst „desaströse Ergebnisse“ genannt hatte. Sein Arbeitszeugnis fällt verheerend aus: Nur 11 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, 87 Prozent sind es nicht. Kurz nach seinem Amtsantritt im Mai 2025 lag die Zustimmung noch über 40 Prozent.

Umfrage
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Wer den Rücktritt will – und wer nicht

Den Rücktrittswunsch tragen vor allem Opposition und Osten: AfD-Anhänger, Ostdeutsche und Anhänger der Linken liegen bei der Zustimmung weit vorn, wie die taz-Aufschlüsselung nach Wählergruppen zeigt. Nur in der Union überwiegt die Ablehnung klar: Dort sind 21 Prozent für einen Rücktritt, 78 Prozent dagegen.

Wer den Rücktritt von Merz fordert

Zustimmung zu einem Rücktritt des Kanzlers nach Wählergruppen

Quelle: Forsa für RTL/ntv, 17.–21. September 2026

Auch unter den eigenen Anhängern bröckelt der Rückhalt: 56 Prozent der Unions-Anhänger sind mit Merz' Arbeit unzufrieden, 44 Prozent zufrieden. Unter SPD-Anhängern liegt die Unzufriedenheit bei 86 Prozent, bei Grünen-Anhängern bei 91, bei Linken-Anhängern bei 97 und bei AfD-Anhängern bei 99 Prozent.

Union auf Rekordtief, AfD klar vorn

In der Sonntagsfrage des RTL/ntv-Trendbarometers verharrt die Union bei 20 Prozent – erneut Rekordtief. Die AfD liegt mit 27 Prozent vorn; Schwarz-Rot käme zusammen auf 32 Prozent. Befragt wurden 2.504 Menschen zwischen dem 15. und 21. September, die Fehlertoleranz liegt bei 2,5 Punkten.

Sonntagsfrage: AfD vor Union

Parteipräferenz auf Bundesebene

Quelle: Forsa für RTL/ntv, 15.–21. September 2026

25 Prozent der Befragten sind Nichtwähler oder unentschlossen – bei der Bundestagswahl 2025 waren es 17,9 Prozent. 54 Prozent trauen keiner Partei zu, die Probleme des Landes zu lösen; der AfD trauen es 13 Prozent zu, der Union nur noch 10 Prozent. Bereits im Juni sprachen sich 59 Prozent der Deutschen für Neuwahlen aus.

Warum die Union verliert

Die Umfrage liefert die Begründung gleich mit: 81 Prozent nennen als Grund für den Wählerschwund, dass sich CDU und CSU zu wenig um die Alltagssorgen der Bürger kümmern. 66 Prozent machen Merz persönlich verantwortlich, 64 Prozent das gebrochene Wahlversprechen, keine neuen Schulden aufzunehmen. Unter den Abwanderern von 2025 nennen sogar 86 Prozent die Alltagssorgen, 68 Prozent das Schulden-Versprechen und 65 Prozent Merz.

Rückhalt in der Fraktion, Rücktritt von Czaja

Am selben Tag sicherte Unionsfraktionschef Thorsten Frei dem Kanzler den Rückhalt der Fraktion zu: „Der Bundeskanzler hat unsere Unterstützung.“ Zugleich sprach er von einem „enormen Gesprächs- und Aussprachebedarf“. Merz räumte in der Fraktionssitzung Mitverantwortung ein: „Ich habe meinen Anteil an diesen Wahlergebnissen.“ Der CDU-Haushaltsexperte Matthias Middelberg sagte über den Auftritt: „Ich habe ihn wirklich demütig erlebt.“

Der schärfste Angriff kam von Mario Czaja, CDU-Generalsekretär von Januar 2022 bis Juli 2023 – bis Merz ihn durch Carsten Linnemann ablösen ließ. In der WELT-Sendung „Meinungsfreiheit“ forderte Czaja den sofortigen Rücktritt. Merz habe, so Czaja, durch die Lockerung der Schuldenbremse „das Erbe von Wolfgang Schäuble mit Füßen getreten“.

Es ist an der Zeit, dass er den Platz frei macht. Es funktioniert nicht mehr mit ihm. Ihm noch Zeit zu geben, macht gar keinen Sinn.
Mario Czaja, CDU-Generalsekretär 2022 – 2023

Kein Nachfolger in Sicht

Am Abend beriet Merz mit den SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil über den Reformprozess; Beschlüsse waren nicht geplant. Merz will seinen Kurs „noch energischer“ vorantreiben, die SPD liest das Ergebnis als Signal für Anpassungen. Der Politikwissenschaftler Uwe Wagschal hält einen Kanzlertausch für unrealistisch: „Eine Kanzlerwahl setzt einen tragfähigen Nachfolger voraus – und den gibt es aktuell nicht.“ Ob eine Kurskorrektur gelingt, entscheidet über Merz' Verbleib im Amt.