Fünf Wochen nach ihrem Tod steht die Ursache fest – einen Schuldigen gibt es nicht. Hayden Panettiere (36) starb an den toxischen Wirkungen von fünf Substanzen, darunter das synthetische Opioid Fentanyl. Das Greenville County Coroner's Office in South Carolina gab das am Dienstag bekannt und stufte die Todesart als Unfall ein.
Wörtlich heißt es in der Mitteilung, der Tod sei durch „toxische Wirkungen von Fentanyl, 4-ANPP, Alprazolam, Methocarbamol und Quetiapin“ verursacht worden, die Todesart sei „Unfall“. Seit dem 14. September hatten US-Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise über eine mögliche Überdosis Fentanyl berichtet – amtlich bestätigt war das bis Dienstag nicht.
Geschlossen ist der Fall damit nicht. Die Greenville Police Department erklärte am selben Tag, ihre eigene Untersuchung laufe weiter und sei nicht abgeschlossen. Auch die DEA ermittelt – und sucht weiter nach der Quelle der Pillen, die Panettiere töteten. Ein Verdächtiger wurde bislang nicht benannt.
Was die fünf Substanzen bedeuten
Fentanyl ist ein synthetisches Opioid, das in der Medizin bei starken Schmerzen eingesetzt wird und in kleinsten Mengen lebensgefährlich ist. In illegal gepressten Tabletten wird es beigemischt, ohne dass Käufer das erkennen können.
4-ANPP ist nach Einschätzung des früheren DEA-Ermittlungsleiters Bill Bodner eine Vorläufersubstanz, die bei der illegalen Fentanyl-Herstellung anfällt. Für ihn ist ihr Nachweis ein Hinweis darauf, dass das Fentanyl nicht aus einer Apotheke stammte. Die Kombination aus Opioid, Muskelrelaxans und angstlösendem Mittel nannte Bodner „unglaublich gefährlich“.
Die drei weiteren Stoffe stammen aus der Medizin: Alprazolam ist der Wirkstoff des Beruhigungsmittels Xanax, Methocarbamol ein verschreibungspflichtiges Muskelrelaxans, Quetiapin ein Antipsychotikum, das unter anderem bei Schizophrenie, bipolarer Störung und schweren Depressionen verordnet wird. In welcher Menge sie in Panettieres Körper waren, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Der 16. August: Notruf um 13:51 Uhr
Am 16. August 2026 ging um 13:51 Uhr ein Notruf wegen eines gemeldeten Herzstillstands in der Easley Bridge Road 701 in Greenville ein. Rettungskräfte und EMS fanden dort eine Frau im Herzstillstand. Sanitäter versuchten mehr als 40 Minuten lang CPR und weitere lebensrettende Maßnahmen; um 14:32 Uhr wurde Hayden Leslie Panettiere aus Kalifornien für tot erklärt.
Die Polizei traf um 13:58 Uhr ein und verließ den Einsatzort um 19:30 Uhr. Die Unterkunft, in der sie sich nur vorübergehend aufgehalten habe, wird als Airbnb in einem Apartmentkomplex beschrieben; genannt werden die „Judson Mill Lofts“. Die Autopsie führte ein board-zertifizierter Forensik-Pathologe durch. Er fand keine Verletzungen, die zu ihrem Tod beigetragen hätten. Coroner Mike Ellis sagte, es gebe keine Hinweise auf ein solches Trauma.
Der an die Nachrichtenagentur AP weitergegebene Bericht beschreibt die Funde in der Wohnung: blaue gepresste Tabletten und einen Strohhalm auf einem Tisch, die später positiv auf Fentanyl getestet wurden, dazu eine weiße pulverige Substanz in einem Brillenetui in ihrem Koffer. Die sichergestellten Tabletten und die weiße Substanz sind Teil eines Berichts, der auch festhält, dass Panettiere wenige Wochen vor ihrem Tod in einer Entzugsklinik war.
Zwei Dosen Narcan, ein Schlafsofa und zwei Männer
In der Unterkunft waren zum Zeitpunkt ihres Todes Panettieres On-off-Freund Brian Hickerson (37) und dessen Bruder Zach. Die beiden setzten den Notruf ab. Zach Hickerson sagte später, sein Bruder habe Panettiere zwei Dosen des Antidots Narcan verabreicht, nachdem sie sie bewusstlos aufgefunden hatten.
Der Gerichtsmediziner-Bericht schildert den Morgen so: Einer der Männer gab an, Panettiere um 10:30 Uhr beim Schminken gesehen zu haben, und schlief wieder ein. Geweckt durch Klopfen an der Tür fanden beide sie mit dem Gesicht nach unten in sitzender Haltung auf einem Schlafsofa, die Beine übereinandergeschlagen. Sie ließ sich nicht wecken und war dunkelviolett verfärbt. Nach zwei Dosen Narcan ohne Reaktion folgte der Notruf.
Der Mann habe nicht gewusst, ob Panettiere in den zwei Tagen zuvor illegale Drogen genommen habe – sie sei aber „sehr gut darin gewesen, sie zu verstecken“, notierte der Deputy Coroner. Im Polizeibericht ist festgehalten, dass Brian Hickerson den Beamten die Tasche mit ihren aktuellen Medikamenten zeigte; die Medikamentenliste ist geschwärzt.
Brian Hickerson ist der Justiz kein Unbekannter. 2020 wurde er mehrfach wegen schwerer Misshandlung angeklagt; in zwei Anklagepunkten legte er ein No-contest-Geständnis ab und wurde zu vier Jahren Bewährung sowie Anti-Aggressions- und AA-Sitzungen verurteilt. Sein Antrag, die Verurteilung später zu Vergehen herabzustufen, wurde abgelehnt. Panettiere hatte 2020 eine einstweilige Verfügung gegen ihn beantragt; der Ausgang ist unklar. Ihre Mutter Lesley Vogel sagte dem US-Sender NBC News, die beiden hätten sich bis zu ihrem Tod noch getroffen.
Greenville ermittelt weiter, die DEA schaut nach Los Angeles
Während das Coroner's Office seinen Teil abgeschlossen hat, laufen die Ermittlungen an zwei Orten weiter. Die Greenville Police Department teilte mit, ihre Detektive würden weiter Spuren verfolgen und Informationen sammeln, bis der Fall gelöst ist. Bereits kurz nach dem Tod hatte die Polizei erklärt, es gebe keine Hinweise auf Fremdverschulden oder verdächtige Umstände.
Nach Recherchen der Los Angeles Times prüfen die Bundesermittler der DEA, ob Panettiere nicht verschreibungspflichtige Pillen bei einem Dealer in der Region bezogen hat – die Suche nach dem Lieferanten in Los Angeles konzentriert sich auf den Verdacht, dass sie ein als gefälschtes Oxycodon beschriebenes Präparat einnahm, wie es immer wieder mit Fentanyl versetzt wird. Die Zeitung vergleicht das Verfahren mit den Fällen Matthew Perry und Mac Miller, die beide zu Strafverfahren gegen die jeweiligen Lieferanten führten.
Der frühere DEA-Spezialagent Bill Bodner, der 32 Jahre im Feldbüro Los Angeles arbeitete und auch im Fall Matthew Perry ermittelte, beschreibt, wie die Ermittler nun vorgehen: Sie wollen Panettieres Telefon forensisch auswerten und die letzten zwei bis drei Tage ihres Lebens aus Nachrichten, Anrufen und Kontakten in sozialen Netzwerken rekonstruieren.
„Sobald es eine Zeitlinie gibt, was sie vor ihrem Tod getan hat, wird es leichter, den Ort zu finden, an dem die Drogen ausgegeben wurden, die sie getötet haben.“
Die Familie hält sich zurück. Publicistin Kasey Kitchen sagte der AP, die Untersuchung dauere an und der Fall sei komplex. Sloan Ellis, Anwalt von Brian Hickerson in South Carolina, verwies auf das laufende Verfahren und lehnte weitere Kommentare ab; die Polizei habe bestätigt, dass es keine Hinweise auf Fremdverschulden gebe.
Heroes, Nashville und ein Buch über die Sucht
Panettiere stand schon als Kind vor der Kamera: Werbespots, die Soaps „One Life to Live“ und „Guiding Light“, später „Remember the Titans“. Den Durchbruch brachte die NBC-Serie „Heroes“, in der sie Claire Bennet spielte; für ihre Rolle als Country-Sängerin Juliette Barnes in „Nashville“ erhielt sie zwei Golden-Globe-Nominierungen. Sie war außerdem in „Scream 4“ und „Scream VI“ zu sehen.
Im Mai 2026 erschien ihre Autobiografie „This Is Me: A Reckoning“, in der sie frühe Traumata durch den Kinderruhm, ihre Alkohol- und Opioidabhängigkeit, eine postpartale Depression und die von Gewalt geprägte Beziehung zu Hickerson beschrieb. Im CBS-Interview mit Gayle King sagte sie, sie wolle anderen zeigen, dass sie keine Angst haben müssten, zu ihrer Wahrheit zu stehen; ihr gehe es „besser und gesünder als seit langem“.
Ihre 2014 geborene Tochter Kaya blieb nach der Trennung 2018 überwiegend in der Obhut ihres Vaters, des ukrainischen Ex-Schwergewichtsweltmeisters Wladimir Klitschko. Zwei Tage nach Panettieres Tod äußerte sich Klitschko erstmals öffentlich – Klitschkos Abschied und der Schutz für Kaya. Ihre Mutter erklärte später, warum Klitschko 2018 das Sorgerecht übernahm.
Auch Panettieres Vater meldete sich beim Deputy Coroner: Seine Tochter habe ihren Geburtstag fünf Tage nach ihrem Tod in Greenville verbringen und danach in die Ukraine fliegen wollen, um ihre Tochter zu besuchen. Ihr jüngerer Bruder Jansen war 2023 mit 28 Jahren an einer Herzerkrankung gestorben.
Von den Memoiren zum Coroner-Bericht
- Mai 2026Memoiren und CBS-Interview
„This Is Me: A Reckoning“ erscheint; im Gespräch mit Gayle King spricht Panettiere über Sucht und Genesung.
- 16. August 2026Notruf und Tod in Greenville
Um 13:51 Uhr geht der Notruf ein, mehr als 40 Minuten CPR, für tot erklärt um 14:32 Uhr an der Easley Bridge Road 701.
- Ab 17. August 2026Autopsie ohne Trauma-Befund
Ein Forensik-Pathologe findet keine Verletzungen, die zum Tod beigetragen hätten; die Polizei sieht keine Hinweise auf Fremdverschulden.
- 14. September 2026Medienberichte über Fentanyl
US-Medien melden unter Berufung auf Ermittlerkreise eine mögliche Überdosis Fentanyl und den Verdacht auf eine gefälschte Oxycodon-Pille.
- 22. September 2026Offizielle Todesursache
Der Coroner nennt fünf Substanzen und stuft den Tod als Unfall ein; Greenville Police und DEA ermitteln weiter.
Offen bleibt die zentrale Frage: Wer hat Panettiere die mit Fentanyl versetzten Pillen verkauft? Greenville Police und DEA ermitteln weiter, eine Anklage gibt es bislang nicht. Ob der als Unfall eingestufte Tod juristische Folgen hat, entscheidet sich daran, ob sich die Lieferkette bis zu einem Dealer zurückverfolgen lässt.
