Reichinnek stoppt Interview nach Frage zur Energiewende
Ein Streit über Stromspeicher endet mit einem abgebrochenen Interview: Die Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek verlangt, die Aufnahme nicht zu veröffentlichen – der Journalist stellt sie trotzdem online und verweist auf ein Gespräch mit Grünen-Chef Banaszak.
Heidi Reichinnek hat am 5. September 2026 auf dem Demokratiefestival in Magdeburg ein Interview abgebrochen – und danach verlangt, dass die Aufnahme nicht veröffentlicht wird. Auslöser war die Frage, wie ihre Partei Strom aus Wind und Sonne speichern will. Der Mitschnitt zeigt, wie die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag an einem Kernpunkt der Energiepolitik ausweicht.
Der Interviewer war Valentin Wilczek, 23 Jahre, Host und Journalist für den TikTok-Auftritt von ZDFheute; daneben betreibt er einen eigenen Instagram- und TikTok-Kanal. Wilczek veröffentlichte den Mitschnitt am Montag nach dem Festival. Ab dem 23. September verbreitete er sich in den Netzwerken, am Tag darauf griffen ihn Berichte über den abgebrochenen Reichinnek-Auftritt auf.
Instagram · @valentinwilczek
Von der Atomkraft zur Speicherfrage
Wilczek eröffnete mit der Frage, ob es angesichts hoher Strompreise nicht klüger gewesen wäre, die bestehenden Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen, statt auf Kohlestrom zu setzen. Reichinnek winkte ab, noch bevor sie das Mikrofon hatte: „Nein, da bin ich super stringent. Atomkraft ist die gefährlichste, die wir haben.“ Die Folgekosten, etwa für Endlager, würden auf die Gesellschaft umgelegt, die Abschaltung sei „absolut richtig“ gewesen.
Dann kam die eigentliche Streitfrage. Wilczek fragte, wie die Linke das Speicherproblem angehe, es gebe „verschiedene Approaches“. Reichinnek wich aus, man könne jetzt „auch sehr intensiv über Energiepolitik diskutieren“, und lenkte auf den Netzausbau und auf Straßen, die E-Autos während der Fahrt aufladen. Zur Speicherung sagte sie nichts, obwohl der Journalist mehrfach nachfragte.
Wilczek brachte selbst das bidirektionale Laden ins Spiel – E-Autos, die als Pufferspeicher dienen und Strom zurück ins Netz speisen. Reichinnek hielt dagegen, dabei gehe es „ums Aufladen und nicht ums Speichern“, und verwies ihn an eine Fachpolitikerin: „Wenn du das machen willst, dann fände ich es halt total cool, wenn du das mit einer Fachpolitikerin machen willst.“
Abbruch vor laufender Kamera
Nach weiteren Nachfragen kippte die Stimmung. Reichinnek sagte, sie habe ihm „jetzt doch schon super viel dazu erzählt“; es sei ihr lieber, wenn man über das Festival reden würde. Dann: „Ich habe dir mehrmals auf deine Fragen geantwortet. Ich verstehe nicht so genau, was der Take ist.“
„Ich würde es echt nicht gut finden, wenn du das jetzt hier reinschneidest, ich finde das nicht fair von dir gerade.“
Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag
Während des Gesprächs tritt Reichinneks Pressesprecher ins Bild und fordert, die Aufnahme zu stoppen, wie der Nachrichtenblog Apollo News den Abbruch schildert. Reichinnek bekräftigte in seiner Gegenwart, sie finde das „echt nicht fair“. Der Journalist entschuldigte sich; das Video endet mit „Sorry, ich wollte nur über Klimapolitik reden, weil mir Klimapolitik am Herzen…“. Neu ist ein solcher Abbruch nicht: der Abbruch einer Podcast-Aufnahme durch AfD-Politiker Tillschneider liegt gut zwei Wochen zuvor.
Banaszak antwortete, Wilczek wehrt sich
Auf demselben Festival stellte Wilczek nach eigenen Angaben dem Grünen-Vorsitzenden Felix Banaszak dieselbe Frage. Banaszak beantwortete die Speicherfrage – und nannte ausgerechnet das bidirektionale Laden, also genau jenes Beispiel, das Wilczek auch Reichinnek vorgeschlagen hatte.
Nach der Veröffentlichung wurde Wilczek nach eigenem Bekunden auf Instagram und TikTok vielfach kritisiert, das Video lasse die Linkspartei schlecht aussehen. Er habe „keine Agenda gegen die Linke oder Heidi“, sondern zeigen wollen, „was passiert ist“. In Kommentaren stellte er klar: „Sie hätte jederzeit sagen können, sie wolle das nicht beantworten, und ich hätte das natürlich akzeptiert. Ich habe dem Grünen-Chef dieselbe Frage gestellt.“
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Reichinneks Pressestelle und die Linkspartei haben den Vorgang nach den vorliegenden Berichten nicht öffentlich kommentiert; auch eine Stellungnahme des ZDF zum Umgang mit der Aufnahme ließ sich nicht nachweisen. Eine Berichterstattung großer Leitmedien war nicht auffindbar, belegt sind Beiträge von Junge Freiheit, Apollo News, Kettner Edelmetalle News und d-talk.de. Offen bleibt, ob Die Linke zur Speicherfrage noch eine fachliche Antwort nachliefert.