New Yorker Polizei nimmt bei Netanjahu-Protest mehr als 100 Menschen fest
Bei einem Sitzstreik vor dem UN-Hauptquartier nimmt die New Yorker Polizei mehr als 100 Menschen fest – darunter Susan Sarandon und Hannah Einbinder. Israels Regierungschef Netanjahu spricht drinnen vor fast leerem Saal und nennt die Demonstranten „phony human rights protestors“.
Die New Yorker Polizei hat am Donnerstag mehr als 100 Menschen bei einem Sitzstreik vor dem UN-Hauptquartier festgenommen – darunter Schauspielerin Susan Sarandon (79) und „Hacks“-Star Hannah Einbinder (31), wie US-Medien über die Festnahmen berichten. Später am selben Tag hielt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (76) wenige Hundert Meter entfernt seine Rede vor der 81. UN-Generalversammlung.
Der Hauptprotest begann gegen 12 Uhr mittags. Die Kernaktion war ein Sitzstreik auf der Kreuzung First Avenue/East 39th Street nahe dem abgesperrten UN-Gelände; die Organisatoren von Jewish Voice for Peace nannten rund 400 Teilnehmende des Sitzstreiks. Die Polizei sprach von einer nicht angemeldeten Demonstration und warnte mehrfach – rund 100 Menschen blieben sitzen und wurden abgeführt. Alle kamen später wieder frei.
Wer in Handschellen abgeführt wurde
Neben Sarandon und Einbinder wurden laut übereinstimmenden Berichten auch Comedian Caleb Hearon, Whistleblowerin Chelsea Manning, Schauspielerin Debra Winger, Model Indya Moore, Autorin Glennon Doyle, Aktivistin Linda Sarsour, Rabbinerin Abby Stein und Autor David Velasco festgenommen. Die Gruppe trug Shirts mit der Aufschrift „Fund People, Not Bombs“.
„Als Jüdin, als Amerikanerin und als Mensch ist es meine moralische Pflicht, mich gegen den Völkermord an den Palästinensern durch die israelische Regierung zu stellen. Ich riskiere heute mit Stolz eine Festnahme, weil ich glaube, dass dieser Moment jeden Einzelnen von uns auffordert, laut zu werden und zu verlangen, dass die USA aufhören, einen Völkermord zu finanzieren.“
Hannah Einbinder, Schauspielerin („Hacks“)
Mindestens zehn Amtsträger und Kandidaten wurden ebenfalls abgeführt, darunter die New Yorker City-Council-Mitglieder Chi Ossé und Tiffany Cabán sowie die Kongresskandidaten Darializa Avila Chevalier, Brad Lander, Adam Hamawy, Chris Rabb und Melat Kiros. Chevalier hatte im Juni 2026 mit einem Primary-Sieg im Wahlbezirk des Parteiestablishments für Aufsehen gesorgt.
Nicht jede prominente Anwesenheit ist eine Festnahme: Die deutsche dpa meldete, auch Cynthia Nixon sei in Gewahrsam genommen worden; die US-Berichterstattung führt Nixon überwiegend nur als Teilnehmerin des Protests. Elliot Page, Lucy Dacus und Julien Baker waren nach Medienberichten anwesend, ohne dass ihre Festnahme bestätigt wurde.
Netanjahu spricht vor fast leerem Saal
Während draußen die Festnahmen liefen, sprach Netanjahu am Nachmittag vor der Generalversammlung. Dutzende Delegierte verließen während seiner Rede den Saal; den Abziehenden rief er hinterher:
„Wenn es noch weitere moralische Feiglinge gibt, die den Saal noch nicht verlassen haben, mögen sie es jetzt tun.“
Benjamin Netanjahu, israelischer Ministerpräsident
Die Demonstranten nannte Netanjahu „phony human rights protestors“; den Völkermord-Vorwurf wies er als „die größte Lüge des Jahrhunderts“ zurück. Israels UN-Botschafter Danny Danon warf Bürgermeister Zohran Mamdani vor, mit seiner Haltung „Chaos“ zu säen. Mamdani hatte Netanjahu „Kriegsverbrecher“ genannt und für „nicht willkommen in New York City“ erklärt; für eine Festnahme wegen des ICC-Haftbefehls fehlt ihm die Rechtsbefugnis.
Protest gegen US-Militärhilfe
Getragen wurde der Protest von Jewish Voice for Peace, dem Palestinian Youth Movement, der New Yorker DSA, Rabbis for Ceasefire und Christians for Human Rights. Die Aktivisten fordern ein Ende der US-Militärhilfe für Israel; gerufen wurden „Free Palestine“, „Let Gaza live“ und „Netanjahu, du kannst dich nicht verstecken, wir klagen dich des Völkermords an“. Bereits am Vortag hatte die New Yorker DSA am Flughafen JFK gegen Waffentransporte an die israelische Armee protestiert.
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Erster New-York-Besuch seit Mamdanis Wahl
Der Protest fiel in die Generaldebatte der 81. UN-Generalversammlung vom 22. bis 28. September 2026. Netanjahus Aufenthalt war bewusst kurz geplant: Ankunft am Abend des 23. September, Rede am Nachmittag des 24., Rückflug am selben Tag. Gegen ihn besteht ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit; die USA erkennen ihn nicht an.
Am Abend zogen nach Schätzungen mehrere Tausend Menschen vom Bryant Park zum UN-Hauptquartier. Sarandon, seit Jahren offen propalästinensisch, hatte am 6. September in Venedig beklagt, ihr Engagement koste sie Hollywood-Rollen – Susan Sarandons verlorene Rollen wegen Palästina-Support. Offen ist, ob die Stadt weitere Proteste während der UN-Woche mit denselben Mitteln beantwortet.