Hagel lädt Berliner Polizisten zum Wechsel nach Baden-Württemberg ein
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Innere Sicherheit

Hagel lädt Berliner Polizisten zum Wechsel nach Baden-Württemberg ein

Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) wirbt offen um Berlins Polizisten – und nennt den Linken-Wahlsieg als Grund. Sein Angebot ist ausdrücklich keine Jobgarantie, Berlins Polizeigewerkschaft warnt vor Einschnitten, im Südwesten reagiert der Koalitionspartner zurückhaltend.

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Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) hat am 25. September 2026 Berlins Polizistinnen und Polizisten öffentlich zum Wechsel in den Südwesten eingeladen – und die Begründung gleich mitgeliefert: Die Linke, Wahlsiegerin in Berlin, wolle der Polizei dort „Mittel und Befugnisse nehmen“, schrieb die „Bild“-Zeitung über Hagels Begründung. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über das Angebot berichtet, dpa und weitere Medien folgten.

Sein Werben richtete Hagel an alle: „Wer für Sicherheit, Freiheit und unseren Rechtsstaat einsteht, ist bei uns immer willkommen. Jede und jeder Einzelne. Jederzeit.“ Bevor die Linke „die innere Sicherheit ruiniere und bei der Polizei das Licht ausmache“, sollten sich die Beamtinnen und Beamten bei ihm melden, ließ er ausrichten.

„Hagel sagte laut dem Bericht: „Die Berliner Polizei ist zu schade für eine linke Clan-Bürgermeisterin, die ihr Mittel und Befugnisse nehmen will. Bei uns in Baden-Württemberg wissen wir, was wir an unseren Polizistinnen und Polizisten haben.““
Manuel Hagel, Innenminister von Baden-Württemberg (CDU)

Ein Angebot ohne Jobgarantie

Auf SWR-Nachfrage schränkte Hagel ein: Das Angebot sei nicht als Jobgarantie gemeint. Man müsse im Einzelfall prüfen, ob es passe – „bezogen auf die Organisationskultur, und auch, was die Stellen angehe“. Das Land kann nicht unbegrenzt viele neue Polizeikräfte bezahlen, wie der SWR-Bericht über Hagels Angebot an Berliner Polizisten festhält.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur legte Hagel nach: Die „in der Praxis sehr gut erprobten“ Berliner Ermittler im Bereich der organisierten Kriminalität könnten „Gold wert“ sein. „Im Großraum Stuttgart kämpfen wir mit voller Energie gegen organisierte Banden“, sagte der Minister.

Anlass ist der Sieg der Linken in Berlin

Auslöser ist die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent (468.060 Stimmen) mit Abstand stärkste Kraft und legte gegenüber 2023 (12,2 Prozent) um 13,4 Prozentpunkte zu. Spitzenkandidatin ist Elif Eralp. Die CDU kam auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, die SPD auf 12,1 Prozent.

Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026

Stimmenanteile der stärksten Parteien in Prozent

Quelle: wahlen-berlin.de, tagesschau

Das Wahlprogramm der Linken kündigt an, eine weitere „Aufrüstung“ der Polizei zu stoppen und die Mittel umzuverteilen – unter anderem in die Straßensozialarbeit. Statt Ausrüstung sollen Prävention und Datenschutz gestärkt werden. Die „Bild“-Zeitung liest daraus: „Weniger Geld für die Polizei, weniger Befugnisse, dafür mehr Sozialarbeit.“ Die Partei will die Polizei nach eigenem Bekunden aber nicht abschaffen – und könnte ihr Programm in einer Koalition nicht eins zu eins durchsetzen.

Berlins Polizeigewerkschaft warnt vor Einschnitten

Schon vor Hagels Vorstoß hatte es Warnungen der Polizeigewerkschaften vor Sicherheitsverlusten gegeben. Frank Teichert, Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sagte im Bericht über den entsetzten Polizeivertreter: „Das ist ein Ergebnis, das mir als Polizist Sorgen macht.“

Teichert begründete seine Sorge so: Die Linke sei „mit weniger Polizei, weniger Befugnissen und dem Ende von Waffenverbotszonen angetreten – und bekommt dafür offensichtlich starken Rückhalt“. Die DPolG warnt laut „Bild“ vor „weniger Geld, weniger Befugnissen und dem Abbau bewährter Instrumente“ und verweist auf Messergewalt, organisierte Kriminalität und die Belastung der Einsatzkräfte. Sozialarbeit sei wichtig, könne Polizisten aber nicht ersetzen, wenn Straftaten begangen würden.

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Verhaltene Reaktionen im Südwesten

In Baden-Württemberg fiel die Resonanz verhalten aus. Der grüne Koalitionspartner erklärte auf SWR-Anfrage: „Der Wahlkampf in Berlin ist vorbei. Noch ist unklar, wer überhaupt regieren wird. Wir kümmern uns derweil um die Sicherheit in Baden-Württemberg.“ Die AfD-Fraktion im Landtag sprach durch ihren innenpolitischen Sprecher Chris Hegel von „schlagzeilenträchtigem Aktionismus“: Die eigenen Polizisten warteten seit Jahren auf bessere Arbeitsbedingungen. Die AfD gilt in Baden-Württemberg beim Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall.

Ob und wie viele Berliner Beamte tatsächlich wechseln, ist offen – das Angebot bleibt ausdrücklich ohne Jobgarantie. Offen ist auch, wer Berlin künftig regiert: Neben Rot-Grün-Rot bleibt eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD möglich. Die Linke will laut Beschluss ihres Sonderparteitags vom 25. September Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD aufnehmen. Mit der Bezeichnung „linke Clan-Bürgermeisterin“ bezog sich Hagel auf seine Kritik an der Berliner Linken. Gegen den Berliner Landesverband waren Antisemitismus-Vorwürfe erhoben worden; die Parteispitze wies sie zurück.