Russische Drohnen sind am 24. September 2026 in Moldau explodiert, über Rumänien abgestürzt und haben in Polen zwei Grenzübergänge zur Ukraine geräumt.
Auslöser war ein massiver russischer Angriff auf die Ukraine in der Nacht: Die ukrainische Luftwaffe meldete 282 Drohnen verschiedener Typen sowie ballistische und andere Raketen, die sich aus den Gebieten Winnyzja, Odessa und Czernowitz näherten.
Moldau: Vier Überflüge, zwei Explosionen
Das moldauische Verteidigungsministerium registrierte vier Drohnenüberflüge. Mindestens zwei Drohnen explodierten auf moldauischem Staatsgebiet, Trümmer einer dritten wurden gefunden, der nördliche Luftraum war zeitweise gesperrt. Verletzte gab es nicht.
Nach Angaben der moldauischen Polizei schlug eine Drohne bei Cernița im Kreis Florești neben einem Bauernhof ein und explodierte. Laut dem Bericht zu den Drohnenabstürzen in Rumänien und Moldau stammt das Wrack von einer russischen „Gerbera“ mit Kamera – das erste Gerät dieses Typs, das in Moldau gefunden wurde.
Die Vorfälle ereigneten sich zwischen 5 und 7 Uhr morgens und betrafen mehrere Orte im Norden, darunter Cunicea, Volovița, Cernița, Vadul Rașcov und Gura Căinarului. Explosionen waren in den Kreisen Florești und Soldănești zu hören.
„Der massenhafte russische Angriff auf die Ukraine hat heute Morgen erneut die Republik Moldau erreicht: Vier russische Drohnen haben unseren Luftraum verletzt, mindestens eine ist im Norden des Landes explodiert. Russlands Krieg gefährdet ganz Europa. Wir verurteilen diesen Krieg und stehen an der Seite der Ukraine.“
Rumänien: Vier Minuten im Luftraum, dann Absturz bei Solca
In Rumänien verletzten zwei Drohnen den Luftraum, eine explodierte im Norden nahe dem Ort Solca, rund 30 Kilometer westlich der Großstadt Suceava. Die Drohne war über ukrainischem Gebiet nahe der Grenze im Kreis Botoșani geortet worden, blieb etwa vier Minuten im rumänischen Luftraum und stürzte dann ab.
Rumänien startete zwei F-16-Kampfjets und verschickte Notfallwarnungen an die Mobiltelefone der Anwohner, ein nahegelegener Grenzübergang zur Ukraine wurde geschlossen. Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet. Zuvor waren wegen eines russischen Angriffs nahe dem Donaudelta NATO-Kampfflugzeuge aufgestiegen.
Ende Mai 2026 hatte eine russische Drohne ein Wohnhaus in Galați getroffen; damals zögerten viele EU- und NATO-Vertreter, Russland eine Absicht zu unterstellen.
Rumäniens Verteidigungsminister Radu Miruța hielt einen diplomatischen Protest gegenüber Russland für erforderlich. Die in Solca abgestürzte Drohne weise „neue technische Merkmale“ auf, möglicherweise handle es sich um eine russische Drohne neueren Typs mit Strahltriebwerk.
Staatspräsident Nicușor Dan hatte am Vorabend vor der UN-Generalversammlung von wiederholten Verletzungen des rumänischen Luftraums gesprochen. Der Journalist Gabriel Bejan vom Portal HotNews kritisierte die Zurückhaltung: Inzwischen müssten wegen der Drohnen Schulen schließen, „aber die Politiker haben Angst, das Wort mit ‚R‘ auszusprechen“.
Polen: Zwei Jet-Einsätze und geräumte Grenzübergänge
Wegen des russischen Großangriffs in Grenznähe wurden in Polen zweimal NATO-Kampfflugzeuge aktiviert, Bodenluftverteidigung und Radar wurden in Bereitschaft versetzt. Der erste Einsatz endete gegen 8 Uhr ohne festgestellte Luftraumverletzung, ein zweiter wurde um 9:07 Uhr angekündigt.
Die Grenzübergänge Dorohusk und Zosin wurden am 24. September zweimal geräumt: erstmals gegen 3 Uhr, ein zweites Mal gegen 11:30 Uhr für etwa 30 Minuten. Das Regierungszentrum für Sicherheit warnte die Woiwodschaften Lublin und Podkarpackie. Erst eine Woche zuvor hatte ein russischer Drohnenangriff den schwersten Luftalarm in Ostpolen ausgelöst.
Premier Donald Tusk sagte in Krakau, Russland perfektioniere seine „widerlichen Formen des Drucks“ immer weiter, man müsse darauf vorbereitet sein. Die Eskalation werde „immer mehr zur Tatsache“; ein Übergreifen auf polnisches Territorium sei nicht auszuschließen.
„Putin will die Ukraine zermürben, indem er ihre Industrie- und Energieinfrastruktur zerstört, aber er will auch Europa zermürben.“
Brand in der Starlink-Station: Ermittler sehen Sabotage
Bereits am späten Mittwochabend, dem 23. September, brach ein Brand in der Starlink-Bodenstation beim Dorf Wola Krobowska aus, rund 40 bis 50 Kilometer südlich von Warschau. Die Anlage gehört dem staatlichen Telekommunikationsunternehmen Exatel und leitet als Internetknoten Datenverkehr durch Polen und in die Ukraine; gemeinsam mit einer Station in Kaunas versorgt sie Nutzer in Mitteleuropa.
Das Feuer beschädigte die Stromversorgung und einen Generator, richtete aber keinen größeren Schaden an; verletzt wurde niemand. Vizepremier und Digitalminister Krzysztof Gawkowski nannte den Brand „Sabotage und einen Versuch“, eine für die Sicherheit der Internetdienste in der Ukraine entscheidende Station zu stören.
Premier Tusk sagte, die Umstände sähen „nicht gut“ aus, warnte aber davor, ohne hundertprozentige Sicherheit von Sabotage zu sprechen. Am 25. September bestätigte das Innenministerium die Brandstiftung: „Wir können derzeit sagen, dass es Brandstiftung war“, erklärte Innenstaatssekretär Czesław Mroczek. Überwachungskameras lieferten Beweise, nahe der Stromverteilung lag eine Flasche mit brennbarer Flüssigkeit.
Die nationale Staatsanwaltschaft übernahm den Fall. Ihr Sprecher Przemysław Nowak nannte „vernünftige Gründe für den Verdacht“, dass die Täter im Auftrag russischer Geheimdienste gegen Polen handelten; Ziel sei gewesen, den Betrieb und die Internetkonnektivität des Starlink-Systems in Mittel- und Osteuropa zu stören. Angeklagt wurde bislang niemand.
Ebenfalls am 23. September verletzte ein russischer Mi-8-Hubschrauber aus der Exklave Kaliningrad den polnischen Luftraum: Die Maschine drang bei Braniewo etwa 300 Meter tief ein und blieb 42 Sekunden. Die Armee ließ Kampfjets aufsteigen und wertete den Vorfall als Hinweis darauf, dass Russland „erneut die Bereitschaft unserer Luftverteidigung testet“.
Wie oft russische Drohnen Moldau erreichen
Moldaus Präsidentin Maia Sandu zufolge drangen russische Drohnen 2026 bereits 39 Mal in den moldauischen Luftraum ein, gegenüber 17 Mal im gesamten Jahr 2025. Das moldauische Verteidigungsministerium nennt insgesamt 81 Luftraumverletzungen, davon 44 in diesem Jahr; der Luftraum sei mehr als zehn Mal „wegen der Gefahr für die Zivilluftfahrt“ geschlossen worden.
Von Galați bis Wola Krobowska: die Eskalation seit Mai
- 29. Mai 2026Drohne schlägt in Hochhaus in Galați ein
Eine russische Drohne trifft ein Wohnhaus in der ostrumänischen Großstadt; viele EU- und NATO-Vertreter zögern, Russland eine Absicht zu unterstellen.
- 16. August 2026NATO-Kampfjets schießen Drohne über Rumänien ab
Der Abschuss nahe der moldauischen Grenze ist der vierte derartige Vorfall des Jahres.
- 8. September 2026Drohne verfehlt beinahe Selenskyjs Flugzeug
Eine mutmaßlich russische Shahed-Drohne verletzt den moldauischen und rumänischen Luftraum beim Abflug des ukrainischen Präsidenten aus Chișinău.
- 23. September 2026Brand in der Starlink-Station, Mi-8 über Braniewo
Am Abend brennt die Bodenstation Wola Krobowska; ein russischer Mi-8 verletzt den polnischen Luftraum.
- 24. September 2026282 Drohnen, drei Staaten in Alarm
Moldau meldet vier Überflüge und mindestens zwei Explosionen, Rumänien eine abgestürzte Drohne, Polen räumt zwei Grenzübergänge.
- 25. September 2026Polen bestätigt Brandstiftung
Das Innenministerium spricht von vorsätzlicher Brandstiftung; die Staatsanwaltschaft prüft eine Verbindung zu russischen Geheimdiensten.
Absicht oder Zufall – und was jetzt folgt
Nach Einschätzung der DW-Analyse zum offenen Krieg an der EU-Ostflanke hat sich die Lage seit dem Sommer 2026 radikal geändert: In einigen Ländern Mittel- und Südosteuropas gibt es nahezu täglich Drohnenüberflüge oder -explosionen, Flughäfen stellen den Betrieb ein, Lufträume werden gesperrt.
Das Institute for the Study of War bewertete die jüngsten Drohneneinbrüche und Sabotageakte als von Russland durchgeführt oder ihm wahrscheinlich zuzurechnen. Absichtliche wie versehentliche Einbrüche in NATO- und moldauischen Luftraum seien „wahrscheinlich Teil der Bemühungen des Kremls, Luftraumverletzungen durch deren zunehmende Häufigkeit zu normalisieren“.
Der dänische Militärnachrichtendienst erklärte am 24. September, Russland werde seinen hybriden Krieg in den kommenden Monaten mit „häufigeren Angriffen“ gegen den Westen und die NATO intensivieren, „mit größeren Folgen für die betroffenen Länder als bisher“. Verteidigungsminister Jeppe Bruus sagte, die Situation sei „ernster als zu jedem anderen Zeitpunkt seit dem Ende des Kalten Krieges“.
Russlands Präsident Wladimir Putin wies am 25. September Vorbereitungen auf einen Konflikt mit Europa zurück: Russland bereite „nicht irgendeine Art von Kampf mit Europa“ vor. Der Kreml bestreitet eine Verwicklung in Sabotageakte in NATO-Ländern.
Moldaus Parlamentspräsident Igor Grosu sagte am 24. September, sein Land berate zusammen mit Rumänien und der Ukraine über Lösungen zum Schutz des moldauischen Luftraums. Moldau kann seinen Luftraum überwachen, hat aber so gut wie keine Möglichkeiten, Drohnen abzuschießen; Einzelheiten der Gespräche könnten noch nicht veröffentlicht werden.
