Selenskyj kontert Moskau-Frage mit „Auf einer Rakete, verdammt“
Bild: KI-generiert
UN-Generalversammlung

Selenskyj kontert Moskau-Frage mit „Auf einer Rakete, verdammt“

Ein Reporter des russischen Staatsfernsehens fragt Wolodymyr Selenskyj mehrfach, wann er nach Moskau komme – der ukrainische Präsident antwortet mit einem Raketen-Spruch und einem Schimpfwort. Aus Moskau folgen Spott und ein Dementi, ein Treffen bleibt blockiert.

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Wolodymyr Selenskyj hat einem Korrespondenten des russischen Staatsfernsehens eine Antwort gegeben, die in den Medien beider Länder für Aufsehen sorgt. Auf die wiederholt gestellte Frage, wann er nach Moskau komme, antwortete der ukrainische Präsident am 23. September am Eingang des UN-Hauptquartiers in New York auf Russisch: „Auf einer Rakete“ – gefolgt von dem schwer hörbaren Schimpfwort „bljad“.

Der Fragesteller war Valentin Bogdanow vom Staatssender VGTRK, der unter den Namen „Vesti“ und „Rossija“ sendet. Bogdanow ließ nicht locker. Selenskyj lief zunächst mit seiner Delegation weiter, blieb dann stehen, bedeckte seinen Mund mit der Hand und antwortete – „hörbar genervt“, wie deutsche Redaktionen übereinstimmend festhalten.

Die deutschen Fassungen übersetzen den Fluch unterschiedlich: von „verdammt“ bis „verdammte Scheiße“, wie der Tagesspiegel über den Wortwechsel am UN-Eingang schreibt. Bogdanow veröffentlichte den Clip selbst und stellte ihm ein offenkundig KI-generiertes Bild voran, das Selenskyj in einer Rakete auf einem Kinderspielplatz zeigt. In Russland wird das Wort „bljad“ zensiert.

Spott und Dementi aus Moskau

Aus Moskau kam keine Drohung, sondern Hohn. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die selbst zur russischen Delegation bei der Generaldebatte in New York gehört, nahm Selenskyjs Ausbruch auf. Sie spottete, er habe wohl Angst, dass ihn ein tödliches Schicksal ereile, und zog den Vergleich mit dem Thronprätendenten „Falscher Dmitri“, dessen Asche der Überlieferung nach aus einer Kanone Richtung Polen geschossen wurde.

„Er habe sich am Ende vorgestellt, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat.“
Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte dagegen, Russland habe von Selenskyj keine offizielle Absage an einen möglichen Besuch in Moskau vernommen: „Selenskyj hat es nicht abgelehnt, nach Moskau zu kommen. Jedenfalls habe ich nichts dergleichen gehört.“ Die Reaktion des Kremls auf Selenskyjs Raketen-Antwort fällt damit ausweichend aus: An der Forderung, ein Treffen könne nur in Moskau stattfinden, hat sich nichts geändert.

Der Streit um den Ort des Treffens

Hinter dem sarkastischen Einzeiler steckt ein festgefahrener Streit über Ort und Format eines möglichen Treffens zwischen Selenskyj und Putin. Kiew fordert ein persönliches Treffen zur Beendigung des Krieges, lehnt Moskau als Ort aber ab – aus Sorge um die Sicherheit des Präsidenten und um den Eindruck zu vermeiden, die Ukraine kapituliere vor Moskau. Kiew verlangt einen neutralen Ort.

Moskau hält an Moskau als einzigem Ort fest; deutschen Redaktionen gilt das als „vergiftetes Angebot“. Moskau hält an Moskau als einzigem Ort für ein Treffen fest. Zugleich pocht der Kreml nach Peskow-Worten darauf, nach Frieden zu streben, aber nicht um einen vorübergehenden Waffenstillstand.

Der Wortwechsel fällt in eine diplomatisch dichte Woche in New York. Am Dienstag war es zu Selenskyjs angekündigtem Treffen mit Trump in New York gekommen; nach Selenskyjs Angaben ging es um Deeskalation und eine mögliche Teil-Waffenruhe bei Angriffen auf Energieanlagen. Ein Durchbruch blieb aus, Peskow hatte den Vorschlag zuvor abgelehnt. Nach Selenskyjs UN-Rede reiste Putins Gesandter Kirill Dmitrijew in die USA, um Steve Witkoff und Jared Kushner zu treffen.

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Humor als Waffe

Dass Selenskyj selbst im Krieg auf Sarkasmus zurückgreift, ist nicht neu. Der frühere Komiker und Schauspieler hat 2022 in einem Interview mit Anne Applebaum und Jeffrey Goldberg erklärt, warum er das tut: Humor sei eine „mächtige Waffe“, weil er komplizierte Zusammenhänge schnell verständlich mache. Ob Putin Humor fürchte, beantwortete er damals klar mit „Sehr sogar.“

„Ohne Humor kann man nicht überleben. Sonst würde man einfach den Verstand verlieren.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Ob der Spott vom 23. September Folgen für die festgefahrene Diplomatie hat, ist offen. Als nächste Gelegenheit für ein Treffen Selenskyj – Putin gilt der G20-Gipfel im Dezember in Miami, in einem Golfclub von US-Präsident Donald Trump. Selenskyj hatte sich grundsätzlich zu einem Treffen dort bereiterklärt, US-Außenminister Marco Rubio bestätigte Trumps Einladung an Putin. Bis jetzt hat der Kreml kein Signal gegeben, dass er von Moskau als einzigem Ort abrückt.