Franca Lehfeldt kritisiert den Preis der Wahlfreiheit für Mütter
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Familienpolitik

Franca Lehfeldt kritisiert den Preis der Wahlfreiheit für Mütter

Franca Lehfeldt sagt, Deutschland behaupte nur, Frauen hätten die Wahl – den Preis zahlten sie allein: Kita-Schluss um 13 Uhr, Steuerklasse V, 24 Prozent Rentenlücke. Im ZEIT-Interview spricht sie erstmals über die Elternschaft mit Christian Lindner und fordert Regeln für Momfluencer.

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Zwei Drittel der erwerbstätigen Mütter in Deutschland arbeiten Teilzeit – bei den Vätern sind es neun Prozent. Am Ende steht eine Rentenlücke von 24 Prozent. Franca Lehfeldt (37) nennt das kein Ergebnis privater Vorlieben, sondern ein Muster, für das Frauen allein zahlen.

Anlass ist das Interview in DIE ZEIT Nr. 41/2026 vom 24. September, Seite 3, unter dem Titel „Jeder Mann hat eine Mutter, viele haben Töchter. Es geht uns alle an“. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteurin Elisabeth Raether, das Foto stammt von Marzena Skubatz. Lehfeldts Buch „Gute Mütter, schlechte Mütter“ erscheint am 2. Oktober im Piper Verlag.

Drei Tage allein mit der Tochter

Erstmals beschreibt Lehfeldt konkreter, wie sie und ihr Mann Christian Lindner (47) die Elternschaft aufteilen: „Wir teilen uns die Elternschaft vollständig“, sagt sie. Lindner sei vier Wochen nach der Geburt der gemeinsamen Tochter drei Tage allein mit dem Kind zu Hause gewesen – „und er hat das sehr gut gemacht“.

„Die beiden haben ein sehr enges Verhältnis. Das habe ich bewusst gewollt. Wer teilen will, muss den Vater auch machen lassen.“
Franca Lehfeldt, Autorin, Journalistin und Unternehmerin

An diesem Satz entzündet sich die Rezeption: BUNTE liest ihn als Beleg, dass Lindner ab Woche vier drei Tage die Woche allein mit dem Kind war. Lehfeldt schildert zudem, dass sie nicht gestillt und von Anfang an das Fläschchen gegeben hat, um den Vater einzubinden – als individuelle Entscheidung, ohne Ratschlag an andere. Wie die beiden die Care-Arbeit konkret aufteilen, verrät sie laut SPIEGEL nicht; der Bericht über Lindners Vaterrolle hebt ihr Lob hervor.

Jede Wahl hat einen Preis

Der politische Kern folgt einem Vorwurf: Deutschland behaupte, Frauen hätten die Wahl, sagt Lehfeldt. Jede Wahl habe aber einen Preis, und Frauen zahlten ihn allein – kulturell durch das Urteil über die Mutterrolle, ökonomisch durch Steuer- und Betreuungsrecht. Ihre Beispiele: Die Kita schließt um 13 Uhr, die Steuerklasse V frisst den Zuverdienst, der Minijob erscheint als beste Option.

Teilzeit bei Eltern und die Rentenlücke von Frauen

Zwei Drittel der erwerbstätigen Mütter arbeiten Teilzeit, neun Prozent der Väter – daraus folgt eine Rentenlücke von 24 Prozent.

Quelle: Angaben aus dem ZEIT-Interview mit Franca Lehfeldt, September 2026

Formal mag Wahlfreiheit gegeben sein, sagt sie, gelebt werden könne sie nur mit tragfähigen Alternativen. Sie fordert die volle steuerliche Abzugsfähigkeit privater Ausgaben für Kinderbetreuung und nennt Skandinavien als Vorbild, wo Betreuung und Schule so priorisiert würden wie Polizei und Rettungsdienst. Deutschland denke Kinderbetreuung dagegen als Sozialleistung, obwohl sie Wirtschaftspolitik sei. Politisch ist der Streit längst: Merz' Satz, Mütter könnten arbeiten.

Kinder arbeiten ohne Vertrag

Der zweite große Block dreht sich um Kinder, mit denen in sozialen Medien Geld verdient wird. Lehfeldt folgt keiner Momfluencerin, doch sie beschreibt, wie der Algorithmus sie in der Schwangerschaft fand: Bei der Suche nach einem Kinderwagen im achten Monat kamen statt Politik und Nachrichten Tragetücher und Stillkissen. Sie kritisiert ein Natürlichkeitsideal mit geradezu autoritärem Anspruch – aber keine Frau, die so leben will. Beim Geld wird sie konkret:

  • Die Einnahmen des Kindes werden treuhänderisch gesichert.
  • Das Kind bekommt ein durchsetzbares Recht am eigenen Bild, auch gegen die Eltern, mit Löschanspruch bei Volljährigkeit.
  • Die Mitwirkung wird an Schutzstandards gebunden, wie sie aus dem Jugendarbeitsschutz bekannt sind.

Dahinter steht ihr Kernsatz: „Ich habe nichts gegen Frauen, die damit ihr Geld verdienen. Ich habe etwas dagegen, dass ihre Kinder dafür bezahlen.“ Ein Kind in einem monetarisierten Feed arbeite, ohne Vertrag, ohne Einwilligung, ohne gesicherte Einnahmen. Der SPIEGEL führt die Forderungen als Aufmacher und berichtet über strengere Regeln für Momfluencer. Frankreich habe geregelt, Italien sei dabei, Deutschland stehe noch am Anfang.

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Ein Buch neben den Stillratgebern

Für ihr Buch fuhr Lehfeldt nach Paris und interviewte Élisabeth Badinter in deren Wohnung. Badinter habe sich gefragt, warum in Deutschland die Mutter Vorrang vor der Frau habe. Lehfeldts Einordnung: In Frankreich sei Mutterschaft politische Philosophie, in Deutschland stehe das Thema im Regal neben den Stillratgebern.

Kritik übt sie auch an den Familienabteilen der Deutschen Bahn, in denen Familien hinter Glas säßen, wo sie niemanden störten. Gegen die Einordnung, dies sei kein politisches Buch, setzt sie: „Kinder sind das wichtigste politische Thema, das wir haben.“ Die ZEIT verzeichnet mehr als 400 Kommentare, am 2. Oktober erscheint das Buch im Piper Verlag. Ob aus ihren drei Punkten ein Gesetzentwurf wird, ist offen.

Von der Elternzeit-Ansage bis zum Buch

  1. 2022
    Lindner irritiert mit Elternzeit-Plan

    Der damalige Bundesfinanzminister sagt, er wolle in der Elternzeit Bücher schreiben, promovieren, jagen, fischen oder imkern – und relativiert das später. Im selben Jahr heiratet das Paar kirchlich auf Sylt.

  2. April 2025
    Geburt der gemeinsamen Tochter

    Franca Lehfeldt und Christian Lindner werden Eltern eines Mädchens.

  3. 24. September 2026
    Das ZEIT-Interview erscheint

    Auf Seite 3 der Ausgabe 41/2026 spricht Lehfeldt über Mutterschaft, Wahlfreiheit und Momfluencer. SPIEGEL und BUNTE greifen den Text noch am selben Tag auf.

  4. 25. September 2026
    Zweite Welle der Berichte

    Süddeutsche Zeitung und GALA stellen die Aussagen zum Familienleben mit der Tochter in den Mittelpunkt.

  5. 2. Oktober 2026
    Buch erscheint im Piper Verlag

    „Gute Mütter, schlechte Mütter. Streitschrift gegen alte Rollenmuster und übergriffige Erwartungen“ kommt in den Handel.