Sie hatte behauptet, Jay-Z (56) habe sie als 13-Jährige nach einer Afterparty der MTV Video Music Awards vergewaltigt. Am Donnerstag hat die als „Jane Doe“ geführte Frau diese Anschuldigung vollständig zurückgenommen – in einer 11-seitigen, unter Strafe des Meineids unterschriebenen Erklärung.
Das Dokument ging am 24. September beim Bundesgericht in Manhattan ein. Darin schreibt sie: „Shawn ‚Jay-Z‘ Carter hat mich nie vergewaltigt. Ich habe Mr. Carter nie getroffen und nie mit ihm gesprochen. Mr. Carter hat mir gegenüber keinerlei unangemessenes Verhalten gezeigt.“
Sie verstehe, dass ihre falschen Anschuldigungen Carter „immensen Schmerz, Leid und Schaden zugefügt haben, der niemals vollständig wiedergutgemacht werden kann“. Die CBS-Berichterstattung über den Widerruf dokumentiert auch ihren Satz, an keinem der Vorwürfe gegen Carter sei etwas dran.
Geld oder die Zusage von Geld habe sie weder von Carter noch von jemandem in seinem Auftrag erhalten, heißt es in der Erklärung; bedroht worden sei sie nie. Am selben Tag reichten Carters Anwälte eine Mitteilung ein, mit der die Frau als Beklagte aus seiner Klage wegen „malicious prosecution“ (böswilliger Verfolgung) entlassen wird. Die Klage gegen Buzbee und dessen texanische Kanzlei bleibt bestehen.
Ausgelöst hat alles eine Anzeige auf Facebook
Den Anstoß gab laut ihrer Erklärung eine Anzeige auf Facebook, die im September oder Anfang Oktober 2024 nach möglichen Betroffenen von Vorwürfen gegen Sean „Diddy“ Combs suchte. Die Anzeige habe „Erinnerungen daran ausgelöst, mit 13 Jahren vergewaltigt worden zu sein“.
Über die Anzeige kontaktierte sie die AVA Law Group und unterschrieb einen Vertretungsvertrag; der Fall wurde an Buzbees Kanzlei im texanischen Houston verwiesen. Die erste Klage vom Oktober 2024 sei ohne ihr Wissen eingereicht worden – sie habe gar nicht gewusst, dass die Klage existierte, bis Wochen später.
Vor der im Dezember 2024 geänderten Klage, die Jay-Z erstmals öffentlich als Beklagten nannte, habe sie eine eidesstattliche Versicherung unterschrieben und Namen von Vater und Fahrerin genannt. Beweise oder bestätigende Zeugen habe niemand von ihr verlangt. Sie habe „psychische Erkrankungen“ offengelegt, sei aber nie gefragt worden, ob sich das auf ihre Erinnerung auswirken könne.
Ursprünglich habe sie von einer Afterparty nach den „Teen Choice Awards“ 2000 in New York gesprochen – die Klage habe daraus die MTV Video Music Awards gemacht. Vor einem NBC-News-Interview im Dezember 2024 habe ihr Anwaltsteam Flüge, Hotel und Outfit bezahlt und sie für die Kamera „hergerichtet“; Anwalt David Fortney habe sie „gecoacht“, wie sie sich verhalten und was sie sagen solle.
Der Streit mit Anwalt Buzbee geht weiter
Buzbee habe sie erst kurz vor dem TV-Interview in einem Café in Houston getroffen, rund zehn Minuten lang, und ihr 1.000 US-Dollar in bar für sich und ihre Familie gegeben. Laut der BBC-Berichterstattung zum Widerruf bestätigt Buzbee „some petty cash“ für Mahlzeiten und Reisen, bestreitet aber weitere Vorwürfe.
Zu dem neuen Dokument sagte er, er habe es zunächst nicht gesehen: „Wir haben mehrere Anwälte, mindestens vier, die mit Frau Doe zu tun hatten, lange bevor sie mich traf. Sie hat jedem die exakt gleiche Geschichte erzählt. Wenn sie jetzt behauptet, sie habe uns und dem Gericht etwas vorgelogen, sind das neue Informationen.“
Seine frühere Darstellung: Er habe nur einen „standard demand letter“ geschickt, der eine vertrauliche Mediation vorbereiten sollte – ohne Geldbeträge, ohne Drohungen. Seine Kanzlei ließ die Angaben der Frau durch einen ehemaligen Mordkommissions-Detektiv überprüfen. 2025 warf er Carters Ermittlern vor, sie „wochenlang wiederholt belästigt, bedroht und bedrängt“ zu haben, um sie zum Widerruf zu bewegen.
Carter sieht sich als Opfer eines Erpressungsversuchs: Buzbee habe ihm im November 2024 einen „extortionate demand letter“ geschickt und die Klage im Dezember 2024 auf ihn ausgeweitet, nachdem er eine vertrauliche Vergleichszahlung abgelehnt hatte. In einer eidesstattlichen Erklärung sprach Carter von einer „existential threat“: „Mr. Buzbee hielt mir eine Pistole an den Kopf.“
Anfang September 2026 bestätigte das kalifornische Berufungsgericht (Second Appellate District) die Abweisung von Carters Erpressungsklage. Zur Begründung hieß es, es gebe keine Belege dafür, dass Buzbee die Vorwürfe als unwahr erkannt habe; Richterin Anne Richardson verwies auf Buzbees eigene Ermittlungen.
Der Fall in sieben Stationen
- Oktober 2024Erste Klage gegen Sean „Diddy“ Combs
Jane Doe reicht eine Zivilklage ein, zunächst nur gegen Combs; ein unbenannter „male celebrity“ wird als weiterer Täter genannt. Laut ihrer späteren Erklärung geschah das ohne ihr Wissen.
- November 2024Jay-Z verklagt Anwalt Buzbee
Unter dem Pseudonym „John Doe“ wirft Carter Buzbee in Kalifornien Erpressung vor – ein „extortionate demand letter“ habe ihn unter Druck gesetzt.
- Dezember 2024Die Klage nennt Jay-Z – ein TV-Interview folgt
Die geänderte Klage macht Jay-Z zum zweiten mutmaßlichen Täter, er spricht von einem „blackmail attempt“. Die Klägerin tritt bei NBC News auf und räumt „Ungereimtheiten“ ein.
- Februar 2025Rückzug der Klage
Die Frau zieht die Klage „with prejudice“ gegen beide Musiker zurück. Jay-Z nennt das eine „victory“ und spricht vom Trauma seiner Familie.
- Februar 2025Carter klagt zurück
Jay-Z verklagt die Frau und ihre Anwälte wegen „malicious prosecution“, „abuse of process“ und „defamation“.
- Juli 2025Combs verurteilt
Sean „Diddy“ Combs wird wegen Prostitutionsdelikten zu rund vier Jahren (50 Monaten) Haft verurteilt.
- 24. September 2026Widerruf vor Gericht
Jane Doe reicht in Manhattan ihre 11-seitige eidesstattliche Erklärung ein und widerruft die Anschuldigungen vollständig; Carters Anwälte entlassen sie aus dessen Klage.
Was offen bleibt
Im Januar 2025, so Jane Doe, begann sie, an ihren Angaben gegen Carter zu zweifeln – „und auch zu bezweifeln, dass ich jemals auf einer Party mit Prominenten war“. Nachdem sie das ihrem Anwaltsteam mitgeteilt hatte, wurde die Klage fallen gelassen. Fortney habe sie danach gewarnt, Carter oder sein Umfeld könnten ihren Namen und ihre Adresse erfahren, „es sei gefährlich, überhaupt über den Fall zu sprechen“.
Im Februar 2025 traf sie zwei Privatdetektive, die Carters Seite engagiert hatte. Sie las das Transkript der heimlich aufgezeichneten Unterhaltung und bestätigte, dass es ihre Aussage wahrheitsgemäß wiedergebe – ihr damaliger Hinweis, Carter habe sie nicht vergewaltigt, sei „zutreffend und wahrheitsgemäß“ gewesen. Im kalifornischen Verfahren war die Aufnahme als unzulässiges Hörensagen eingeordnet worden.
Ihr neuer Anwalt James Blair Newman Jr. betont, sie halte an einer eigenen Opfer-Erfahrung fest, habe Carter aber „vollständig irrtümlich“ als Täter identifiziert. Kein Gericht und keine Quelle stellt fest, dass sie bewusst gelogen hat. Nach Angaben von Page Six entschuldigte sie sich auch bei Carters Frau Beyoncé (45) und den drei gemeinsamen Kindern.
Jay-Z hat sich zum Widerruf bislang nicht öffentlich geäußert. Im Februar 2025 nannte er den damaligen Klagerückzug eine „victory“ und sagte: „Das Trauma, das meine Frau, meine Kinder, meine Angehörigen und ich erlitten haben, kann niemals einfach ignoriert werden.“
Buzbee bestreitet die meisten Vorwürfe aus der Erklärung; die Klage gegen ihn und seine Kanzlei wird in New York weiter verhandelt. Ob Carter sie gewinnt, ist offen. Der Widerruf belegt zugleich nicht, dass solche Anschuldigungen generell unzutreffend sind: Gegen den Looksmaxxing-Influencer Braden Peters läuft weiterhin die Anklage wegen Vergewaltigung.
