5.721.961.750 US-Dollar soll Apple an das Haptik-Unternehmen Taction Technology zahlen. Eine Jury des US-Bundesgerichts in San Diego hat den iPhone-Konzern am Freitag, 25. September 2026, zu diesem Schadenersatz verurteilt – nach der Berichterstattung von Law360 der höchste Patent-Schadenersatz der US-Geschichte.
Im Streit geht es um die „Taptic Engine“, jenes Bauteil, das in iPhones und Apple Watches den Vibrationsalarm, die feinen Taps beim Tippen und das haptische Feedback erzeugt. Taction wirft Apple vor, die eigene Technologie ohne Lizenz übernommen und „Tactions Innovation und Erfolg kapitalisiert“ zu haben.
Apple bestreitet das vollständig: Man akzeptiere die Entscheidung nicht und werde Berufung einlegen, teilte das Unternehmen mit. Die eigene Taptic Engine unterscheide sich grundlegend von Tactions Technologie – das habe Tactions eigener Test von Apple-Produkten im Prozess bestätigt, wie CNBC über Apples Ankündigung der Berufung berichtet.
Warum die Jury 5,7 Milliarden Dollar zusprach
Die Jury stellte fest, dass drei Ansprüche aus zwei Taction-Patenten verletzt wurden – US 10,659,885 und US 10,820,117, beide 2020 erteilt. Sie beschreiben Systeme, die gedämpfte, elektromagnetisch angetriebene Bewegung erzeugen und damit spürbare Vibrationen. Entscheidend für die Höhe: Die Geschworenen sahen keine vorsätzliche Verletzung, eine Verdreifachung des Betrags ist damit ausgeschlossen, wie heise den Rekordbetrag einordnet.
Der Zuspruch liegt mehr als doppelt so hoch wie der bisherige Rekord: 2021 hatte eine Jury in Texas Intel zu 2,18 Milliarden Dollar an den Patentverwerter VLSI Technology verurteilt – dieses Urteil wurde in der Berufung später aufgehoben. Auch Apple selbst kennt hohe Patentstrafen: Rund 1,1 Milliarden Dollar musste es 2020 zusammen mit Broadcom an das Caltech zahlen.
Höchste Patent-Schadenersatzzusprüche in den USA
Jury-Entscheidungen im Vergleich
Von der Klage 2021 zum Rekordurteil
Taction reichte die Klage im April 2021 beim US-Bundesgericht im Südlichen Bezirk von Kalifornien ein, Aktenzeichen 3:21-cv-00812, zuständiger Richter ist Todd W. Robinson. Im August 2023 gab das Gericht Apple im Wege des Summary Judgment recht: Es schloss zentralen Sachverständigenvortrag der Klägerin aus und legte den Begriff „highly damped output“ eng aus – die beschuldigten Apple-Geräte erfüllten die Kriterien danach nicht.
Der Weg zum Prozess
- 2014Taction wird gegründet
Das Haptik-Unternehmen entsteht in San Diego; Apple bringt die Taptic Engine mit der Apple Watch auf den Markt.
- 2015Taptic Engine ersetzt den Vibrationsmotor
Im iPhone 6s und 6s Plus kommt erstmals die Taptic Engine statt des klassischen Motors zum Einsatz.
- April 2021Klage in San Diego
Taction verklagt Apple beim US-Bundesgericht im Südlichen Bezirk von Kalifornien, Verfahren 3:21-cv-00812.
- August 2023Sieg für Apple in erster Instanz
Das Gericht schließt Sachverständigenvortrag der Klägerin aus und legt den Patentbegriff eng aus.
- August 2025Federal Circuit hebt auf
Das Berufungsgericht für Patentfälle verwirft Teile der engen Anspruchsauslegung und verweist den Fall zurück.
- 14. September 2026Prozessbeginn
Die Verhandlung vor der Jury in San Diego beginnt.
- 25. September 2026Rekordurteil
Die Jury spricht Taction 5.721.961.750 US-Dollar zu – nicht vorsätzlich.
Im August 2025 hob der Federal Circuit diese Entscheidung auf. Unter Vorsitz von Chief Judge Kimberly Moore befand das Gericht, der Bezirksrichter habe sein Ermessen überschritten, als er eine ungeschriebene „Wie“-Anforderung zugrunde legte. Der Fall wurde zur Verhandlung zurückverwiesen, die am 14. September 2026 begann.
Ein Fünf-Mann-Betrieb gegen Apple
Hinter der Klage steht ein kleiner Betrieb: Taction Technology wurde 2014 in San Diego gegründet, hat rund fünf Mitarbeiter, CEO ist John Steinberg, Gründer und CTO James Biggs. Die taktilen Wandler stecken unter anderem in den Corsair-HS60-Haptic-Kopfhörern und werden als „Taction Transporter“ vermarktet. Für Tactions Anwalt Lance Yang von der Kanzlei Quinn Emanuel war der Freitagsspruch das Ende eines langen Wegs.
„Wir freuen uns, dass die Jury für Taction entschieden und seine Patentrechte bestätigt hat. Taction hat fünfeinhalb Jahre auf diesen Prozess gewartet – es war ein langer Weg bis dahin.“
Bemerkenswert ist, wer den Prozess bezahlt: Nach Berichten von Bloomberg Law wurde Tactions Verfahren von Investmentvehikeln mit Verbindung zum weltgrößten Prozessfinanzierer Burford Capital finanziert. Solche Fonds tragen die Kosten eines Rechtsstreits und erhalten im Gegenzug einen Anteil am Erlös. Apple hatte im Verfahren erfolglos versucht, die Finanzierungsvereinbarungen offenzulegen.
Berufung statt Auszahlung
Das Urteil ist vorläufig: Geld fließt erst, wenn Post-Trial-Motionen und die Berufung durchlaufen sind – an den Geräten ändert sich vorerst nichts. Apple kann zunächst beim Prozessrichter beantragen, das Urteil trotz Geschworenenentscheidung aufzuheben, danach zum Federal Circuit gehen. Hohe Jury-Zusprüche werden in der Berufung häufig gekürzt oder aufgehoben, wie im VLSI-Fall.
