2090 getötete oder verwundete russische Soldaten binnen eines Tages – der zweithöchste Wert seit Kriegsbeginn. Am 28. September 2026 meldete der ukrainische Generalstab diese Zahl, während ukrainische Drohnen zeitgleich Ölanlagen, Rüstungsfabriken und eine Bahnbrücke tief in Russland trafen.
Nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj galten die Angriffe Ölanlagen in der Region Krasnodar, zwei Rüstungsbetrieben in den Regionen Tula und Woronesch sowie Zielen im Schwarzen Meer und in der Region Brjansk. Die Ukraine begründet die Schläge mit ihrem Recht auf Selbstverteidigung und dem Ziel, die militärische Infrastruktur Russlands zu schwächen.
Ziele in Krasnodar, Tula und Brjansk
In der Region Krasnodar traf es nach Angaben des ukrainischen Generalstabs die Ölraffinerie Ilsky, rund 354 Kilometer von der Frontlinie entfernt. In der Anlage brach ein Brand aus. Die ukrainische Armee erklärte, die Raffinerie produziere Treibstoff für die russische Armee und sei deshalb ein legitimes Ziel. Der Zivilschutzstab im Gebiet Krasnodar berichtete von herabstürzenden Drohnentrümmern, die Brände bei drei zivilen Unternehmen auslösten; russische Behörden meldeten drei Tote und zwei Verletzte.
In der Region Woronesch sprach Gouverneur Alexander Gussew von 20 abgewehrten Drohnen; vier Menschen seien verletzt worden, darunter drei Kinder. Im Gebiet Tula machte Gouverneur Dmitri Miljajew keine Angaben zu möglichem Drohnenalarm oder Schäden. Bereits zuvor hatte Selenskyj Angriffe auf russische Energieziele bestätigt.
In der Grenzregion Brjansk teilte der kommissarische Gouverneur Jegor Kowaltschuk mit, ukrainische Drohnen hätten Bahninfrastruktur angegriffen. Ein Teil einer Bahnbrücke stürzte ein, zehn Waggons eines Zuges entgleisten, andernorts 18 offene Güterwaggons. Verletzt wurde nach seinen Angaben niemand. Die Angaben stützen sich auf Angriffe auf Ölanlagen, Rüstungsfabriken und eine Brücke.
„Wir nutzen unsere Langstreckenfähigkeiten konsequent, um auf russische Angriffe gegen das Leben zu reagieren.“
Widerspruch zu Trumps Energie-Waffenruhe
Die Angriffe widersprechen einem Vorstoß von US-Präsident Donald Trump für eine Energie-Waffenruhe. Trump hatte am 14. September auf Truth Social erklärt, die Ukraine habe zugestimmt, keine russischen Energieziele anzugreifen, und Russland habe zugestimmt, ebenso zu handeln. Keine der beiden Seiten hat die Bedingungen jedoch vollständig akzeptiert; die Schläge auf Energieanlagen gingen auf beiden Seiten weiter.
Kiew hält seine Langstreckenangriffe auf die russische Wirtschaft aufrecht, um die Ölexporte des Angreifers zu drücken. Bereits am 25. September hatte ein Drohnenangriff den Betrieb der Ölraffinerie von Nowoschachtinsk in der Region Rostow ausgesetzt – ein Angriff auf eine Raffinerie trotz Trumps Waffenruhe-Appell.
Nach Angaben des verlinkten Berichts hatte ein Drohnenschlag Ende August die Afipsky-Raffinerie in Krasnodar in Brand gesetzt; am Bahnhof waren dabei zwei Menschen getötet worden. Zwei Tage vor dem jüngsten Angriff, am 26. September, hatte Selenskyj Treffer auf die Raffinerie Ilsky und eine Rüstungsfabrik im Gebiet Rostow bestätigt.
2090 Verluste sind der zweithöchste Wert
Der ukrainische Generalstab bezifferte die Gesamtverluste der russischen Armee auf rund 1.531.060 Soldaten (Stand 28. September 2026). Der Tageswert von 2090 getöteten oder verwundeten Russen ist der zweithöchste seit Kriegsbeginn. Höher lag er nur am 19. Dezember 2024, als Kiew 2200 meldete – auf dem Höhepunkt der russischen Winteroffensive rund um Welyki Nowosilka.
Die Angaben stammen ausschließlich von ukrainischer Seite und lassen sich nicht unabhängig überprüfen; Russland macht keine Angaben zu eigenen militärischen Verlusten. Das unabhängige russische Medium Mediazona konnte zusammen mit dem russischsprachigen Dienst der BBC bis zum 21. September 2026 die Namen von 258.989 gefallenen russischen Militärangehörigen verifizieren.
Eine Schätzung auf Basis russischer Nachlassregisterdaten geht von rund 352.000 Toten bis Ende 2025 aus. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt das Verlustverhältnis zwischen Russland und der Ukraine auf etwa 2,5:1 bis 2:1.
Was Russland in derselben Nacht anrichtet
Die ukrainischen Schläge fielen in eine Phase, in der Russland seine Luftangriffe auf ukrainische Städte intensiviert. In Kiew wurde am 28. September das historische Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften durch einen russischen Angriff in Brand gesetzt. Die Akademie liegt nur etwa 150 Meter Luftlinie von der deutschen Botschaft entfernt.
In Charkiw stieg die Zahl der Verletzten nach einem russischen Gleitbomben-Angriff auf ein Wohnhaus auf 35, darunter zehn Minderjährige. Im Raum Dnipro kamen vier Menschen ums Leben. Nach Angaben Selenskyjs setzte Russland in der Vorwoche mehr als 2200 Kampfdrohnen großer Reichweite, mehr als 1640 Gleitbomben sowie 38 ballistische Raketen und Marschflugkörper ein.
Offen ist, ob Trump auf die anhaltenden Angriffe reagiert und ob Moskau seine Luftschläge auf ukrainische Städte weiter verstärkt. Solange keine Seite die Bedingungen der Energie-Waffenruhe akzeptiert, dürften beide Seiten ihre Drohnen weiter fliegen lassen – eine Frist für das Abkommen gibt es nicht.
