Aus dem künstlichen Koma zurück auf die ESC-Bühne? Ralph Siegel (80) hat nach eigener Aussage einen Song für den deutschen Vorentscheid 2027 eingereicht – vorgetragen werden soll er von einer Neuauflage der Kultband Dschinghis Khan. Ob die Bewerbung überhaupt angenommen wird, entscheidet der Südwestrundfunk, und der schweigt bisher.
Siegel bestätigte die Bewerbung in einem Exklusivinterview bei Schlagerpuls zur ESC-Bewerbung: „Das muss es sein. Das haben wir gerade noch eingereicht. Jetzt sind wir sehr gespannt.“ Wie BUNTEs Bericht über den eingereichten ESC-Song festhält, endete die Einreichfrist am 21. September 2026 – Siegel zufolge reichte es „gerade noch“.
Ein Lied aus dem Koma
Der Titel ist unter ungewöhnlichen Umständen entstanden. Anfang August 2026 hatte Siegel dem „Münchner Merkur“ von einer Komposition berichtet, die ihm während des Komas eingefallen war: „Ich habe aus dem Koma ein fantastisches Lied mitgebracht. Es ist in meinem Kopf und ich weiß schon jetzt: Es ist unschlagbar.“ Für wen der Song gedacht war, verriet er damals noch nicht.
Text und Musik stammen nach Siegels Angaben von ihm selbst – sein langjähriger Texter Bernd Meinunger ist verstorben. Der Komponist hält das Stück für „eine der besten Nummern“, die er je geschrieben hat, und beschreibt es als „etwas verhältnismäßig Anspruchsvolles“: „Aber ich glaube, das ist auch notwendig, wenn es um so eine Weltgruppe geht.“
Gesundheitlich geht es wieder aufwärts: Seit dem 24. September ist Siegel nach fast drei Monaten zurück in seinem Zuhause. „Ich will hier auch nicht mehr weg“, sagte er. Seinen ersten öffentlichen Auftritt nach dem Koma plant er für den 22. Oktober bei der Wiederaufnahme seines Musicals „Zeppelin“ in Füssen – im Rollstuhl, wie er sagt. Wie er die Wochen nach dem Koma erlebt hat, schildert Ralph Siegels Bericht.
Vom Koma zur ESC-Bewerbung
- Juli 2026Künstliches Koma
Nach einer schweren Erkrankung wird Siegel in ein künstliches Koma versetzt – nach früheren Berichten für 18 Tage.
- Anfang August 2026Der Song aus dem Koma
Siegel sagt dem „Münchner Merkur“, er habe „aus dem Koma ein fantastisches Lied mitgebracht“. Für welchen Act, bleibt offen.
- Mitte August 2026Erwachen und Reha
Siegel erwacht aus dem Koma, es folgen eine Reha in der Privatklinik Jägerwinkel am Tegernsee und ein Aufenthalt in der Wittelsbacher Klinik.
- 21. September 2026Ende der Einreichfrist
Die Frist für „Das Deutsche Finale 2027“ läuft ab. Siegel zufolge reicht es „gerade noch“ mit seinem Song.
- 24. September 2026Wieder zu Hause
Nach fast drei Monaten und sieben Krankenhausaufenthalten kehrt Siegel heim.
- 26. September 2026Die Enthüllung
Schlagerpuls veröffentlicht das Interview, in dem Siegel den Koma-Song Dschinghis Khan zuordnet.
Der SWR lässt die Bewerbung offen
Für die deutsche Auswahl ist der Südwestrundfunk zuständig; er sammelte Beiträge für „Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale 2027“. Den Eingang von Siegels Bewerbung wollte der Sender auf Anfrage nicht bestätigen und erklärte, er gebe „zum laufenden Auswahlverfahren und einzelnen Bewerbungen für den Eurovision Song Contest keine Auskunft“. Ein Startplatz im Vorentscheid ist damit nicht gesichert.
Ob die Neuauflage überhaupt mit der Originalband mithalten kann, ist in ESC-Fankreisen umstritten. Siegel selbst hält seine Erwartungen lieber klein – und verrät in dem Interview, worum es ihm inzwischen eigentlich geht.
„Ich wünsche mir einfach nur, in der Vorentscheidung dabei zu sein. Ich habe wirklich was Tolles eingereicht.“
Warum ausgerechnet Dschinghis Khan?
Die Verbindung reicht fast fünf Jahrzehnte zurück: 1979 stellte Siegel die Gruppe eigens für den Eurovision Song Contest zusammen. Mit dem gleichnamigen Titel erreichte Dschinghis Khan in Jerusalem Platz vier, das markante „Hu-ha“ wurde anschließend ein Mega-Hit und stürmte in Deutschland auf Platz eins. Die „nächste Generation“ der Band soll 2027 auf Deutschlandtour gehen – und laut Siegel die Eurovision gewinnen.
Siegel prägte den Wettbewerb über Jahrzehnte: Seit 1974 war er 24-mal dabei und schrieb rund 3.000 Lieder. 1982 gewann er mit Nicole und „Ein bisschen Frieden“, zweite Plätze holte er 1980 mit Katja Ebstein und 1987 mit Wind. Seinen letzten deutschen ESC-Beitrag lieferte er 2003 für Lou, später schrieb er Songs für die Schweiz, Malta, Montenegro und San Marino.
Siegels erfolgreichste ESC-Beiträge
Platzierung im Finale (1 = Sieg)
Der Vorentscheid „Das Deutsche Finale 2027“ soll an einem Samstag im Februar 2027 in der ARD laufen, Termin und Ort stehen laut dpa noch nicht fest. Das ESC-Finale findet am 15. Mai 2027 im bulgarischen Burgas statt. Über Titel, Sprache und eine mögliche Bühneninszenierung ist bislang nichts Belastbares veröffentlicht – ob Dschinghis Khan nominiert wird, entscheidet der SWR.
