CDU Mühlenbecker Land fordert in Brandbrief Konsequenzen von Merz
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CDU Mühlenbecker Land fordert in Brandbrief Konsequenzen von Merz

Neun CDU-Mitglieder aus dem Mühlenbecker Land fordern von Friedrich Merz Konsequenzen aus den verlorenen Wahlen – Taten statt Ankündigungen. Es ist der zweite Brandbrief aus Brandenburg binnen gut zwei Wochen, eine Antwort der Bundespartei darauf ist nicht dokumentiert.

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Die CDU im brandenburgischen Mühlenbecker Land stellt sich offen gegen Kanzler und Parteichef Friedrich Merz: Neun Christdemokraten aus dem Landkreis Oberhavel verlangen in einem Brandbrief Konsequenzen aus den verlorenen Wahlen. Veröffentlicht wurde das Schreiben über Facebook; am 26. September 2026 folgte die dpa-Meldung zum Brandbrief aus dem Mühlenbecker Land.

Die zentrale Botschaft des Briefes lautet: „Jetzt ist der Zeitpunkt für Konsequenzen.“ Ausformuliert wird sie so: „Wir erwarten, dass Fehler benannt, politische Entscheidungen überprüft und konkrete Veränderungen statt weiterer Ankündigungen vorgenommen werden.“ Ankündigungen, Reform-Erklärungen und Verweise auf langfristige Wirkungen reichen den Unterzeichnern nicht mehr.

Stattdessen zählt der Brief auf, „was bei den Menschen ankommen muss“: „Familien wollen spürbare Entlastung. Handwerker und Mittelständler wollen weniger Bürokratie. Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen.“ Zugleich verstehen die Unterzeichner ihr Schreiben als „Weckruf“ und wollen weiter für die Partei kämpfen – aber deutlich sagen, wenn die Bundespartei den Kontakt zur Basis verliert.

Die Basis fühlt sich nicht mehr gehört

Unterzeichnet ist der Brief von Ortsvorsitzender Katja Behrendt-Didszun und acht weiteren Mitgliedern. In der Gemeinde Mühlenbecker Land stellt die CDU 7 von 28 Gemeindevertretern – ein zahlenmäßig kleiner Verband, der sich aus der kommunalen Alltagserfahrung heraus Gehör verschafft. Die Unterzeichner verlangen, dass die Bundespartei die Basis stärker einbezieht.

Die Ortsvorsitzende beschreibt die Entfremdung gegenüber der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ als grundsätzlich – und als täglich spürbar:

„Wir gehen mit der Bundespolitik überhaupt nicht mehr konform. Wir kriegen jeden Tag den Ärger der Bürger zu spüren.“
Katja Behrendt-Didszun, CDU-Ortsvorsitzende Mühlenbecker Land

Auslöser: drei verlorene Wahlen

Das Schreiben reagiert auf eine Serie von Niederlagen: Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verlor die CDU stark. In Sachsen-Anhalt kam die AfD auf 43,8 Prozent, die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die Partei erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde und flog aus dem Schweriner Landtag.

Merz hatte das Ausscheiden aus dem Landtag als „tiefe Zäsur“ bezeichnet, will aber im Amt bleiben und den Reformkurs der schwarz-roten Koalition fortsetzen. In Brandenburg wächst die Sorge, die dortige CDU könne ähnlich abstürzen. Eine öffentlich dokumentierte Antwort der Bundespartei speziell auf den Mühlenbecker Brief gibt es bislang nicht.

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Nicht der erste Brandbrief aus Brandenburg

Die Mühlenbecker sind nicht die Ersten: Schon am 9. September 2026 wandten sich 33 CDU-Mitglieder aus Großbeeren mit einer Austrittsdrohung an Merz, unter ihnen Ortsvorsitzender Adrian Hepp und Bürgermeister Martin Wonneberger. Sie forderten Selbstkritik statt Erklärungen – und wollten einen Parteiaustritt prüfen, falls eine CDU-geführte Regierung in Sachsen-Anhalt von der Linken abhängt und die Bundesführung das akzeptiert.

Am selben Wochenende wie der Brief aus dem Mühlenbecker Land legte der Christlich-Demokratische Arbeitnehmerverband sein Grundsatzpapier „Reform einer Volkspartei“ vor. Laut dem Bericht über das CDA-Grundsatzpapier heißt es darin, die CDU werde ihrem Anspruch als Volkspartei „nicht mehr gerecht“; den erstmaligen Flug der Partei aus einem Landtag nennt der Verband „keinen Betriebsunfall“.

„Natürlich muss sich auch Herr Merz in seinem Verhalten, in seiner Ausrichtung, auch in seiner Kommunikation verändern, wenn wir aus diesem Knick herauskommen wollen.“
Dennis Radtke, Bundesvorsitzender des CDA

Radtke lehnt einen Wechsel im Kanzleramt ab, fordert aber, die „arbeitende Mitte“ zurückzugewinnen und mehr Beschäftigte aus Pflege, Handwerk und Industrie als Kandidaten zu nominieren. Ob und wie Merz oder die CDU-Bundespartei auf die Brandbriefe aus Brandenburg antworten, ist offen – eine öffentliche Reaktion speziell auf das Schreiben aus dem Mühlenbecker Land ist nicht dokumentiert.