Tigst Assefa gewinnt Berlin-Marathon trotz Achillessehnenriss
Bild: KI-generiert
Leichtathletik

Tigst Assefa gewinnt Berlin-Marathon trotz Achillessehnenriss

Tigst Assefa gewinnt den Berlin-Marathon in 2:11:04 Stunden – und reißt sich dabei die rechte Achillessehne komplett. Bis Kilometer 40 liegt die 29-Jährige auf Weltrekordkurs, dann humpelt sie ins Ziel; am Ende fehlen 68 Sekunden. World Athletics spricht zunächst von einem Teilriss, ihr Manager von einem kompletten.

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Mit einer komplett gerissenen rechten Achillessehne hat Tigst Assefa den Berlin-Marathon am Sonntag gewonnen. Die 29-jährige Äthiopierin humpelte die letzten Kilometer ins Ziel – und lief in 2:11:04 Stunden zugleich einen neuen Streckenrekord.

Es ist die drittschnellste Frauen-Marathonzeit der Geschichte und eine Verbesserung ihres eigenen Streckenrekords von 2023 um 49 Sekunden. Kurz vor dem 40-Kilometer-Punkt begann Assefa sichtbar zu humpeln, für die letzten 2,2 Kilometer brauchte sie mehr als acht Minuten.

Nach dem Zieleinlauf brach sie zusammen und weinte vor Schmerzen. Die Marathonlegende Haile Gebrselassie, der einst selbst eine schwere Achillessehnenverletzung erlitten hatte, stützte sie. Assefa musste auf die Siegerehrung und die Pressekonferenz verzichten und wurde umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Auf Weltrekordkurs bis Kilometer 40

Von Beginn an lag Assefa auf Weltrekordkurs. Die 10-Kilometer-Marke passierte sie nach 30:48 Minuten, die Halbmarathonmarke nach 1:04:57 Stunden – eine Sekunde unter dem angepeilten Zielsplit. Am 30-Kilometer-Punkt standen 1:32:15 Stunden, die Hochrechnung ergab eine Zielzeit von 2:09:45 Stunden.

Damit hätte sie den Weltrekord von Ruth Chepngetich unterboten, der seit Chicago 2024 bei 2:09:56 Stunden steht. Chepngetich ist derzeit wegen eines positiven Dopingtests gesperrt. Am Ende fehlten Assefa 68 Sekunden auf diese Bestmarke.

Noch bei Kilometer 35 lag sie vor dem Weltrekordkurs. Die ersten Schmerzen verspürte sie allerdings schon ab Kilometer 31, wie ihr Manager später schilderte.

„Ab Kilometer 31 fingen die Schmerzen an, ab dem 40. Kilometer wurden sie dann sehr stark. Es ist unglaublich, wie sie mit dieser Verletzung und diesen Schmerzen überhaupt weitergelaufen ist und das Rennen gewonnen hat.“
Gianni Demadonna, Manager von Tigst Assefa

Ab Kilometer 40 humpelt sie ins Ziel

Ab dem 40. Kilometer wurden die Schmerzen sehr stark. Die letzten 2,2 Kilometer, auf denen Assefa zuvor noch zehn Sekunden vor dem Weltrekordkurs gelegen hatte, absolvierte sie laut dem Bericht über ihren Sieg in Berlin in etwas mehr als acht Minuten.

Am Ende standen 2:11:04 Stunden – 49 Sekunden schneller als ihr Streckenrekord von 2023 und die drittschnellste Frauen-Marathonzeit der Geschichte. Der dritte Berliner Streckenrekord ist ein bislang einzigartiger Erfolg in der Geschichte des BMW Berlin-Marathon.

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Teilriss oder kompletter Riss

Am Tag nach dem Lauf bestätigte Demadonna den kompletten Riss der rechten Achillessehne. Der Riss sei ein schleichender Prozess gewesen und nicht auf einen Schlag erfolgt. Zuvor hatte der Leichtathletik-Weltverband World Athletics von einem Teilriss berichtet, Renndirektor Mark Milde sprach anfangs vage von einer Verletzung an der rechten Achillessehne.

Assefa wurde umgehend von Berlin nach München geflogen. Am Montagmorgen, dem 28. September, operierte sie Johannes Gabel, Spezialist für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie und Chefarzt der BG Unfallklinik Murnau.

Die Operation sei laut den Ärzten gut verlaufen, teilte Demadonna mit. Die genaue Diagnose lautete auf einen „kompletten und komplexen“ Riss der rechten Achillessehne. Assefa kann sechs Wochen nicht laufen und muss eine Schiene tragen.

Demadonna rechnet mit einer Wettkampfpause von mindestens sechs bis sieben Monaten. Er hofft, dass Assefa bis zum London-Marathon im April 2027 wieder fit ist. Gegenüber The Athletic erklärte er, sie werde nach einem zweimonatigen Rehabilitationsprogramm im dritten Monat mit dem Gehen beginnen und nach drei Monaten mit dem Laufen – wenn alles gut geht. Ein Start bei einem Marathon im Frühjahr 2027 gilt als unwahrscheinlich.

Ein Marathon der Rekorde

Renndirektor Mark Milde zeigte sich tief beeindruckt von Assefas Leistung: Man müsse sich davor verneigen, sie sei fast das ganze Rennen über auf Weltrekordkurs gewesen. So ins Ziel zu kommen, habe er noch nie gesehen.

Bei den Männern gewann der Äthiopier Guye Adola in 2:02:50 Stunden und damit zum zweiten Mal nach 2021. Gemechu Diriba wurde Zweiter in 2:03:19 Stunden, Gabriel Geay aus Tansania Dritter in 2:03:59 Stunden.

Bei den Frauen belegten Bedatu Hirpa (2:16:53) und Dera Dida (2:16:55) die Plätze zwei und drei, die ersten fünf Finisherinnen kamen alle aus Äthiopien. Schnellste Deutsche war Anna Langerwisch vom Marathon Team Berlin in 2:27:31 Stunden auf Rang 16. Esther Pfeiffer, die den 18 Jahre alten deutschen Rekord von Irina Mikitenko (2:19:19) angreifen wollte, gab nach etwa 14 Kilometern auf.

Die Addition der Siegerzeiten von Frauen und Männern ergab 4:13:54 Stunden – der zweitschnellste Marathon der Geschichte nach Chicago 2024 (4:12:40). Auch abseits der Spitze war der Tag bemerkenswert: zwei Läuferinnen liefen den Berlin-Marathon dreimal. Wann Tigst Assefa wieder an einer Startlinie steht, bleibt offen.