Weltvermögen steigt auf 268,4 Billionen Euro – Europa fällt zurück
Bild: KI-generiert
Kapitalmärkte

Weltvermögen steigt auf 268,4 Billionen Euro – Europa fällt zurück

Die privaten Haushalte weltweit sind so reich wie nie – 268,4 Billionen Euro. Doch fast der gesamte Zuwachs stammt aus Börsengewinnen: Nordamerika nimmt 51,4 Prozent des Wachstums mit, Westeuropa kommt auf ein nominales Plus von 4,5 Prozent, Deutschland bleibt beim Sparen.

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Das Geldvermögen privater Haushalte hat 2025 einen Rekordwert erreicht: 268,4 Billionen Euro, ein Plus von 8,6 Prozent. Die Zahlen des Global Wealth Report 2026 zeigen zugleich, wie ungleich dieses Wachstum ausfällt: Auf Nordamerika entfielen 51,4 Prozent des weltweiten Vermögenszuwachses, Westeuropa wuchs nominal nur um 4,5 Prozent.

Getragen wurde das Plus nicht vom Sparen, sondern von den Kapitalmärkten. Rund vier von fünf zusätzlichen Euro entfielen auf Wertsteigerungen bestehender Anlagen, die Neuanlagen sanken um 5,4 Prozent auf 4,1 Billionen Euro. Wertpapiere legten weltweit um 12,4 Prozent zu und erreichten mit 46,9 Prozent einen Rekordanteil am globalen Geldvermögen – mehr als doppelt so stark wie Bankeinlagen (+5,7 Prozent) oder Versicherungen und Pensionen (+5,0 Prozent).

Warum Amerika beim Vermögen davonzieht

In den vergangenen zehn Jahren gingen in Nordamerika 71 Prozent des Vermögenswachstums auf Wertsteigerungen zurück, in Westeuropa nur 36 Prozent. Nordamerikanische Haushalte halten 60,7 Prozent ihres Portfolios in Wertpapieren. Am Sparen liegt es laut Allianz ausdrücklich nicht: Im Verhältnis zum Vermögen legten Westeuropäer in den vergangenen zehn Jahren sogar etwas mehr zurück als Nordamerikaner.

Die Allianz liest daraus ein strukturelles Problem Europas: nicht zu wenig Sparen, sondern die geringere Beteiligung an den Kapitalmärkten. Real bleibt vom Rekord ohnehin wenig: Nominal ist das globale Geldvermögen seit 2019 um 50 Prozent gestiegen, nach Abzug der Inflation nur um 23 Prozent.

Reales Geldvermögen 2025 im Vergleich zu 2019

Veränderung in Prozent

Quelle: Allianz Global Wealth Report 2026

USA führen, Deutschland steigt auf Rang 12

Beim Netto-Geldvermögen pro Kopf – also nach Abzug der Schulden – liegen die USA mit 296.950 Euro (+9,8 Prozent) vorn, gefolgt von der Schweiz (275.980 Euro) und Dänemark (197.510 Euro). Deutschland belegt mit 91.780 Euro (+6,4 Prozent) unverändert Rang 12, direkt vor Italien (91.730 Euro) und Japan (89.420 Euro). Schlusslicht ist Pakistan mit 490 Euro pro Kopf.

Der Sprung Deutschlands von Rang 17 im Jahr 2005 auf Rang 12 geht laut Allianz vor allem auf die Deutsche Bundesbank zurück, die Daten der Vergangenheit erheblich revidiert und nicht börsennotierte Beteiligungen höher bewertet hat. Beim Brutto-Geldvermögen liegt die Schweiz weiterhin vor den USA. Erst nach Abzug der Schulden dreht sich das Bild: Schweizer Haushalte tragen 130.080 Euro Verbindlichkeiten pro Kopf, US-Haushalte nur 52.730 Euro.

Netto-Geldvermögen pro Kopf 2025

Nach Abzug der Schulden, in Euro

Quelle: Allianz Global Wealth Report 2026

Erstmals mehr Wertpapiere als Bankeinlagen

In Deutschland hat sich die Anlagestruktur verschoben: Erstmals seit Beginn der Datenreihe überholten Wertpapiere mit einem Portfolioanteil von 37,1 Prozent die Bankeinlagen (36,4 Prozent). Der Wertpapieranteil liegt damit leicht über dem westeuropäischen Schnitt, aber deutlich unter dem globalen Wert von 46,9 Prozent. Das Brutto-Geldvermögen stieg 2025 um 4,9 Prozent auf 9,9 Billionen Euro, wie die tagesschau zum Geldvermögen privater Haushalte zusammenfasst.

Nur 31 Prozent des deutschen Vermögenszuwachses stammten aus Wertsteigerungen, weltweit waren es rund 80 Prozent. Die Verbindlichkeiten der Haushalte stiegen langsamer (+1,9 Prozent auf 2,2 Billionen Euro) – anders als Deutschlands Schuldenberg von 2.662,2 Milliarden Euro, der Ende 2025 einen neuen Höchststand erreichte. Das Netto-Geldvermögen der Haushalte legte um 5,8 Prozent auf 7,7 Billionen Euro zu, real blieb 2025 ein Plus von 2,5 Prozent.

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KI als Motor – und als Risiko

Für 2026 erwartet Allianz Research ein weltweites Plus von rund 9 Prozent – für Deutschland dagegen nur rund 4 Prozent. Begründet wird das mit der moderateren Entwicklung des hiesigen Aktienmarkts und der gedämpften Nachfrage nach Versicherungs- und Pensionsprodukten. Mittelfristig rechnen die Ökonomen mit jährlich 5 bis 6 Prozent, gebremst durch schwächeres Wirtschaftswachstum, Inflationsdruck, geopolitische Fragmentierung und hohe Staatsschulden.

„KI könnte zum nächsten großen Motor der Vermögensbildung werden. Doch entscheidend ist, wer die Vermögenswerte besitzt – und damit an den Erträgen teilhat. Wenn sich die Wertschöpfung durch KI stärker in Richtung Kapital verschiebt, werden eine breitere Beteiligung an Kapitalerträgen und Maßnahmen zur Unterstützung der Beschäftigten beim Wandel entscheidend sein, damit möglichst viele Menschen von der KI-Dividende profitieren.“
Katharina Utermöhl, Head of Thematic & Policy Research, Allianz Research

Zum entscheidenden Faktor wird Künstliche Intelligenz – in beide Richtungen: Der S&P 500 liegt seit Ende 2022 rund 95 Prozent höher, ein großer Teil des jüngsten Vermögenszuwachses beruht auf KI-Erwartungen. Die Allianz hat ein Negativszenario durchgerechnet: Eine Korrektur des S&P 500 um 25 Prozent würde rund 27 Billionen US-Dollar US-Haushaltsvermögen vernichten – fast 14 Prozent des Nettovermögens – und die USA in eine Rezession drücken. Offen bleibt, ob von der KI-Dividende am Ende nur die Vermögensbesitzer profitieren.