Collien Fernandes berichtet von Drohungen und Suizidaufforderungen
Bild: KI-generiert
Digitale Gewalt

Collien Fernandes berichtet von Drohungen und Suizidaufforderungen

An ihrem 45. Geburtstag wird Collien Fernandes in den Medien gewürdigt – zugleich berichtet sie von Drohungen und Suizidaufforderungen. Ihr Ex-Mann Christian Ulmen soll über Jahre Fake-Profile unter ihrem Namen betrieben haben; er widerspricht. Am 1. Oktober will sie im NRW-Landtag über digitale Gewalt sprechen.

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Rund 30 Männer sollen über Jahre pornografische Videos und erfundene Geschichten von Collien Fernandes (45) erhalten haben – abgeschickt von ihrem Ex-Mann, so lautet ihr Vorwurf. An diesem 26. September 2026 wird die Moderatorin, Schauspielerin und Aktivistin 45 Jahre alt.

Der Tag wird in den Medien mit Würdigungen statt mit Party-Bildern begangen: Der von spot on news produzierte Porträttext „Das unterschätzte Gesicht der Popkultur“ lief unter anderem bei Gala, web.de, stern.de und Yahoo. In dem Porträt zum 45. Geburtstag bei Gala heißt es, hinter ihr lägen „Monate, die wohl zu den schwierigsten ihres bisherigen Lebens zählen“.

Zugleich steht Fernandes unter Beschuss: Sie berichtet von Drohungen und Suizidaufforderungen, die sie über Facebook erreichten; die Produzenten des ZDF-„Traumschiffs“ deaktivierten zeitweise die Kommentarfunktion. RTL und Gala verorten sie als Galionsfigur einer „neuen, wütenden Welle des Feminismus“, n-tv beschreibt sie als Frau mit „Vorbildfunktion“, die ebenso gefeiert wie gehasst werde.

Vom Musiksender zum Traumschiff

Geboren wurde Collien Monica Fernandes am 26. September 1981 in Hamburg, als Tochter einer deutsch-ungarischen Mutter und eines portugiesisch-indischen Vaters; die Familie des Vaters stammt aus Goa. Sie wuchs in Pinneberg auf und zog mit 15 Jahren von zu Hause aus.

Es folgten Modeljobs, Ende der 1990er die Band Yam Yam, eine klassische Ballettausbildung in Hamburg und London sowie Auftritte als Backgroundtänzerin, unter anderem für Enrique Iglesias. 2000 bewarb sie sich bei VIVA und wurde Moderatorin.

Von 2001 bis 2002 moderierte sie „Bravo TV“ und „The Dome“ für RTL II, von 2003 bis 2015 war sie fest beim Musiksender VIVA, dazu Einsätze bei MTV, VOX, ProSieben und Sat.1. 2004 folgte ihr Kinodebüt („Autobahnraser“), 2013 der MIRA-Award, von 2017 bis 2023 die Comedyserie „jerks.“. Seit 2021 spielt sie im ZDF-„Traumschiff“ die Schiffsärztin Dr. Jessica Delgado.

Kampf gegen digitale Gewalt

Bereits 2023 forderte Fernandes mit der Organisation HateAid schärfere Gesetze und übergab eine Petition mit fast 77.000 Unterschriften an die Politik. 2024 war sie Hauptprotagonistin der zweiteiligen ZDF-Doku „Die Spur: Deepfake-Pornos“.

Darin sagte sie über die Folgen für die Betroffenen: „Allein zu wissen, was da passiert, das war so mit einem gewissen Ekel verbunden, weil die eigene Sexualität so entfremdet wird.“ Mit Blick auf die Rechtslage nannte sie Deutschland ein „Täterparadies“.

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Die Anzeige gegen Christian Ulmen

Im März 2026 machte eine Titelgeschichte des „Spiegel“ öffentlich, dass Fernandes ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen (51), beim Bezirksgericht in Palma angezeigt hat – unter anderem wegen Identitätsdiebstahls, öffentlicher Beleidigung und Körperverletzung.

Laut „Spiegel“ soll Ulmen über zehn Jahre unter ihrem Namen Fake-Accounts betrieben, gefälschte Bilder und pornografische Videos sowie erfundene pornografische Geschichten an rund 30 Männer geschickt und sie damit „virtuell vergewaltigt“ haben. Ulmen widerspricht ihrer Darstellung in wesentlichen Punkten; es gilt die Unschuldsvermutung.

Aus Solidarität demonstrierten am 22. März 2026 mehrere Tausend Menschen am Brandenburger Tor, am 26. März sprach Fernandes selbst bei einer Demo in Hamburg; 250 Frauen aus Politik, Kultur und Wirtschaft forderten in einem offenen Brief die Strafbarkeit nicht-einvernehmlicher sexualisierter Deepfakes. Ende März nahm die Staatsanwaltschaft Itzehoe Ermittlungen gegen Ulmen auf, im April verwies das Gericht in Palma das Strafverfahren an die deutsche Justiz.

Die Entwicklung seit der Trennung

  1. September 2025
    Trennung von Christian Ulmen

    Das Paar erklärt: „Als Paar gehen wir fortan getrennte Wege, doch als Eltern werden wir weiterhin gemeinsam für unsere Tochter da sein.“

  2. Februar 2026
    Scheidung in Palma de Mallorca

    Die 2011 geschlossene Ehe wird geschieden; Fernandes tritt wieder unter ihrem Geburtsnamen auf.

  3. 19. März 2026
    „Spiegel“-Titelgeschichte über die Anzeige

    Der „Spiegel“ berichtet über Fernandes' Anzeige gegen Ulmen beim Bezirksgericht in Palma.

  4. 22. März 2026
    Demonstration am Brandenburger Tor

    Mehrere Tausend Menschen demonstrieren unter dem Motto „Gegen sexualisierte digitale Gewalt“.

  5. 28. März 2026
    Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Itzehoe

    Die Behörde nimmt Ermittlungen gegen Ulmen auf.

  6. April 2026
    Verfahren geht an die deutsche Justiz

    Das Gericht in Palma erklärt sich für unzuständig und verweist das Strafverfahren nach Deutschland.

Ein Neuanfang nach schwierigen Monaten

Im September 2026 begleitete Fernandes als offizielle Filmpatin den Kinostart von „That's why the Lady is a Champ“ (3. September) und nutzte die Kinotour, um über Frauenrechte und häusliche Gewalt aufzuklären – Der Hass gegen sie gehören für sie inzwischen zusammen.

Bereits im Juni 2026 hatte sie im RTL-Format „Exklusiv Weekend“ über eine mögliche neue Liebe gesprochen. Anfang September sagte sie gegenüber n-tv über ihre Pläne:

„Ich würde gern noch mal einen Neuanfang wagen. Einen Neuanfang, in dem alles normal und gesund läuft, und keine toxischen Dinge passieren.“
Collien Fernandes, Moderatorin, Schauspielerin und Aktivistin

Am 1. Oktober als Sachverständige im Landtag

Am 26. September 2026 – ihrem Geburtstag – meldete die dpa, dass Fernandes auf Einladung der SPD-Fraktion am 1. Oktober 2026 im Düsseldorfer NRW-Landtag als Sachverständige auftreten soll. Thema der Anhörung zu digitaler Gewalt und Deepfakes ist genau das Feld, in dem sie seit Jahren unterwegs ist.

Für den SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag, Jochen Ott, hat der Auftritt politisches Gewicht. Er sagt: „Wir alle wissen inzwischen: Digitale Gewalt ist die Pest des 21. Jahrhunderts. Besonders häufig betroffen sind Frauen, Kinder und Jugendliche sowie queere Menschen – vor allem, wenn sie in der digitalen Öffentlichkeit stehen.“

Am 1. Oktober wird sich zeigen, ob die Anhörung über ein Stimmungsbild hinausgeht. Fernandes hat ihren eigenen Fall mehrfach zum Anlass genommen, schärfere Gesetze gegen digitale Gewalt zu fordern.