Deutschlandticket soll 2027 auf 66,90 Euro steigen
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Nahverkehr

Deutschlandticket soll 2027 auf 66,90 Euro steigen

Der Koordinierungsrat will an diesem Mittwoch den Preis für 2027 festlegen – im Gespräch sind 66,90 Euro statt bisher 63. Pro Bahn, BUND und VCD protestieren schon jetzt gegen die Erhöhung.

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Ab dem 1. Januar 2027 soll das Deutschlandticket 66,90 Euro im Monat kosten – 3,90 Euro mehr als die bislang 63 Euro. Nach dem Bericht der Rheinischen Post zum neuen Preis soll die Summe die Marke von 67 Euro bewusst knapp unterschreiten. Offiziell bestätigt ist der Preis noch nicht: Alle Beteiligten bewahrten zunächst Stillschweigen, die endgültige Entscheidung stand aus.

An diesem Mittwoch, dem 30. September 2026, will der Koordinierungsrat Deutschlandticket den Preis für 2027 festlegen. Dem Vernehmen nach kommen am Vormittag zunächst die Länder zu einer kurzen Schaltkonferenz zusammen; am späteren Mittag tagt dann der Koordinierungsrat mit Vertretern von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden und Verkehrsbranche.

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Erstmals rechnet eine Formel den Preis aus

Zum ersten Mal wird der Preis nicht mehr politisch beschlossen – die Verkehrsminister der Länder hatten 58 Euro für 2025 und 63 Euro für 2026 festgelegt. Stattdessen berechnet ein automatisierter Kostenindex die Anpassung; darauf hatten sich die Länder am 26. März 2026 auf der Verkehrsministerkonferenz in Lindau am Bodensee verständigt. Mit der Berechnung beauftragte der Koordinierungsrat am 2. Juni 2026 die D-Tix GmbH & Co. KG.

Der Index gewichtet Personalkosten mit 55 Prozent, Energiekosten mit 20 Prozent und allgemeine Betriebskosten mit 25 Prozent. Über einen Wertfaktor fließen die staatlichen Zuschüsse von Bund und Ländern ein; ein höherer Ticketabsatz dämpft den Anstieg. Ab 2028 soll zusätzlich ein Dämpfungsfaktor greifen – für die erste Anpassung zum Jahr 2027 noch nicht. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter nannte die Formel damals „eine komplizierte Formel … das ist jetzt wirklich Mathematik“.

Was 66,90 Euro konkret bedeuten

Bei 66,90 Euro wären das 3,90 Euro mehr pro Monat, ein Plus von rund 6,2 Prozent. Auf zwölf Monate gerechnet zahlt eine Person 802,80 Euro statt 756 Euro – 46,80 Euro Mehrbelastung pro Jahr, für einen Haushalt mit zwei Abos 93,60 Euro. Gegenüber dem Einführungspreis von 49 Euro im Mai 2023 liegt der Anstieg innerhalb von vier Jahren bei 17,90 Euro oder knapp 37 Prozent.

Preis des Deutschlandtickets seit dem Start

Euro pro Monat; der Wert für 2027 ist noch nicht offiziell bestätigt

Quelle: Rheinische Post, 30. September 2026

Schon vor der Entscheidung kursierten ähnliche Werte: Das WDR-Data-Team errechnete am 1. September 2026 rund 66,80 Euro, die Deutsche Umwelthilfe und der Tagesspiegel kamen Anfang August auf 66,40 Euro. Preistreiber sind gestiegene Personalkosten und höhere Dieselpreise, die binnen zwölf Monaten um rund zehn Prozent zulegten. Gesunkene Stromkosten wirkten dämpfend.

Widerstand von Pro Bahn, BUND und VCD

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält den kolportierten Preis für wahrscheinlich und zugleich für grenzwertig. Sein Ehrenvorsitzender Detlef Neuß nimmt die knapp 67 Euro zähneknirschend hin. Er verlangt nach dem für Autofahrer auch einen Rabatt für die Nutzer des Deutschlandtickets, kritisiert eingefrorene Zuschüsse von Bund und Ländern und nennt höhere Trassenpreise der Bahn als weiteren Kostentreiber.

„Es reicht jetzt erst mal.“
Detlef Neuß, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn

Der BUND hält es für nicht akzeptabel, dass die Bundesregierung 2,5 Milliarden Euro Steuergeld für einen weiteren Tankrabatt freimacht, den Preis des Tickets aber nicht stabil hält. Der Bundestagsbeschluss über den Tankrabatt datiert vom 25. September; ab dem 1. Oktober sinken die Energiesteuern auf Diesel und Benzin um 14,04 Cent je Liter. Der VCD fordert ein bundesweites Sozialticket für höchstens 29 Euro samt je 400 Millionen Euro zusätzlich von Bund und Ländern.

Die Branche drängt auf eine Entscheidung

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der rund 700 Unternehmen des Personennah- und Schienengüterverkehrs vertritt, dringt auf eine schnelle Festlegung. Für die Kundeninformation und die Umstellung des Vertriebs würden rund drei Monate benötigt, sagte ein Sprecher – nur so könnten Betriebe und Fahrgäste rechtzeitig informiert werden.

Für die Verkehrsunternehmen bleibt das Ticket eine finanzielle Herausforderung: Die Fahrkartenerlöse decken die Kosten nicht. Bund und Länder gleichen einen Teil der Mindereinnahmen mit je 1,5 Milliarden Euro pro Jahr aus; die Finanzierung ist bis 2030 gesichert, rund 14,5 Millionen Menschen nutzen das Ticket. Im Koalitionsvertrag steht, den Anteil der Nutzerfinanzierung erst ab 2029 schrittweise und sozialverträglich zu erhöhen. Ob die 66,90 Euro tatsächlich kommen, will der Koordinierungsrat an diesem Mittwoch verkünden.