Pariser Gericht verurteilt Clan Hamidovic zu acht Jahren Haft
Das Pariser Strafgericht hat sieben Mitglieder des Roma-Clans Hamidovic verurteilt: acht Jahre Haft für den Chef, dauerhaftes Einreiseverbot für alle. Die Kinder mussten täglich in Metro und Disneyland stehlen – laut Anklage 25.000 Euro Beute pro Tag.
Acht Jahre Haft und 500.000 Euro Geldstrafe für den Clanchef: Das Pariser Strafgericht hat Roberto Hamidovic (48) am Mittwoch, 23. September 2026, als Kopf eines Menschenhändler-Netzwerks verurteilt. Der Vorwurf reicht von Menschenhandel über bandenmäßigen Diebstahl und die Verleitung Minderjähriger bis zu Geldwäsche und krimineller Vereinigung.
Mit ihm wurden sechs weitere Mitglieder des bosnischstämmigen Roma-Clans verurteilt – vier Männer und drei Frauen. Ehefrau Lejla Hamidovic erhielt sechs Jahre Haft und 300.000 Euro Geldstrafe; zwei Söhne, darunter Roberto Junior („Gony“, 22), ein Neffe und zwei Schwägerinnen kamen mit fünf bis sieben Jahren davon. Alle sieben müssen Frankreich dauerhaft verlassen, berichtet der Guardian in seinem Bericht über das Urteil gegen den Clan.
Täglich 25.000 Euro Beute aus der Metro
Die Kinder trugen die Arbeit: Gruppen von sechs bis neun Minderjährigen – meist Mädchen, teils erst zehn Jahre alt – wurden täglich in die Pariser Metro, zum Flughafen Charles de Gaulle, auf die RER-Bahnsteige von Marne-la-Vallée und ins Disneyland Paris geschickt, vor allem zur Abendparade. Es war ein System des Terrors, das die Recherche von Le Monde über den Clan Hamidovic beschreibt.
Die Beute lag im Schnitt bei 25.000 Euro pro Tag; nach Polizeiangaben soll der Clan für bis zu 75 Prozent der Taschendiebstähle in der Pariser Metro verantwortlich gewesen sein. Wer zu wenig ablieferte, wurde geschlagen, mit Verbrennungen traktiert oder sexuell missbraucht. Wer aufgegriffen wurde, sollte behaupten, zwölf Jahre alt zu sein – unter der französischen Strafmündigkeitsgrenze von 13 Jahren.
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Die Staatsanwaltschaft forderte Härte
Am 22. September hatte die Staatsanwaltschaft für Roberto Hamidovic neun Jahre und 800.000 Euro verlangt, für Lejla sieben Jahre und 200.000 Euro, dazu fünf bis sieben Jahre für die übrigen Angeklagten – und für alle ein Einreiseverbot. Das Gericht blieb bei den Haftstrafen unter diesen Anträgen, verhängte die dauerhaften Einreiseverbote aber wie gefordert.
Für Staatsanwältin Alice Guillet war der Fall vor allem die Geschichte von Kindern, die der Clan zu Tätern machte. „Sie wurden von Opfern zu Tätern“, sagte sie. Bei ähnlichen Fällen urteilten Gerichte zuletzt hart: Das Oberlandesgericht München verurteilte im Juli ein irakisches Ehepaar wegen Völkermords und Versklavung jesidischer Mädchen zu lebenslanger Haft.
„Das einzige Mittel gegen ein solches System ist Härte. Das sendet eine Botschaft.“
Alice Guillet, Staatsanwältin in Paris
Vom Netzwerk des Onkels zur verurteilten Clangeneration
Der Clan war den Behörden seit Jahren bekannt. Schon 2009 erbeutete das Netzwerk um Féhim Hamidovic nach Ermittlerschätzungen 1,3 Millionen Euro im Jahr; junge Frauen mussten 300 Euro pro Tag abliefern. 2013 verurteilte ein Pariser Gericht Féhim zu sieben Jahren Haft, seine Frau Béhija zu vier.
In der Berufung 2014 erhöhte die Kammer die Strafen auf zwölf Jahre für Féhim – samt 100.000 Euro Geldstrafe und Einreiseverbot – und acht Jahre für Béhija. Neffe Roberto übernahm die Führung. Ende 2022 eröffnete die Brigade de protection des mineurs nach einem anonymen Hinweis die Untersuchung gegen die neue Clangeneration mit rund 50 Dieben; im März 2024 folgte der Zugriff.
Der Clan Hamidovic vor Gericht: die Vorgeschichte
2009
1,3 Millionen Euro Beute im Jahr
Das Netzwerk um Féhim Hamidovic erbeutet nach Ermittlerschätzungen 1,3 Millionen Euro jährlich; junge Frauen müssen 300 Euro pro Tag abliefern.
15. Mai 2013
Sieben Jahre Haft für Féhim Hamidovic
Ein Pariser Gericht verurteilt Féhim Hamidovic zu sieben Jahren Haft, seine Frau Béhija zu vier Jahren.
13. Mai 2014
Berufung verdoppelt die Strafe
Die Berufungskammer Paris erhöht auf zwölf Jahre für Féhim und acht Jahre für Béhija. Neffe Roberto übernimmt die Führung des Clans.
Ende 2022
Neue Untersuchung gegen den Clan
Nach einem anonymen Hinweis eröffnet die Brigade de protection des mineurs die Untersuchung gegen die neue Clangeneration mit rund 50 Dieben.
März 2024
Zugriff gegen das Netzwerk
Bei dem Zugriff werden mehrere Personen festgenommen.
9. Oktober 2025
Erstes Urteil gegen die nächste Generation
Mehmet Hamidovic, Bruder Féhims, und zehn weitere Angeklagte werden zu drei bis acht Jahren Haft und Geldstrafen verurteilt.
23. September 2026
Sieben Clanmitglieder verurteilt
Das Tribunal correctionnel de Paris verhängt fünf bis acht Jahre Haft gegen sieben Clanmitglieder, alle mit dauerhaftem Einreiseverbot.
Kaum Opfer sagten aus
Im Prozess sagte nur eine einzige Betroffene aus: eine junge Frau, die als Jugendliche mit einem der Söhne verheiratet worden war. Die Kinder selbst blieben der Verhandlung fern; vertreten wurden sie von der Organisation MIST. Viele von ihnen verschwanden nach den Festnahmen.
Offen bleibt, was aus den Mädchen und Jungen wird, die der Clan über Jahre in die Metro und nach Disneyland schickte. Das Urteil schickt sieben Erwachsene hinter Gitter und für immer aus dem Land – über die Kinder, deren Leben es zerstörte, sagt es nichts.