Linke steigt in Hamburg auf 15 Prozent – CDU fällt auf Platz fünf
Eine Umfrage sieht die Linke in Hamburg bei 15 Prozent und auf Platz drei. Die CDU fällt auf Rang fünf. Zugleich debattierte die Bürgerschaft über die Prüfung eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens.
Die Linke steigt in Hamburg auf 15 Prozent und rückt in der Sonntagsfrage auf Platz drei vor – die CDU fällt auf Platz fünf zurück, die AfD liegt vor ihr. Für die Linke bedeutet das ein Plus von 3,8 Punkten gegenüber der Bürgerschaftswahl 2025, bei der sie 11,2 Prozent erreichte.
Erhoben hat die Werte Trend Research für Radio Hamburg: 975 Wahlberechtigte ab 16 Jahren wurden zwischen dem 22. und 27. September befragt, die vollständigen Werte der Hamburger Sonntagsfrage liegen seit dem 30. September vor. Am stärksten ist die Linke bei jungen Wählern: Bei den unter 30-Jährigen kommt sie auf 27 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen auf 26 Prozent. Auch in Berlin liegt die Linke vorn: Dort kommt sie einer Forsa-Umfrage zufolge auf 22 Prozent und ist erstmals stärkste Kraft in Berlin.
Die Linke in Hamburg nach Wählergruppen
Quelle: Trend Research für Radio Hamburg, 22.–27. September 2026
AfD holt frühere CDU-Wähler ab
Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis nahezu und zieht an der CDU vorbei – 2025 hatte sie 7,5 Prozent geholt. Die Zuwächse bei AfD und Linken in Hamburg erfassen auch die frühere CDU-Wählerschaft: 27 Prozent der heutigen AfD-Anhänger gaben an, 2025 noch CDU gewählt zu haben.
Für die CDU ist der fünfte Platz ein tiefer Fall: Bei der Bürgerschaftswahl 2025 kam sie mit 19,8 Prozent noch auf Platz zwei, im März 2026 lag sie in einer Erhebung von Infratest dimap bei 20 Prozent. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Krzysztof Walczak liest die Zahlen als Beleg für seine These.
„Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis nahezu – und die Brandmauer-Parteien verlieren den Rückhalt.“
Krzysztof Walczak, stellvertretender AfD-Landesvorsitzender Hamburg
BSW, FDP und Volt scheitern an der Hürde
Für BSW, FDP und Volt reicht es in der Umfrage nicht: Das BSW kommt auf 3 Prozent, die FDP ebenfalls auf 3 Prozent, Volt auf 2 Prozent – alle drei würden die Fünf-Prozent-Hürde verfehlen. Schon 2025 scheiterten FDP (2,3 Prozent) und BSW (1,8 Prozent) an der Hürde, Volt erreichte 3,2 Prozent.
Eine Wahlentscheidung folgt daraus nicht. Die nächste reguläre Bürgerschaftswahl in Hamburg steht erst 2030 an – nach Darstellung der WELT im ersten Quartal, nach der Jungen Freiheit im Winter. Zwischen Umfrage und Urne liegen Jahre, in denen die Parteien Wähler zurückgewinnen müssen.
Umfrage
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Verbotsantrag gegen die AfD im Parlament
Am Tag der Veröffentlichung, dem 30. September, debattierte die Bürgerschaft über die Umfragewerte und einen Antrag zur Prüfung eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens. Ob daraus ein Verfahren wird, ist offen.
Der SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf begründet den Vorstoß damit, dass es bei der AfD längst nicht mehr um einzelne politische Positionen gehe. Von der CDU verlangt er, sie müsse endlich Verantwortung im Umgang mit der AfD übernehmen.
„Bei der AfD geht es längst nicht mehr um einzelne politische Positionen, über die man streiten kann.“
Dirk Kienscherf, SPD-Fraktionschef Hamburg
Thering ruft die CDU zum Handeln
Einen Tag vor der Veröffentlichung hatte die CDU auf ihrem Landesparteitag über ihre Lage beraten. Landeschef Dennis Thering sprach von einer „tiefen Vertrauenskrise in unser politisches System“ und rief seiner Partei zu: „Nicht reden, nicht vertagen, nicht streiten, sondern handeln.“
Ob aus dem Prüfantrag ein Verbotsverfahren wird, ist offen. Für die Hamburger CDU stellt sich bis 2030 die Frage, ob sie die Wähler zurückgewinnt, die 2025 noch CDU gewählt haben und in dieser Umfrage bei der AfD stehen.