Ye-Konzerte in St. Petersburg abgesagt – Ermittler prüfen Betrug
Mehr als 100.000 verkaufte Tickets, Karten bis 160.000 Rubel – und jetzt fallen die Auftritte aus. Die Ye-Konzerte in St. Petersburg sind abgesagt, die Behörden prüfen einen möglichen Betrug des Veranstalters.
Die Ye-Konzerte in der St. Petersburger Gazprom-Arena sind abgesagt – und die Veranstalter geraten ins Visier der Ermittler. Die Agentur Say Agency teilte am 30. September per Telegram mit, die für den 10. und 11. Oktober geplanten Auftritte könnten zu diesen Terminen nicht stattfinden. Einen Grund nannte sie nicht.
Ticketkäufer sollen ab dem 12. Oktober ihr Geld zurückbekommen. Die Karten kosteten zwischen 9.000 und 160.000 Rubel, umgerechnet rund 100 bis 1.700 Euro. Nach Angaben des Veranstalters wurden in den ersten zwei Verkaufstagen mehr als 100.000 Tickets verkauft – die Gazprom-Arena fasst rund 80.000 Zuschauer.
Ye wäre der erste große westliche Künstler gewesen, der seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 in Russland auftritt. Statt der Showbühne prüfen die Behörden jetzt den Veranstalter.
Die Arena widersprach schon im August
Der Streit ist Wochen alt. Bereits am 24. August teilte die Gazprom-Arena mit, es sei kein Mietvertrag für die Shows unterzeichnet worden: „Dementsprechend kann das Konzert nicht auf unserem Gelände stattfinden.“ Einen Tag später widersprach Say Agency und versicherte den Ticketinhabern, die Konzerte würden wie geplant stattfinden.
Am 4. September erklärte die Arena, ihr Oktoberprogramm enthalte keine Konzerte ausländischer Künstler; Ticketkäufer forderten Rückerstattungen. Am 18. September verschwanden die Russland-Termine von Yees offizieller Tourliste.
Von der Ankündigung zur Absage
17. August 2026
Ankündigung und Ticketansturm
Die zwei Ye-Konzerte in der Gazprom-Arena für den 10. und 11. Oktober werden angekündigt. Der Ticketverkauf startet, es kommt zum Ansturm auf Tickets und Bahnfahrkarten.
24. August 2026
Die Arena dementiert
Die Gazprom-Arena teilt mit, es sei kein Mietvertrag unterzeichnet worden: „Dementsprechend kann das Konzert nicht auf unserem Gelände stattfinden.“
25. August 2026
Veranstalter widerspricht
Say Agency versichert den Ticketinhabern, die Konzerte würden wie geplant stattfinden.
4. September 2026
Keine ausländischen Künstler
Die Arena erklärt, ihr Oktoberprogramm enthalte keine Konzerte ausländischer Künstler. Ticketkäufer fordern Rückerstattungen.
18. September 2026
Termine verschwinden
Die Russland-Termine fehlen auf Yees offizieller Tourliste.
30. September 2026
Absage und Ermittlungen
Say Agency teilt mit, die Konzerte könnten nicht stattfinden; Rückerstattungen ab 12. Oktober. Laut Kommersant prüfen die Behörden möglichen Betrug.
Druck aus Duma und Außenministerium
Schon vor der Absage gab es politischen Gegenwind: Von dem Rapper wurden ein Bekenntnis zum Krieg und russische Lieder verlangt. Zugleich feierten kremltreue Abgeordnete die geplanten Auftritte als Sieg über die „anti-russische Hysterie“; der Welt-Bericht zum Ende der Konzerte nennt beide Reaktionen. Ein Abgeordneter der Duma erhob die Forderung nach einem Kriegs-Bekenntnis.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nannte die geplanten Auftritte inakzeptabel. Ye habe, so Sacharowa, „das Thema Unterstützung gepusht“ – „nicht nur Unterstützung, sondern was der Westen Verherrlichung nennt – also nicht einmal Rehabilitierung, sondern genau die Verherrlichung Hitlers selbst“. Bewiesen ist dieser Vorwurf nicht; offiziell begründet wurde die Absage damit nicht.
Der St. Petersburger Abgeordnete Vitali Milonow spottete über den Rapper: „Vielleicht hört er danach mit seinen widerlichen Eskapaden auf und wird ein normaler Mensch.“
Was den Veranstaltern vorgeworfen wird
Die Behörden im St. Petersburger Stadtbezirk Petrogradski prüfen laut der Wirtschaftszeitung Kommersant einen möglichen Betrug durch Say Agency. Nach dem Bericht über die Ermittlungen gegen den Veranstalter soll der Schaden jenseits von 15 bis 20 Millionen Euro liegen.
Umfrage
Lädt
Die Prüfung geht auf eine Anfrage eines Abgeordneten der St. Petersburger Legislativversammlung zurück, bei dem sich betroffene Ticketkäufer beschwert hatten. Ob ein Strafverfahren eröffnet wird, entscheidet das Innenministerium in Moskau.