Heizkosten bleiben 82 Prozent über dem Niveau von 2021
Die Energiepreise liegen 2025 rund 82 Prozent über dem Niveau von 2021, die Heizkosten je Quadratmeter rund 45 Prozent darüber. Techem-Chef Schiller sieht die Sparpotenziale der Verbraucher ausgeschöpft – und fordert eine Modernisierung des Gebäudebestands.
Die Energiekrise ist für Deutschlands Haushalte nicht vorbei. 2025 lagen die Energiepreise rund 82 Prozent über dem Niveau von 2021 – dem letzten Jahr vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Weil die Heizperiode kälter ausfiel als im Vorjahr, stiegen die Heizkosten je Quadratmeter gegenüber 2021 um rund 45 Prozent.
Den Anlass liefert der Techem Atlas für Energie, Wärme & Wasser 2026, den der Messdienstleister am 1. Oktober 2026 vorlegte. Für Techem-Chef Ulrich Schiller ist der Spielraum der Verbraucher ausgereizt: Wer künftig sparen wolle, müsse an der Heizungstechnik ansetzen, nicht am Verbrauchsverhalten.
„Die Folgen der Energiekrise sind für viele Haushalte weiterhin spürbar. Angesichts anhaltend hoher Energiekosten fällt ein kälterer Winter im Jahr 2025 besonders ins Gewicht. Viele Verbraucher haben die Einsparpotenziale, die ihnen unter anderem die unterjährige Verbrauchsinformation eröffnet, bereits weitgehend ausgeschöpft.“
Ulrich Schiller, Co-CEO der Techem Gruppe und CEO Deutschland
Saarland zahlt 14,50 Euro, Berlin nur 10,34 Euro
Auf Ebene der Bundesländer klaffen die Heizkosten weit auseinander: Das Saarland ist mit 14,50 Euro pro Quadratmeter das teuerste Land, Berlin mit 10,34 Euro das günstigste. In den Städten führt Ravensburg mit 13,34 Euro, Schlusslicht ist Bielefeld mit 8,99 Euro je Quadratmeter.
Zwischen der teuersten und der günstigsten Stadt liegen 4,35 Euro pro Quadratmeter. Auf eine Wohnung mit 100 Quadratmetern hochgerechnet sind das 435 Euro Unterschied im Jahr, ohne dass der Mieter mehr heizen müsste.
Wärmepumpe 8,80 Euro, Fernwärme 16,02 Euro
Am günstigsten heizen Wärmepumpen: Sie kommen auf 8,80 Euro pro Quadratmeter. Heizöl schlägt mit 12,97 Euro zu Buche, Erdgas mit 13,92 Euro, Fernwärme mit 16,02 Euro – fast das Doppelte einer Wärmepumpe.
Heizkosten 2025 nach Energieträger
Kosten je Quadratmeter in Euro
Quelle: Techem Atlas für Energie, Wärme & Wasser 2026
Deutsche Fernwärmekunden zahlen europaweit am meisten: rund 1.057 Euro pro Wohnung, vor der Schweiz mit 982 Euro. Für Erdgas- und Heizölkunden droht zum Jahreswechsel der nächste Preisschub – Gaspreise sollen zum Jahreswechsel steigen.
Nur 40 Prozent sind ohne Heizkörpertausch geeignet
Rund 40 Prozent der Heizungsanlagen in Mehrfamilienhäusern lassen sich ohne Heizkörpertausch auf ein Niedertemperatursystem umstellen. Mit Heizkörpertausch steigt der Anteil auf rund 80 Prozent, mit speziellen Niedertemperaturheizkörpern auf rund 90 Prozent. Für den Einbau einer Wärmepumpe gilt der Bestand damit zu einem großen Teil als vorbereitet.
Schiller fordert deshalb eine gezielte Modernisierung des Gebäudebestands. Smart Metering, fernablesbare Messsysteme und ein datenbasierter Betrieb sollen Energieverbräuche senken und die Belastung aus Energiekosten und CO₂-Kostenaufteilung für Mieter und Vermieter begrenzen.
„Entscheidend ist es jetzt, eine gezielte Modernisierung des Gebäudebestands weiter voranzutreiben und dabei technische Möglichkeiten gezielt einzusetzen. Smart Metering, fernablesbare Messsysteme, digitale Verbrauchstransparenz und ein datenbasierter Betrieb von Gebäuden schaffen die Grundlage, um Energieverbräuche weiter zu reduzieren und die Belastungen aus Energiekosten und der CO₂-Kostenaufteilung für Mieter und Vermieter zu begrenzen.“
Ulrich Schiller, Co-CEO der Techem Gruppe und CEO Deutschland
Höhere Gaspreise zur Heizperiode 2026/27
Der Heizspiegel 2026 von co2online vom 29. September 2026 enthält Prognosen für das Abrechnungsjahr 2026. Vor der Heizperiode 2026/27 rechnen 65 Prozent der Versorger mit höheren Erdgaspreisen – Versorger rechnen mit höheren Erdgaspreisen.
Solange Fernwärme mit 16,02 Euro und Erdgas mit 13,92 Euro zu Buche schlagen, während eine Wärmepumpe mit 8,80 Euro auskommt, bleibt der Druck auf Mieter und Vermieter hoch. Offen ist, wie viele der Anlagen, die ohne Heizkörpertausch auf niedrige Temperaturen umgestellt werden könnten, bis zur nächsten Heizperiode tatsächlich umgerüstet werden.