Die Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises ehrt in diesem Jahr zwei ZDF-Journalistinnen – und nennt in derselben Erklärung eine Partei, die den Medienstaatsvertrag kündigen will.
Am 1. Oktober machte der Verein zur Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises publik, dass Dunja Hayali und Sarah Tacke den Hauptpreis 2026 erhalten, wie aus der Bekanntgabe der Preisträger durch den Preisverein hervorgeht.
Eine Partei in Reichweite der Macht
Die Jury begründet die Wahl mit Hayalis Gesprächsführung: Sie sei bestens vorbereitet und frage in alle Richtungen kritisch nach. Gewürdigt wird auch, wie sie jahrelangen Shitstorms standhält. Tacke erhält den Preis für ihren Beitrag zu Wahrheit und Klarheit im demokratischen Diskurs.
Den politischen Rahmen der Entscheidung benennt Sandra Maischberger, Jury-Vorsitzende und ARD-Moderatorin, ausdrücklich:
„Neu ist, dass gleich in zwei deutschen Bundesländern eine Partei in Reichweite der Macht ist, die die Kündigung des Medienstaatsvertrags zu einem zentralen Wahlversprechen gemacht hat.“
Die Jury verweist mit diesem Satz auf die AfD: In zwei deutschen Bundesländern sei eine Partei in Reichweite der Macht, die die Kündigung des Medienstaatsvertrags zum zentralen Wahlversprechen gemacht habe. Faktenbasierter Journalismus stehe unter nie dagewesenem Druck. Eine Übersicht der dju zu den Übergriffen auf Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen.
Sonderpreis für das NDR-Magazin ZAPP
Der Förderpreis 2026 geht an den NDR-Journalisten Manuel Biallas, einen Sonderpreis erhält die Redaktion des NDR-Medienmagazins ZAPP. Die ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten sieht darin ein Signal an die Branche:
„Ich freue mich sehr, dass mit Dunja Hayali und Sarah Tacke zwei herausragende Journalistinnen ausgezeichnet werden. Ein starkes Signal für einen unabhängigen Journalismus, der zunehmend unter Druck gerät.“
Schausten verbindet die Auszeichnung mit dem wachsenden Druck auf den Berufsstand. Das ZDF hat die Ehrung öffentlich gemacht – unter anderem mit einer ZDF-Mitteilung zur Auszeichnung der beiden Journalistinnen.
Vier Kontroversen und scharfe Kritik
Widerspruch kommt von der Wochenzeitung Junge Freiheit: Sie kritisiert die Ehrung scharf und verweist auf frühere Kontroversen um Hayali – vier Vorgänge aus zwölf Monaten.
Im September 2025 geriet Hayali in die Kritik, weil sie die Ermordung des US-Debattierers Charlie Kirk mit „abscheulichen sexistischen, rassistischen und menschenfeindlichen Aussagen“ des Opfers in Zusammenhang brachte. Sie erhielt Morddrohungen und nahm sich eine Auszeit.
Im Oktober 2025 bedauerte das ZDF ihre Äußerung zu palästinensischen Geiseln unter den rund 2.000 Häftlingen, die aus israelischen Gefängnissen entlassen worden waren. Im Februar 2026 entfernte der Sender eine komplette Folge des heute journal aus der Mediathek, nachdem ein Beitrag über einen ICE-Einsatz in den USA mit einem KI-Video ausgestrahlt worden war.
Im Juni 2026 warf die Deutsche Bahn der ZDF-Doku „Am Puls mit Dunja Hayali – Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ schwere journalistische und fachliche Mängel vor und forderte die Löschung. Das ZDF wies die Kritik zurück.
Von der ersten Vergabe bis zur Preisverleihung 2026
- 1995Erste Vergabe des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises
Namensgeber ist der im März 1995 gestorbene Reporter und 'Tagesthemen'-Moderator Hanns-Joachim Friedrichs.
- September 2025Kritik an Hayalis Einordnung der Ermordung von Charlie Kirk
Sie bringt die Tat mit den Aussagen des Opfers in Zusammenhang, erhält Morddrohungen und nimmt sich eine Auszeit.
- Oktober 2025ZDF bedauert Äußerung zu palästinensischen Häftlingen
Es geht um ihre Formulierung zu entlassenen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen.
- Februar 2026ZDF entfernt 'heute journal'-Folge nach KI-Video
Ein Beitrag über den ICE-Einsatz in den USA war mit einem KI-Video ausgestrahlt worden.
- Juni 2026Deutsche Bahn wirft ZDF-Doku schwere Mängel vor
Der Konzern fordert die Löschung der Sendung „Am Puls mit Dunja Hayali“; das ZDF weist die Kritik zurück.
- 1. Oktober 2026Bekanntgabe: Hayali und Tacke erhalten den Hauptpreis
Förderpreis an NDR-Journalist Manuel Biallas, Sonderpreis an die ZAPP-Redaktion.
- 5. November 2026Geplante Verleihung beim NDR in Hamburg
Moderation: Caren Miosga, mit der Diskussion „Journalismus und der Angriff auf die Demokratie“.
Verleihung am 5. November in Hamburg
Die Preisverleihung ist für den 5. November beim NDR in Hamburg geplant. Durch den Abend führt Caren Miosga; die Aufzeichnung soll am selben Abend ausgestrahlt werden. Teil der Veranstaltung ist die Diskussion „Journalismus und der Angriff auf die Demokratie – Zeit, sich mit einer Sache gemein zu machen?“
Der Titel der Diskussion zitiert den Namensgeber des Preises. Der Reporter und 'Tagesthemen'-Moderator Hanns-Joachim Friedrichs starb im März 1995, im selben Jahr wurde der Preis erstmals vergeben. Auf Friedrichs geht der Satz zurück: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“
Ob die Diskussion die Vorwürfe gegen Hayali aufgreift und ob die Jury ihre Warnung vor der AfD in der Runde vertieft, ist offen. Der Termin steht: 5. November, NDR Hamburg.
