Für Tom Cruise (64) wird der 2. Oktober zum Riskotag: Sein neuer Film „Digger“ läuft an, und die Prognosen laufen auf einen der schwächsten breiten US-Starts seiner Karriere seit 2000 hinaus.
Der Film von Regisseur Alejandro G. Iñárritu startet an rund 3.300 nordamerikanischen Kinos. Warner Bros. erwartet laut den Prognosen von Deadline für das Startwochenende selbst nur 12 bis 15 Mio. US-Dollar – andere Beobachter rechnen mit unter 10 Mio., Boxoffice Pro mit 8 bis 12 Mio.
Am selben Wochenende startet „Verity“ nach dem Bestseller von Colleen Hoover in 3.510 Kinos. Der Film von Regisseur Michael Showalter wird auf 25 bis 35 Mio. US-Dollar geschätzt. Aus dem Duell zweier Star-Projekte wird damit ein einseitiges Rennen.
180 Millionen Dollar Kosten, 35 Millionen Dollar Start
Die Prognosen stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand. „Digger“ wurde mit 125 Mio. US-Dollar grünes Licht erteilt, kostete laut vier Insidern aber 160 bis 180 Mio. US-Dollar. Warner Bros. widerspricht dieser Darstellung.
Dazu kommt ein weltweites Marketing von fast 100 Mio. US-Dollar. Analysten nennen einen globalen Break-even von rund 350 Mio. US-Dollar, Warner Bros. selbst 300 Mio. US-Dollar.
International läuft „Digger“ in 73 Märkten auf über 14.000 Leinwänden – ohne China und ohne Polen, Vietnam, Malaysia und Thailand. Dort werden nur 15 bis 20 Mio. US-Dollar erwartet. Selbst im besten Fall käme der Film global auf rund 35 Mio. US-Dollar.
Prognostizierter Start von „Digger“ und „Verity“
Jeweils die obere Spanne der Studio- und Analystenprognosen
Verrisse, die das Studio selbst bewirbt
Die Kritik hilft nicht. „Digger“ steht bei 52 Prozent auf Rotten Tomatoes und bei 46 Punkten auf Metacritic. „Verity“ kommt auf 43 bis 48 Prozent und 44 Punkte. Beide Filme spalten Kritik und Publikum schon vor dem Start.
Die Reaktionen bei der Weltpremiere von „Digger“ mit William und Kate waren bereits gespalten. New York Post und Boston Globe vergaben null Sterne.
Warner Bros. dreht es um: Eine Last-Minute-Kampagne zitiert die Verrisse offensiv und ruft „Decide for yourself“ – entscheide selbst. Der Analyst Jeff Bock von Exhibitor Relations bezweifelt, dass der Starname allein zieht.
„Hut ab vor Warner Bros., dass sie es wagen; Tom Cruise hat sich dieses Recht verdient. Aber sprechen wir ehrlich darüber, wo Tom Cruise heute steht. Er ist eine Franchise-Maschine. Kann das Publikum ihn nach seiner Marke als Actionheld wieder als wandlungsfähigen Schauspieler akzeptieren?“
Für eine schwarze Komödie brauche es „eine Herkulesanstrengung“, um Mundpropaganda in Gang zu bringen, sagt Bock. Cruise wisse, dass er bei diesem Film eine Extrameile gehen müsse – „sein Name allein wird ihn nicht verkaufen“.
Hathaway sammelt den dritten Nummer-1-Start
Anne Hathaway (43) steht auf der anderen Seite. „Verity“ kostete nur 40 Mio. US-Dollar und soll aus 70 internationalen Märkten 20 bis 25 Mio. US-Dollar holen – ein weltweiter Start von 50 bis 55 Mio. US-Dollar.
Für Hathaway wäre es der dritte Nummer-1-Start des Jahres 2026, nach „The Devil Wears Prada 2“ und „The Odyssey“. Ihre vier Filme dieses Jahres spielten zusammen über 2,5 Mrd. US-Dollar ein. Neben ihr spielen Dakota Johnson und Josh Hartnett.
Der Box-Office-Analyst Paul Dergarabedian von Comscore erwartet ein ungewöhnliches Wochenende: „Immer wenn ein Star von der Größe Tom Cruises einen großen Schlag wagt und gegen sein Rollenfach spielt, sollten sich die Erwartungen an den Kinokassen nicht allein auf die Star-Power richten“, sagt er.
Das letzte Warner-Bros.-Projekt vor dem Verkauf
Der Einbruch trifft Warner Bros. in einem katastrophalen Jahr: kein Film über 100 Mio. US-Dollar im Heimmarkt, nur 6 Prozent Marktanteil. Eine Analyse der schwierigen Startbedingungen von „Digger“ nennt zusätzlich die gespaltene Kritik und den schwierigen Ton des Films als Gründe.
In der kommenden Woche soll die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance abgeschlossen werden. „Digger“ ist damit der letzte Film, den das Studio als eigenständiges Unternehmen in die Kinos bringt.
Vom Fan-Event zum Startwochenende
- Juli 2026Ungewöhnliches Fan-Event auf dem Studio-Gelände
Cruise lädt für „Digger“ vor allem Influencer auf das Warner-Bros.-Gelände.
- 23. September 2026Weltpremiere in London
Royal Film Performance im Odeon Luxe Leicester Square – die Reaktionen sind gespalten.
- 29. September 2026Das Review-Embargo fällt
Die Mehrheit der etablierten Kritiker verreißt den Film, New York Post und Boston Globe vergeben null Sterne.
- 30. September 2026Das Tracking wird nach unten korrigiert
Boxoffice Pro und Page Six melden 8 bis 12 Mio. US-Dollar für „Digger“, Box Office Theory 7,5 bis 12,5 Mio. – bei „Verity“ klettern die Prognosen.
- 1. Oktober 2026Finale Wochenendprognosen und Previews
„Verity“ 25 bis 35 Mio. US-Dollar domestic, „Digger“ 12 bis 15 Mio. (Studio) bzw. 8 bis 12 Mio. (Analysten); die Previews beider Filme starten um 14 Uhr Ortszeit.
- 2. Oktober 2026Offizieller US-Kinostart
„Digger“ und „Verity“ laufen landesweit an.
- ab 5. Oktober 2026Abschluss der Paramount-Übernahme erwartet
Warner Bros. Discovery soll in der kommenden Woche an Paramount Skydance gehen.
Die ersten belastbaren Zahlen werden für Sonntag erwartet. Dann zeigt sich, ob Cruise’ Name noch Publikum in die Kinos bringt – oder ob „Digger“ dort landet, wo 2012 „Rock of Ages“ mit 14,4 Mio. US-Dollar stehen blieb.
